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Spendengalas im Fernsehen: Wohin das Geld von ARD, Sat.1, RTL und ZDF geht

  • Rund 115 Millionen Euro an Spendengeldern für die Flutopfer haben alleine die Fernsehsender ARD, ZDF, Sat.1 und RTL gesammelt.
  • Doch wer entscheidet eigentlich, wer und wann das Geld bekommt?
  • Und wie können Flutopfer an dringend benötigte Spenden kommen?
Miriam Keilbach
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Mit Spendengalas und Thementage haben die vier großen deutschen Fernsehsender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 Geld für die von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen gesammelt. Rund 115 Millionen Euro kamen auf diese Weise bis Dienstagmittag zusammen. Doch wer verteilt eigentlich das Geld in die Krisengebiete – und wie viel des gespendeten Geldes kommt wirklich an?

Am meisten Geld sammelten die Sender der ARD ein. „Die Spendenbereitschaft ist sehr hoch: Inzwischen haben hilfsbereite Menschen mehr als 57 Millionen Euro gespendet“, sagt ARD-Sprecherin Gabriele Müller dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Das Geld, das über die ARD eingenommen wurde, werde „zu 100 Prozent“ an das Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“, einem Zusammenschluss von 23 Hilfsorganisationen, weitergeleitet. Viele der Organisation, zu denen etwa Johanniter und Arbeiterwohlfahrt gehören, sind bereits mit Personal im Krisengebiet vertreten.

Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ verwaltet Spenden von ARD und Sat.1

„Das Bündnis kümmert sich um die Finanzierung von Hilfseinsätzen und die Unterstützung der Menschen vor Ort. Neben den Aufräumarbeiten gehört dazu beispielsweise auch die Versorgung mit Trinkwasser, die Lieferung von Notstromaggregaten oder auch die medizinische Versorgung“, so die ARD-Sprecherin.

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Nebst den ARD-Spenden ist das Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“, das seit 2001 besteht, auch für die gesammelten Spenden von Sat.1 zuständig. Der Sender erzielte durch seine Gala am Samstagabend sowie weitere Spendenaufrufe 31 Millionen Euro. Die Spenden seien direkt beim Bündnis eingegangen, bestätigt ein Sprecher der Sat.1-ProSieben-Mediengruppe dem RND. Insgesamt hat das Bündnis derzeit bereits 100 Millionen Euro generiert.

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„Aktion Deutschland hilft“: 87 Prozent der Spenden gehen an die Flutopfer

„Aktion Deutschland Hilft“ ist eine der renommiertesten Hilfsorganisationen in Deutschland und hat zahlreiche Qualitätssiegel. Spenden werden zu 87 Prozent für die jeweiligen Projekte vor Ort genutzt, 13 Prozent sind Betriebs- und Verwaltungskosten, etwa für Öffentlichkeitsarbeit, Informationsmaterial und Kosten für den Unterhalt des Aktionsbüros, ist auf der Website zu lesen. Die laufenden Kosten werden auch über Mitgliederbeiträge von den jeweiligen Hilfsorganisationen gedeckt. Aufgrund des aktuell hohen Spendenaufkommens für die Flutopfer prüfe man, ob der Anteil dieser Kosten gesenkt werden könne, sagte Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin von „Aktion Deutschland Hilft“, dem RND.

Alle eingegangenen Spenden in Verbindung mit dem Hochwasser dürften nur für die Hochwasserhilfe eingesetzt werden. „Über die Verwendung der Spendengelder berichten wir transparent, zum Beispiel im jährlichen Geschäftsbericht oder – bei großen Katastrophen wie dieser – auch in Zwischenberichten. Hier wird der Finanzfluss von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft wird“, sagt Roßmann.

„Aktion Deutschland Hilft“: Erfahrung durch die Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013

Das Bündnis profitiert derzeit von Erfahrungen bei den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013. Damals etablierte Mechanismen würden auch jetzt greifen, so Roßbach. Soforthilfen seien bereits in Form von Hygiene- und Lebensmittelhilfen, psychosozialen Angeboten und Hilfe zur Trinkwasseraufbereitung im Einsatz. Mittelfristig werden Baumaterial und Notstromaggregatoren gestellt und mobile Krankenstationen aufgebaut. Sie gehe davon aus, dass der Wiederaufbau Jahre dauern werde. „Hier wird vor allem die Unterstützung von Menschen, die viel oder gar alles verloren haben, aber keine ausreichende Unterstützung aus staatlichen Quellen oder von Versicherungen erhalten, im Vordergrund stehen“, sagt Roßmann.

Ein Problem könnte werden, dass im Katastrophengebiet derzeit viele verschiedene Hilfsorganisationen im Einsatz sind, hinzu kommen staatliche Programme. Dass manch eine Person nebst der Soforthilfe von 3500 Euro vom Bund von mehreren Hilfsorganisationen Geld erhalten, könne nicht ausgeschlossen werden, sagte Dariush Ghobad von der Caritas dem WDR. Für eine konkrete Abstimmung seien zu viele verschiedene Hilfsorganisationen vor Ort im Einsatz. Eine Absprache „können wir nicht leisten, dafür müssten wir ein langwieriges Prüfverfahren einführen.“ Stattdessen müsse man zwischen Transparenz und unkomplizierter, schnellen Hilfe abwägen. Laut des Berichts haben Flutopfer in Solingen und im Kreis Heinsberg bereits erste Zahlungen auf ihre Konten erhalten.

