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Steigende Corona-Zahlen in Peru: Die Gräber auf den Friedhöfen werden knapp

  • Mit steigenden Corona-Zahlen kämpft Peru nicht nur mit Engpässen in den Krankenhäusern.
  • Auch auf den Friedhöfen wird der Platz knapp.
  • Manch Hinterbliebener sieht keine andere Chance, als ein Grab außerhalb der offiziellen Ruhestätten auszuheben.
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Lima. Als der Peruaner Joel Bautista vor kurzem einem Herzinfarkt erlag, wusste die Familie nicht wohin mit dem Leichnam. Bei vier verschiedenen Friedhöfen bemühte sie sich um einen Bestattungsplatz – vergeblich. Nach einigen Tagen Suchen und Wartens gruben die Angehörigen dann ein Loch im Garten des Toten.„Wenn es keine Lösung gibt, dann ist der Platz eben hier“, verteidigt Yeni Bautista die Entscheidung der Familie, ein Grab unter einem Hibiskusbaum auszuheben, nachdem die sterblichen Überreste ihres Bruders schon anfingen zu verwesen.

Die Grabungsarbeiten in einem Armenviertel der Hauptstadt Lima wurden vom Fernsehen eingefangen und fanden die Aufmerksamkeit der Behörden. Die Hinterbliebenen von Joel Bautista bekamen so schließlich das Angebot eines Bestattungsplatzes an den steinigen Hängen eines Friedhofs.

Grabplätze gehen in Peru aus

Doch die Bautistas sind kein Einzelfall. Mit steigenden Todeszahlen inmitten der Corona-Pandemie gehen in Peru die Grabplätze aus – für Covid-19-Opfer ebenso wie für andere. „Die Friedhöfe brechen zusammen wegen der Covid-Toten“, sagt Yeni Bautista.

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Seit Beginn der Corona-Pandemie ist es die tödlichste Phase in dem südamerikanischen Land. Bestätigt wurden bislang rund 64 300 Corona-Tote, wie aus Zahlen des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Die Dunkelziffer in dem 32-Millionen-Einwohner-Land dürfte viel höher liegen. Schätzungen von Standesamtskreisen gehen von rund 175 000 Corona-Toten aus.

Die steigenden Infektionszahlen haben im Frühjahr auch die Kliniken überwältigt. Krankenhausbetten wurden so rar, dass in den sozialen Medien immer wieder Autos, Land oder sogar Nieren im Tausch für eines der 2785 Intensivbetten angeboten werden. Und für Familien, die ihre erkrankten Angehörigen nicht retten können, gehen die Sorgen nach dem Tod weiter.

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Beerdigung für viele in Peru unerschwinglich

Selbst wenn ein Grabplatz gefunden wird, so ist die Beerdigung für viele unerschwinglich. Bei einem Friedhof am Rande von Lima kommen die Kosten für eine Bestattung beispielsweise auf umgerechnet knapp tausend Euro, fast das Fünffache des monatlichen Mindestlohns.„Ich bitte ja gar nicht um einen großen Platz, nur um ein winziges Fleckchen, um ihn zu bestatten“, sagt Yeni Bautista über ihren Bruder. So manche Familie, die keinen Bestattungsplatz findet, hat allerdings bereits Eigeninitiative ergriffen und heimlich ein Grab im Umfeld von einem der Friedhöfe Limas ausgehoben.

Viele der 65 Friedhöfe der Stadt sind ohne Entwicklungspläne oder Behördengenehmigungen gewachsen. Ohne Zäune oder Mauern lässt sich kaum erkennen, wo sie enden und wo Armenviertel beginnen. Nur 20 der Einrichtungen haben Zertifizierungen der Gesundheitsbehörden. „Viele Friedhöfe sind am Zusammenbrechen“, sagt Martín Amampa von der Verwaltung des Stadtbezirks Carabayllo. „Wir erleben die Konsequenzen eines schlechten Planungsverfahrens.“

„Am Rande von Lima, in den armen Gegenden, müssen die Leute selbst in den Hügeln beerdigen“, sagt Felix Albornoz, der seinen Cousin auf einer kürzlich in die staubigen Hänge hinein erweiterte Fläche eines Friedhofs zu Grabe trägt. „Es gibt keine Unterstützung. Die Regierung lässt uns im Stich.“ Albornoz‘ Vetter starb an Corona, während er vergeblich auf einen Platz auf der Intensivstation wartete.

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Schon vor dem Tod einen Grabplatz sichern

Victor Coba, Kaufmann im Ruhestand, sichert sich derweil schon einen Grabplatz: Für sich, seine Frau und vier andere Familienmitglieder baut er in einer Lücke auf einem Friedhof im Norden Limas sein „ewiges Heim“, wie er sagt. Dazu schafft der 72-Jährige Steine, Sand und Zement auf den Platz.

Seine Ehefrau und er hätten sich entschlossen vorzusorgen, als um sie herum immer mehr Menschen an Covid-19 gestorben seien, sagt Coba. Etwa zwei Dutzend Nachbarn habe es getroffen. „Man macht sich schon ziemlich Sorgen, wenn es keinen Ort gibt, an den man sie bringen kann“, erklärt er.

RND/AP

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