Sneaker: Vom simplen Sportschuh zum Luxusgut

  • Michael Jordan legte mit seinen legendären Sneakern, den Nike Air Jordan 1s, ab 1984 den Grundstein für die heutige Sneaker-Begeisterung.
  • Jetzt wurde ein Paar des Modells für etwa 125.000 Euro versteigert.
  • Doch sind das nicht die einzigen Turnschuhe, die zu einem Luxusgut wurden.
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New York. Es sind Schuhe, die man kennt. Auch wenn man kein Basketballfan ist. Auch wenn man kein Modeexperte ist. Die Nike Air Jordan 1s mit ihren roten Linien und dem schwarzen Nike-Haken sind zur ikonischen Fußbekleidung geworden. Basketball-Superstar Michael Jordan hat dafür mit seinen zahlreichen Auftritten auf dem Basketballparkett gesorgt. Ein Paar der Schuhe stand nun bei einer Auktion des Hauses Sotheby’s zur Auktion. Andere Stücke aus der Auktionsliste wie die klassischen Adidas-Sneaker sehen fast so aus, als wären sie aus einem Schuhschrank gemopst worden.

Das besondere an dieser Onlineauktion „Gamers Only“ von Sotheby’s: Die Sneaker sind alle getragen – und zwar zu Basketballspielen. Jedes Paar wurde von einem US-Basketballer, darunter neben Michael Jordan auch Shaquille O’Neal, Stephen Curry oder Kareem Abdul-Jabbar, genutzt.

Sneaker werden zum Luxusgut

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Der Begriff Sneaker hat sich in Deutschland erst zur Jahrtausendwende durchgesetzt. Doch massentauglich hat James Dean die Sportschuhe als Gegenkonzept zu den klackernden und polierten Lederschuhen schon in den 1950er-Jahren gemacht – als Protest gegen die Lederhalbschuhträger mit Anzug und ordentlicher Frisur. Noch Joschka Fischer wurde 1985 nach seiner Amtseinführung in Sneakern als „Turnschuhminister“ belächelt.

Heute sind Sneaker, dank künstlich limitierter Auflage, intensiver Bewerbung in den sozialen Medien und durch Kooperationen mit Stars, zum Luxusgut geworden. Den Grundstein legte dafür Michael Jordan, als er zusammen mit Nike 1984 einen Werbevertrag schloss. Aus einem Turnschuh wurde ein Fanartikel. Der Schuh wurde mit seiner Person assoziiert. Eminem, Drake, Kanye West und Macklemore stehen heute als Designer Pate für etliche Modelle. „Air Jordan 4 Eminem“ heißt beispielsweise ein Modell, das 2017 in Kooperation mit dem Rapper entstand. Der Preis: 26.000 Euro.

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Investoren entdecken Sneaker

Und auch auf dem sogenannten Zweitmarkt – also dem Wiederverkaufsmarkt, mit dem Auktionshäuser arbeiten – werden mit Sammlerstücken inzwischen Spitzenpreise erzielt. Darauf wurden auch die alteingesessenen Auktionshäuser aufmerksam. Inzwischen bietet Sotheby’s mit Sitz in New York neben wertvollen Uhren, legendären Handtaschen und luxuriösem Schmuck auch ganz selbstverständlich Sneaker mit einer eigenen Kategorie im Katalog an.

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Die Schuhe erzielten in der „Gamers Only“-Auktion von Sotheby’s, die am Mittwochnachmittag um 16 Uhr zu Ende gegangen ist, keine Spitzenpreise und blieben meist im erwarteten Rahmen. Doch die Nike Air Jordan 1s von 1985 können nun unter den wirklich wertvollen Schuhen mitmischen: Sie kamen für etwa 125.000 Euro unter den Hammer. Die schlichten Adidas-Treter von Kareem Abdul-Jabbar, die er während seiner Saison 1979/1980 für die Los Angeles Lakers trug, fanden für etwa 15.000 Euro einen neuen Käufer. Alle 13 Schuhpaare gemeinsam erzielten einen Verkaufswert von etwa 180.000 Euro.

Kanye Wests Sneaker wurden für 1,8 Millionen US-Dollar versteigert

Doch scheint sich bei den Schuhauktionen ein ähnlicher Trend wie bei anderen Kunstgegenständen durchzusetzen: Die Preise werden in astronomische Höhen getrieben. So war es auch jüngst Ende April: Die Nike-Air-Yeezy-Schuhe, die Musiker Kanye West bei den Grammy Awards 2008 trug, wurden für 1,8 Millionen US-Dollar (knapp 1,5 Millionen Euro) versteigert. Verkäufer war der Schuhsammler Ryan Chang. Es sind die ersten Treter, die die Millionenmarke geknackt haben.

Und auch historische Sneaker sind inzwischen viel wert: Der „Nike Moon Shoe“ wurde von Nike-Co-Gründer Bill Bowerman selbst für die Olympischen Spiele 1972 entworfen. Die Sohle soll mit einem Waffeleisen geformt worden sein. Heute soll es nur noch ein existierendes Paar geben – und das wurde 2019 für 390.000 Euro an einen Sneakerhead, so nennen sich die Sammler gern, verkauft.

Die legendären Nike Air Jordan 1s

Gerade bei den Nike Air Jordan 1s wird deutlich, wie sehr heute die Sneaker schon wie Kunstwerke behandelt werden. In der Beschreibung der Auktion bei Sotheby’s wird der Staub des Basketballfelds angepriesen, der sich in der Sohle abgesetzt hat, ebenso wie der schon etwas abgenutzte Zustand der Schnürsenkel. Zudem erhält der Käufer auch einen Nachweis über die Provenienz der Schuhe – also eine Übersicht darüber, welche Sammler die Sneaker vor ihm besessen haben. Ein anderes Paar Nike Air Jordan 1s, das aber von Michael Jordan selbst signiert war, überraschte vor etwa einem Jahr mit dem Rekordpreis von 460.000 Euro. Und auch ein drittes Paar Schuhe aus der Reihe, das aber sehr viel deutlichere Abnutzungsspuren trägt, wechselte im vergangenen Jahr beim Auktionshaus Christie’s für 500.000 Euro den Besitzer. Die Besonderheit hier: Ein Glassplitter steckt in der Sohle fest.

Sneaker sind zu einer Geldanlage geworden, und die Preise steigen. Und so werden auch diese versteigerten Exemplare wohl eher in Regalen oder auf Sockeln landen als an den Füßen der Käufer – bis zur nächsten Auktion.

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