Sophie Scholl: ein normales Mädchen, das zur NS-Widerstandskämpferin wurde

  • Sophie Scholl war 21 Jahre alt, als sie wegen ihres Widerstandes gegen das Nazi-Regime ermordet wurde.
  • Am 9. Mai wäre sie 100 Jahre alt geworden.
  • Wer ist diese junge Frau gewesen und wofür steht sie bis heute noch?
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Am 9. Mai würde Sophie Scholl 100 Jahre alt. Sie ist bekannt als Kämpferin gegen den Nationalsozialismus und gegen den Krieg. Diesen Kampf bezahlte sie mit ihrem Leben. Doch wer genau war diese junge Frau und wofür stand sie? Ein Überblick.

Wer war Sophie Scholl?

Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 im baden-württembergischen Forchtenberg geboren und wuchs mit fünf Geschwistern auf. Ihr Elternhaus war liberal und protestantisch geprägt. Nach einer kurzen Station in Ludwigsburg landete die Familie 1932 in Ulm. Während die Eltern die immer präsenter werdende Nazi-Ideologie sehr kritisch sahen, waren Sophies ältere Geschwister wie Hans oder Inge in der Hitlerjugend aktiv. Auch Sophie selbst wurde mit 13 Jahren ein begeistertes Jungmädel, sie trat sogar freiwillig der Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel (BDM) bei. Die Euphorie verflog im Laufe der Zeit. Erst nach und nach habe Sophie erfahren, dass es nicht um Freiheitsspielräume beim BDM gegangen sei, sondern dass alles mit einer Ideologie verbunden gewesen sei, schreibt Maren Gottschalk in ihrer Biografie „Wie schwer ein Menschenleben wiegt“.

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Welchen Beruf hatte Sophie Scholl?

Zunächst beginnt Sophie Scholl 1940 eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. 1941 beorderte man sie zum Reichsarbeitsdienst, um in der Landwirtschaft und im Haushalt von Familien zu helfen, nach Krauchenwies bei Sigmaringen. Später, 1942, nimmt sie dann an der Universität München ein Biologie- und Philosophiestudium auf. Hier kommt sie durch ihren ebenfalls in München Medizin studierenden Bruder Hans in Kontakt mit anderen Studenten, die sie in ihrer Ablehnung gegen den Nationalsozialismus bestärken.

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Wie leistete Sophie Scholl Widerstand?

Angeregt durch Diskussionen und Bücher wuchsen Sophies Zweifel am NS-Regime, die Kriegsbegeisterung schreckte sie ab. Die junge Frau kam durch ihren Bruder in Kontakt mit Gleichgesinnten wie Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf und Kurt Huber. Die Freunde diskutierten, lasen verbotene Bücher und schrieben Flugblätter, in denen sie Verbrechen wie den Massenmord an den Juden aufs Schärfste kritisierten. „Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen, die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe!“, heißt es etwa im vierten Flugblatt. Sophie stieg begeistert mit ein. Am 18. Februar 1943 legte sie mit Hans das sechste Flugblatt in der Münchner Universität aus. Daraufhin wurden wurden beide von dem Hausmeister, einem SA-Mann, entdeckt und dem Rektor gemeldet. Nach mehrstündigem Verhör wurden die Scholls – wie auch andere aus dem Kreis der Weißen Rose – von der Gestapo festgenommen und inhaftiert.

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Wann wurden Sophie und Hans Scholl hingerichtet?

Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst wurden nach dreitägigem Verhör am 22. Februar 1943 zum Tode verurteilt und am selben Tag hingerichtet, weitere Todesurteile folgten. Von Sophie ist ein Satz überliefert, den sie am Tag ihrer Hinrichtung gesagt haben soll. „So ein herrlicher, sonniger Tag, und ich muss gehen. … was liegt an meinem Tod, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen aufgerüttelt und geweckt werden.“

Warum ist Sophie Scholl so berühmt geworden?

Dass Sophie Scholl so eine ikonische Bedeutung erlangte, erklärt der Theologe und Historiker Robert Zoske mit der Unbeugsamkeit und Unbedingtheit, mit der sie bis zuletzt zu ihren Taten stand. „Sophie Scholl steht beispielhaft für den Mut, zur eigenen Überzeugung zu stehen und sich der NS-Diktatur zu widersetzen“, resümiert auch der Historiker Thomas Rink. Berühmt gemacht haben sie auch ihre Briefe und Tagebuchaufzeichnungen, die das Bild von Hans und Sophie Scholl in ihrer Zeit eindringlich darstellen und vertiefen.

Warum kann Sophie Scholl ein Vorbild sein?

Die Geschwister Scholl und ihre Freunde hatten den Mut, für ihre Überzeugungen einzustehen und Widerstand zu leisten. So couragiert waren nur wenige Menschen zu dieser Zeit. Bis heute werden Sophie Scholl und ihre Mitstreiter für diesen Mut geehrt – auch als Vorbilder für Zivilcourage. Sophie Scholl ist ist bis zum Schluss entschlossen geblieben. Den Tod vor Augen hat sie sich nicht von der Weißen Rose losgesagt.

Was sind berühmte Zitate von Sophie Scholl?

„Steh zu den Dingen, an die du glaubst. Auch, wenn du alleine dort stehst.“

„Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele. Nur wagen sie nicht, es auszusprechen.“

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„Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen.“

„So ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von Menschen aufzurütteln und wachzurütteln.“ (am Tag ihrer Hinrichtung)

„Das Gesetz ändert sich, das Gewissen nicht.“

RND/hma/dpa

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