So essen die Stars: Eine Oscar-Köchin erzählt

  • Kochen für Tom Cruise und Co.: Beim Oscar-Dinner sind die Kalorien egal, die Vegetarier wenige und Schokotrophäen mit Gold gepudert.
  • So war das jedenfalls bislang.
  • Dieses Mal aber soll vorwiegend Veganes serviert werden.
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Was Sylvester Stallone essen wird, ahnt die Köchin schon: „Short Ribs, und zwar eine doppelte Portion“, sagt Lisa Wieland. Ein richtiger Mann braucht richtig was auf den Rippen. Tom Cruise dürfte sich für die Lachspizza mit Kaviar interessieren. Von Barbra Streisand heißt es, sie stehe auf Hühnerragout im Teigmantel, veredelt mit Trüffeln. Chicken Pot Pie wird das genannt. Lady Gaga bevorzugt die Nudelkreation Agnolotti. Jedenfalls war das in den Vorjahren so.

Zum sechsten Mal hat sich Wieland aus London zur Oscar-Gala aufgemacht, um an diesem Sonntag zu einem 360 Köpfe starken Kochteam in Los Angeles zu stoßen. Gekocht wird für mehr als 1500 Gäste, und viele davon sind hungrige Kinostars. Wieland arbeitet beim Governors Ball, dem offiziellen Oscar-Dinner, das direkt nach der mehr als dreistündigen Preisvergabe stattfindet.

Leonardo DiCaprio lobt Rote-Bete-Süppchen

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Doch in diesem Jahr will sich die einladende Oscar-Academy dem Trend zur pflanzlichen Kost anschließen, mit dem schon die Golden-Globe-Gala Anfang Januar gepunktet hatte. Den Gästen wurde ein rein veganes Menü serviert. Leonardo DiCaprio lobte Rote-Bete-Süppchen und Pilzrisotto so überschwänglich, als stünde die Rettung der Welt dank Hollywoods Nahrungsumstellung kurz bevor.

Bei den Oscars soll das Essen immerhin zu 70 Prozent vegan sein. Apfelsushi, Möhrenspeck, Rübentacos stehen nach Wielands Worten auf dem Speiseplan. Allerdings habe es auch bisher schon vegane Kost gegeben. Und ganze Abteilungen seien auf Allergiker und Diabetiker spezialisiert. Die vegane Offensive hält Wieland nicht zuletzt für eine Modeerscheinung.

Da könnte sie recht haben: „Wir schulden unserer globalen Mitgliedschaft die Selbstverpflichtung, einen Beitrag zur Unterstützung des Planeten zu leisten“, ließen die Oscar-Organisatoren vollmundig verlauten – und meinten damit das Essen.

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Klassiker unter den Nachspeisen: mit Goldstaub gepuderte Schoko-Oscars.

Wieland hat ihren Platz bei den Hauptgängen. Allein von denen werden rund 40 auf kleinen Schälchen serviert. Und dann folgen noch sündhaft süße Nachspeisen. Der Klassiker: mit Goldstaub gepuderte Schoko-Oscars.

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„Jeder Gast kann auch was Spezielles bestellen. Wir haben ja fast alles da“, sagt die 29-Jährige. Das heißt zum Beispiel: Kaviar aus Russland, Kobe-Rind aus Japan, Trüffel aus Italien, Lachs aus Schottland.

„Alles vom Feinsten“, so Wieland. Am Abend der Abende spiele das Budget keine wirkliche Rolle. Der Chef hinter all den Genüssen heißt Wolfgang Puck, Besitzer des berühmten Restaurants Spago in Beverly Hills. „Ohne ihn können die Oscars gar nicht stattfinden“, sagt die Köchin. Puck, der wie Wieland aus Kärnten stammt, habe in Hollywood Starstatus. Vor der Oscar-Vergabe gebe er am roten Teppich Interviews – genau wie Brad Pitt oder Renée Zellweger.

Lisa Wieland und ihr Chef Wolfgang Puck.

Der 70-Jährige hat sogar einen Stern auf dem Hollywood Boulevard. Diese Ehrung verdankt er seinen TV-Kochshows – momentan produziert er für HBO die Dokuserie „The Event“. In acht Folgen wird nach Senderangaben gezeigt, wie er und sein Team für Prominente brutzeln – „mit allen unvorhergesehenen Herausforderungen, die die Welt von Luxus und Opulenz ihnen stellen kann“, so HBO. Der kulinarische Höhepunkt der Serie? Genau, der Governors Ball.

