Söring-Anwalt: Haftentschädigung nur bei Begnadigung

  • Der Deutsche Jens Söring könnte diese Woche nach Deutschland abgeschoben werden.
  • Seine Chancen für eine Haftentschädigung stehen nach Ansicht seines Anwaltes schlecht.
  • Söring muss aber weiter damit leben, ein verurteilter Doppelmörder zu sein.
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Berlin/Washington. Die Chancen auf eine Haftentschädigung für den wegen Doppelmordes verurteilten Deutschen Jens Söring stehen nach Ansicht eines US-Anwalts nicht sehr gut. Ohne eine Rehabilitierung könne der heute 53-Jährige die US-Justiz nicht in einem Zivilverfahren auf Entschädigung verklagen, sagte der pensionierte Rechtsanwalt Stephen Northup der "Bild"-Zeitung. "Eine solche Klage ist nur möglich, wenn es eine vollständige Begnadigung gibt", zitierte das Blatt am Wochenende den Anwalt. Northup habe nach seiner Pensionierung als Freiwilliger in Dutzenden Berufungsverfahren geholfen, hieß es weiter.

Das Auswärtige Amt steht in Kontakt mit Sörings Anwalt

Söring war 1990 wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom im Jahr 1985 zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach Jahrzehnten im Gefängnis in den USA entschied das zuständige Gremium im US-Bundesstaat Virginia vor etwa einer Woche, den Diplomatensohn auf Bewährung freizulassen und abzuschieben. Das Auswärtige Amt in Berlin steht in Kontakt mit Sörings Rechtsanwalt und den US-Behörden. Dem Vernehmen nach könnte er bereits im Laufe der Woche abgeschoben werden.

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Northup, der sich "Bild" zufolge mit einem weiteren Anwalt um Sörings Freilassung bemühte, nannte es "unendlich schwer, bei der Überprüfung von Urteilen neue Fakten und Beweisstücke vorzulegen". Auch Sörings Fall habe nicht neu aufgerollt werden können: "Unser Rechtssystem lässt das nicht zu - außer in extremen Fällen", zitierte "Bild" den Anwalt. Northup betonte demnach, er halte den Deutschen für unschuldig: "Ich werde an dem Fall weitermachen, bis eine vollständige Begnadigung und Rehabilitierung erreicht ist."

Fast noch Kinder: Elizabeth Haysom und Jens Söring nach ihrer Verurteilung 1990.

"Die Schuldfrage ist nicht abschließend geklärt

Der Fall hatte stets Fragen aufgeworfen. Söring hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen und erklärt, die psychisch kranke und drogenabhängige Elizabeth Haysom habe ihre Eltern getötet. Er habe den Mord für Haysom auf sich genommen und sie vor der Todesstrafe bewahren wollen. Haysom wiederum erklärte, sie habe Söring zu den Morden nur angestiftet.

"Die Schuldfrage ist meines Erachtens bis heute nicht abschließend geklärt", sagte der CDU-Transatlantik-Koordinator Peter Beyer vor wenigen Tagen. Er traf Söring zweimal im Gefängnis. "Es sind immer noch viele Fragen offen." Im Deutschlandfunk betont Beyer, dass die Verurteilung rechtskräftig sei - verweist aber darauf, dass am Tatort keine der gefundenen DNA-Spuren zu Söring passte.

RND/dpa

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