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Strandsperre in Kalifornien wegen Coronavirus: Anwohner sauer auf Touristen

  • In Kalifornien darf keiner mehr an die Strände – wegen des Coronavirus ist alles abgesperrt.
  • Das ärgert die Einwohner, die dort nur mal allein schwimmen oder spazieren wollen.
  • Sie geben den Touristenmassen die Schuld an den Maßnahmen.
Christian Thiele
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San Diego. “Es ist, als wäre ich in ein Paralleluniversum geraten.” Kyle Anderson hatte bereits geschlafen, als der Bürgermeister von San Diego den bislang drastischsten Schritt im Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19 unternahm. Kevin Faulconer ordnete per Notdekret an, dass ab Mitternacht die weltberühmten Strände von der mexikanischen Grenze bis zum Nobelküstenort Del Mar geschlossen bleiben.

Es ist das erste Mal in der kalifornischen Geschichte, dass auf so breiter Ebene die pazifischen Sandstrände, aber auch die Bay von San Diego sowie die Parks und Wanderwege in den Bergen für die Bürger nicht mehr zugänglich sind.

Kein Verständnis für Strandsperre

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Als Anderson dienstagmorgens wie gewöhnlich um 5 Uhr mit seinem Longboard am Pier von Pacific Beach ins Wasser gehen wollte, wurde er bereits am Boardwalk von einem gelben Tatortband gestoppt. Der 27-Jährige: “Ich verstehe nicht, wen ich anstecken kann, wenn ich allein auf dem Wasser bin. Es macht einfach keinen Sinn.”

Anwohnerin Cindy Lancester, die in der Nobelenklave La Jolla nur einen halben Block vom Meer entfernt wohnt, ist stinksauer. Nicht auf den Bürgermeister, sondern die “Touristen und Leute aus dem Inland”, denen sie die Schuld an der Totalsperrung gibt: “Am Montag war es auf dem Boardwalk wie ein Volkslauf. Von überall kamen die Leute her und haben die Auflagen missachtet, voneinander zwei Meter Abstand zu halten. Wir Einwohner sind jetzt die Leidtragenden, weil wir nicht einmal mehr hier Fahrrad fahren dürfen!”

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Kalifornien verhängt Ausgehverbot
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Zur Eindämmung des Coronavirus dürfen die 40 Millionen Bewohner des bevölkerungsreichsten Bundesstaates ihre Häuser nur noch aus dringlichen Gründen verlassen.  © Reuters

Unverbesserliche ignorieren die Absperrungen

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Es gibt auch noch Unverbesserliche, die die Absperrungen einfach ignorieren. Laut Lifeguard Stephen Kairns mussten er und seine Crew am Strand und an der Mission Bay gleich zwei Dutzend Verwarnungen bis zum Mittag aussprechen: “Leute sind einfach unter dem Absperrungsband durch und ins Wasser oder sind im Sand gejoggt. Wir haben es bislang bei Verwarnungen belassen, doch beim nächsten Mal gibt es ein Strafmandat.”

Nicht alle stört der tief greifende Einschnitt in den kalifornischen Lifestyle von “Beach, Surf and Fun in the Sun”. Frühpensionär Walter Leitner glaubt fest daran, was er gerade aus dem Mund von Donald Trump gehört hat: “Unser Präsident sagt, dass bis Ostern eh alles wieder normal ist. Die Bande hier soll sich nicht so anstellen.” Um dann zuzugeben: “Ich wohne 30 Autominuten weg vom Strand und mag das Meer nicht.”

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