Vielerorts besitzt Puck Restaurants, in Las Vegas genauso wie in Tokio. Ebenso gehört ein Cateringservice zu seinem Imperium. Der Jahresumsatz seiner Unternehmen wird mit 400 Millionen US-Dollar beziffert. In London nennt er das Steakrestaurant Cut at 45 Park Lane sein Eigen – und da ist Lisa Wieland die Chefin. Zu den Oscars fliegt sie genau wie viele andere Köche aus dem Puck-Reich in Los Angeles ein. Ehrensache.

Sind unten die Oscars im Dolby Theatre vergeben, beginnt oben der Ansturm. Man muss sich das wohl wie beim Schlussverkauf vorstellen. „Die Frauen haben wochenlang gehungert, um in ihre Dior-Kleider zu passen“, sagt die Köchin schmunzelnd. „Hinterher spielen Kalorien aber keine Rolle.“

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Männer seien oft leichter zufriedenzustellen als durchaus mäkelige Frauen: Viele „Männer sind noch immer froh über ein gutes Stück Fleisch“. Besonders beliebt seien bislang die Miniburger vom Holzkohlegrill. Den Anteil der Vegetarier in den Vorjahren schätzt Wieland auf rund 10 Prozent.

Moderator Ricky Gervais: Wer in der Hollywoodblase lebt, versteht sowieso nichts davon, was sich draußen in der Welt abspielt

Nachhaltigkeit ist etwas, was sich Stars leisten können – und was sie nicht daran hindert, übers Wochenende mit dem Privatjet in den Urlaubsort Palm Springs einzufliegen, wie Preisträger Joaquin Phoenix bei den Golden Globes ätzte. Moderator Ricky Gervais belehrte bei der Gelegenheit seine Zuschauer: Sie sollten sich moralische Appelle besser sparen. Wer in der Hollywoodblase lebe, verstünde sowieso nichts davon, was sich draußen in der Welt abspiele.

Ein bisschen über regionale Spezialitäten können sie beim Oscar lernen: Aus der gemeinsamen Heimat von Wieland und ihrem Chef soll es wieder etwas zum Probieren geben – in den Vorjahren waren das Kärntner Knödel oder Wiener Schnitzel, dieses Mal vielleicht Kärntner Kirchtagssuppe mit Reindling – ein süßer Napfkuchen.

Hollywoodstars folgen nach Wielands Worten beim Essen eher dem gerade aktuellen Trend als einer Lebensphilosophie. „Sie sind es gewohnt, nur das Beste vom Besten zu kriegen“, sagt sie. Da gerate es schon mal in Vergessenheit, dass ein Schwein nicht nur aus Filets bestehe. Einen wirklichen Bezug zum Essen habe die Hollywoodprominenz eher selten.

Traurig findet es die Köchin, was bei edlen Verköstigungen weggeschmissen wird – nicht nur bei den Oscars, sondern auch bei vielen anderen kulinarischen Events, bei denen Reichtum und Verschwendung Hand in Hand gingen. Für Wieland ist das ein Grund, nach zehn Auslandsjahren – sie hat auch im Burj Al Arab in Dubai, einem der teuersten Hotels der Welt, als einzige Frau unter 21 Männern gekocht – wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Sie sehnt sich nach kulinarischer Einfachheit.

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Klassiker: Kleine Schokoladen-Oscars von Starkoch Wolfgang Puck. © Quelle: Barbara Munker/dpa

Das Kochen hat Wieland bei ihrer Oma gelernt – und mit dieser ein Kochbuch geschrieben. Mit Speck und Sauerkraut vom eigenen Hof ist Wieland, „das Mädchen vom Lande“, wie sie sich nennt, aufgewachsen.

Den Oscar-Abend will sie aber noch einmal richtig genießen, besonders dann, wenn ihr Chef den ein oder anderen Star mit in die Küche bringt. Meryl Streep und Leonardo DiCaprio sind ihr als besonders dankbare Gäste in Erinnerung.

Nach zwei Stunden müssen beim Governors Ball alle satt sein, egal ob Vegetarier oder Carnivoren. Die Gäste wollen weiter zu den diversen Oscar-Partys. Goodie-Bags, gefüllt mit handgemachten Pralinen, bekommen sie noch in die Hand gedrückt. Könnte ja sein, dass sie doch noch der kleine Hunger überkommt. Ein vergoldeter Schoko-Oscar ist auch in der Tüte. Niemand soll ohne Trophäe nach Hause gehen.

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