Auktionshaus Sotheby’s bietet Hitler-Hotel als „traumhafte Zeitreise“ an

  • Das Hotel Zum Türken am geschichtsträchtigen Obersalzberg steht zum Verkauf.
  • In der Nähe stand einst Hitlers Berghof, in den Hotelzimmern lebten die Gäste des Diktators und SS-Schergen.
  • Makler Sotheby’s wirbt für den Verkauf mit dem skandalösen Slogan „Eine Reise durch die Zeit in einer traumhaften Kulisse“.
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Der Obersalzberg ist zweifellos eine Schönheit inmitten einer traumhaften Naturkulisse. In der Geschichte des 20. Jahrhunderts aber ist er der Berg des deutschen Diktators geworden. Hier verbrachte NSDAP-Chef und Reichskanzler Adolf Hitler Freizeit und Ferien, schottete sich ab, betrieb Konversation mit Gästen und pflegte seine Filmabende, während seine Untergebenen im Land „dem Führer entgegenarbeiteten“, sprich seine menschenverachtende Ideologie in die Tat umsetzten. Hitlers Gäste sowie Gestapoleute und SS-Größen nächtigten in einem Gebäude in Nähe von Hitlers nach dem Krieg gesprengten Berghof. Und diese Herberge Zum Türken wird nun verkauft, wie die „Passauer Neue Presse“ zuerst berichtete.

Grausiger Slogan: „Reise durch die Zeit in traumhafter Kulisse“

Der Makler Sotheby’s wirbt dafür mit einem Slogan, der von der derzeit um sich greifenden Geschichtsvergessenheit kündet: „Eine Reise durch die Zeit in einer traumhaften Kulisse“ klingt zunächst wie ein Spruch aus dem idyllischen Edelweiß-Kino der Fünfzigerjahre. Verbietet sich aber für das 1911 erbaute Etablissement, das seine größte Bedeutung in Deutschlands finstersten zwölf Jahren hatte, als es dem Urheber des Holocaust, der zudem mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg begann, zu Diensten war.

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Im Hotel bei Berchtesgaden, das seit 1958 in der heutigen Form betrieben wird, schliefen Nazigranden wie Herrmann Göring und Martin Bormann. Es stand auf dem Führersperrgebiet. Auf diesem Gelände wurde der Millionenmord in Konzentrations- und Vernichtungslagern geplant. Hier entspannte der Diktator Hitler, während die von ihm verfolgten Minderheiten unter der Knute der Nationalsozialisten lebten und starben. Für 3,65 Millionen Euro könnte der "Türke" jetzt einen neuen Besitzer finden.

Landtags-Vize Freller warnt vor einem Zugriff „der Falschen“

Wie die Onlineausgabe des „Spiegel“ berichtet, befänden sich unter dem Gasthaus Bunkeranlagen der Nazis, die nie genutzt, aber heute mit Vorliebe von Touristen besucht würden. Regelmäßig hätten die Wirtsleute deren Wände übertünchen müssen, weil Besucher dort Sprüche wie „Heil Hitler, ihr alten Germanen“ oder „To hell with Eva Braun“ hinterließen. Karl Freller, der Vizepräsident des bayerischen Landtags und zugleich Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, forderte im „Donaukurier“ den Freistaat Bayern auf, sich das Hotel zu sichern, bevor es in die Hände „der Falschen“ gerate. Dahinter steckt wohl die Befürchtung, politisch rechts stehende, undemokratische Kräfte könnten den zweifelhaften Pilgerstättencharakter des Anwesens ausbauen.

Schon immer gab es am Obersalzberg Seltsames zu beobachten. So etwa als Hitler verkleidete Zeitgenossen, die am Parkplatz in der Nähe des inzwischen als Restaurant genutzten Kehlsteinhauses „Autogramme vom Adolf“ feilboten.

RND/big

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