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Staatsanwälte im Fall Kenosha: Kyle R. provozierte Blutvergießen

In den Schlussplädoyers im Prozess um den gewaltsamen Tod zweier Demonstranten bei Anti-Rassismus-Protesten in Kenosha hat die Staatsanwaltschaft ihre schweren Vorwürfe gegen den beschuldigten Kyle R. bekräftigt.

Kenosha.In den Schlussplädoyers im Prozess um den gewaltsamen Tod zweier Demonstranten bei Anti-Rassismus-Protesten in Kenosha hat die Staatsanwaltschaft ihre schweren Vorwürfe gegen den beschuldigten Kyle R. bekräftigt. Er habe das Blutvergießen auf den Straßen der Stadt im US-Staat Wisconsin provoziert, indem er ein Sturmgewehr mitgeführt und andere bedroht habe, sagte Staatsanwalt Thomas Binger am Montag vor der Jury. Nach den tödlichen Schüssen sei R. dann wie ein „Held in einem Western“ davongegangen.

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R. droht lebenslange Haft

R. steht vor Gericht, weil er im August 2020 auf drei Männer geschossen und zwei von ihnen tödlich verletzt haben soll. In Kenosha tobten zu diesem Zeitpunkt schwere Unruhen, nachdem dem Afroamerikaner Jacob Blake bei einem Polizeieinsatz mehrmals in den Rücken geschossen worden war. Der damals 17 Jahre alte R. war mit einem Gewehr und Verbandszeug eigens von seinem Heimatstaat Illinois nach Kenosha gereist, um nach eigenem Bekunden Eigentum vor Randalierern zu schützen. Im Falle einer Verurteilung droht dem angehenden Polizisten R. lebenslange Haft.

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R. gab an, in jener Krawallnacht um sein Leben gefürchtet und in Notwehr gehandelt zu haben. Seine Anwälte argumentierten, dass der getötete Demonstrant Joseph Rosenbaum, auf den ihr Mandant als erstes schoss, nach dessen Waffe habe greifen wollen. Andere in der Menge seien auf R. losgegangen.

Staatsanwalt Binger konzentrierte sich auf die Tötung Rosenbaums, die er wiederholt als ungerechtfertigten „Mord“ bezeichnete. Er erinnerte die Jury auch an die eigene Aussage von R., laut der er gewusst habe, dass Rosenbaum unbewaffnet gewesen sei. Wiederholt bestritt er auch die Darstellung des Beschuldigten, wonach Rosenbaum nach dessen Gewehr gegriffen habe. Nachdem Rosenbaum verletzt worden sei, sei er dazu gar nicht in der Lage gewesen.

Trump verteidigt Schützen von Kenosha

Der US-Präsident stellte am Montag Vermutungen auf, dass der 17-jährige Kyle R. getötet worden wäre, wenn er nicht geschossen hätte.

Mehrmals zeigte Binger den Geschworenen auch Ausschnitte aus einem Drohnenvideo. Es zeigte, wie R. mit seinem halbautomatischen Gewehr auf Teilnehmer der Demonstration zielte. „Sie verlieren das Recht auf Selbstverteidigung, wenn Sie derjenige sind, der die Waffe mitbringt, wenn Sie derjenige sind, der die Gefahr verursacht, wenn Sie es sind, der andere Leute provoziert“, sagte er. „Ich denke, wir können uns alle einig sein, dass wir 17-Jährige nicht mit AR-15-Gewehren auf unseren Straßen herumrennen lassen sollten, denn dabei kommt exakt das hier heraus.“

Der Prozess gegen R. spielt sich in einem politisch aufgeladenen Klima vor dem Hintergrund einer hitzigen Debatte über das Recht auf Selbstverteidigung, Bürgerwehren, Waffenbesitz und Proteste gegen Rassismus in den USA ab.

RND/AP

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