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Zentrale Datenbank soll doppelte Zahlungen an Flutopfer verhindern

Um doppelte Zahlungen verschiedener Vereine zu vermeiden, sei eine zentrale Datenbank in der Planung, berichtet Roßbach. „Mit der haben wir beim Hochwasser 2013 bereits gute Erfahrungen gemacht.“ Auf lokaler Ebene sollten zentrale Anlaufstellen, etwa bei Gemeindeverwaltungen oder bei Ortsverbänden, eingerichtet werden. „Wie schnell das flächendeckend gehen kann, hängt aber auch von den jeweiligen Schäden und der Erreichbarkeit in den betroffenen Regionen ab“. Roßbach verweist etwa auf Straßenschäden, Schlamm und intakte Räumlichkeiten. Die Organisationen, die im Hochwassergebiet im Einsatz seien, hätten „nicht nur den besten Überblick, was der tatsächliche Bedarf der Menschen ist, sie verfügen auch über jahrzehntelange Erfahrung in der Katastrophenhilfe im In- und Ausland“, so Roßbach.

„Aktion Deutschland Hilft“ zahlt selbst kein Bargeld an Betroffene aus, das wird von den Mitgliedsorganisationen übernommen. Das solle „schnell und unbürokratisch“ erfolgen: „Sicher wird es eine einfache Bedürftigkeitsprüfung geben müssen“, sagt Roßbach; immerhin seien das Bündnis und alle Mitglieder gemeinnützige Organisationen. Die Mitglieder befänden sich gerade in der „Abstimmung und Koordination dieser Maßnahme“ und stünden auch mit den jeweiligen Bezirksregierungen im Austausch.

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Blick in den Ort Schuld im Kreis Ahrweiler am Tag nach dem Unwetter mit Hochwasser.  @ Quelle: Thomas Frey/dpa

RTL hat eigene Stiftung für Spendenaktionen

Bei der RTL-Aktion „Wir helfen Kindern“ sind bisher 6,7 Millionen Euro eingegangen, sagt Anja Nürnberg, Vorständin der RTL-eigenen „Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e. V.“, dem RND. 100.000 Euro davon seien als Soforthilfe bereits freigegeben worden, unter anderem für die „Verteilung von Betten, Decken, Kleidung, Lebens- und Hygienemittel, Bereitstellung von Stromaggregaten, mobile Arztpraxen sowie Bergung und Rettung.“ Der Verein Nestwärme habe zudem bereits eine psychosoziale Anlaufstelle für Familien mit schwerstbehinderten Kindern errichtet.

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Das restliche Geld, über dessen Verwendung die Mitgliederversammlung entscheiden muss, solle für den Wiederaufbau von zerstörten Einrichtungen für Kinder genutzt werden. Man sei bereits in Gesprächen mit Partnern wie dem Deutschen Roten Kreuz, International Search and Rescue und dem Verein Nestwärme sowie den betroffenen Landkreisen. Gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen, die sich an Kinder, Jugendliche oder Familien mit Kindern richten, können sich per Mail an info@rtlwirhelfenkindern.de melden. Einzelschicksale, teilt Nürnberg mit, könnten nicht berücksichtigt werden.

RTL-Mediengruppe übernimmt alle Betriebs- und Verwaltungskosten

Nürnberg versichert: Die Spenden an „Wir helfen Kindern“ gehen 1:1 an die Betroffenen vor Ort. „Jeder gespendete Cent kommt an. Sämtliche Kosten für Personal, Produktion und Verwaltung, die rund um die „Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ entstehen, trägt die Mediengruppe RTL Deutschland.

Anders als RTL hat auch das ZDF keine eigene Stiftung. Der Sender gibt die gesammelten Spenden in Höhe von Stand Dienstagmittag 20,65 Millionen Euro an das „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“, zu dem die Hilfsorganisationen Caritas, Deutsches Rotes Kreuz und die Diakonie Katastrophenhilfe gehören, sagt ZDF-Sprecher Thomas Hagedorn dem RND. Die eingenommen Spenden würden dem Bündnis zu 100 Prozent weitergeleitet.

ZDF arbeitet mit „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“ zusammen

Das Bündnis verteilt das Geld schließlich an die drei Organisationen, die jeweils zwischen acht und 15 Prozent der Summe für Verwaltungskosten einbehalten. Hagedorn unterstreicht: „Alle haben das DZI-Spendensiegel und es wurde ihnen attestiert, dass sie auch in dieser Hinsicht verantwortungsvoll mit den Spenden umgehen.“

Das erste Geld, das ZDF-Zuschauerinnen und Zuschauer gespendet haben, sei bereits vor Ort verwendet worden. „Die Organisationen haben jahrelange Erfahrung in der Umsetzung der Spenden und erprobte Verfahren, um sicherzustellen, dass die Gelder an den richtigen Stellen ankommen. Die Betroffenen können sich an die örtlichen Stellen der drei Organisationen wenden.“

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