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Skurriler Nachbarschaftsstreit: Anwohner sollen für Zufahrt Wegegeld zahlen

  • In Elmenhorst im Kreis Rostock tobt ein skurriler Nachbarschaftsstreit.
  • Ein Mann aus München kaufte ein Reihenhaus samt Straße und will nun die Zufahrt zu 22 Häusern sperren.
  • Die Gemeinde hat einen Fehler gemacht, Anwohner werden terrorisiert.
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Im Strandweg in Elmenhorst im Kreis Rostock ist es vorbei mit der Idylle – schon seit 2013, als ein Medizinprofessor aus München dort nicht nur ein Reihenhaus, sondern auch einen Teil der Straße gekauft hat. Der Bauträger der Siedlung war 2012 in Insolvenz und der Nachtragsliquidator habe ihm für 30.000 Euro die Straße und somit die Zufahrt zu den Häusern verkauft, berichtet die „Ostsee-Zeitung“ (OZ). Da diese private Straße von den Anwohnern genutzt wird, forderte er eine monatliche Wegerente. Außerdem sperrte er einen Straßenbereich mit einem Zaun.

Schubsen, schimpfen, schreien

Für die Anwohner ist das alles eine unerträgliche Situation, die aus dem Ruder zu laufen scheint. Der Nachbar des Mannes aus München, Werner Iffländer (73), berichtet gegenüber der „OZ“ von Schreiereien und Schubsereien am Gartenzaun. Christian Hanisch (35) erzählt der Zeitung, dass der besagte Mann aus München ihn und seine drei Kinder unflätig beschimpft und angeschrien hätte.

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Seit 2019 beschäftigt der Strandweg nun die Gerichte. Der Reihenhausbesitzer hatte vor dem Landgericht Rostock Klage eingereicht und forderte 376,20 Euro monatlich rückwirkend bis 2013 oder eine Einmalzahlung von jedem Haushalt. Wer nicht zahlen wolle und die Straße trotzdem nutze, dem drohe ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro oder sechs Monate Ordnungshaft, berichtet die „OZ“. Die Klage hat das Gericht am 7. Januar 2021 abgewiesen. Den Beklagten stehe das Recht auf Erreichbarkeit ihrer Grundstücke zu, hieß es unter anderem in der Begründung.

Der Arzt aus München hielt sich nicht an das Urteil. In diesem Jahr habe er zweimal versucht, die Zufahrt in den Strandweg mit Containern zu sperren, schreibt die „OZ“. Anwohner hätten das verhindert und dafür Anzeigen wegen Nötigung kassiert.

Heute trifft sich die Gemeinde zu einer Dringlichkeitssitzung

Die Frage in dem Streit ist doch, wie die Gemeinde überhaupt auf die Idee gekommen ist, eine Zufahrtstraße zu verkaufen. Der damalige Bürgermeister Horst Harbrecht (CDU) möchte sich nicht äußern, obwohl er im Gemeinderat sitzt. Nach „OZ“-Berichten hätten ihn Anwohner mehrmals darauf hingewiesen, dass die Gemeinde das Vorkaufsrecht für die Straße ziehen und sie umwidmen müsse. Doch der Bürgermeister habe die Verzichtserklärung für das Vorkaufsrecht am 6. November 2012 unterschrieben. Zwei Tage, bevor der Münchener die Straße gekauft habe, wird Anwohner Dieter Babke in der Zeitung zitiert.

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Der Mann aus München hat die Durchfahrt der u-förmigen Straße mit einem Tor gesperrt. Jetzt gibt es nur noch zwei separate Zufahrten. Werner Iffländer (l.) wohnt an der einen, Christian Hanisch an der anderen. © Quelle: Ove Arscholl

Der neue parteilose Bürgermeister Uwe Barten sieht die Angelegenheit als privatrechtlichen Streit, möchte die Bürger seiner Gemeinde jedoch schützen. Sollte es keine friedliche Einigung geben, müsse die Gemeinde über eine Änderung des B-Plans und über den langwierigen Weg einer Zwangsenteignung nachdenken. Dem Besitzer der Straße seien mehrere Angebote gemacht worden. Seine Forderungen seien jedoch unverschämt, hieß es gegenüber der „OZ“.

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Am heutigen Donnerstag ist der Streit um den Strandweg einziger Tagesordnungspunkt auf einer Dringlichkeitssitzung. Dabei stehen laut „OZ“ auch Vorwürfe über Stasi-Mitgliedschaft von Kommunalmitarbeitern und Korruption in den Raum, die der Professor aus München jüngst erhoben hat.

Der Mann aus München ist den Gerichten nicht unbekannt

Der Münchener ist indes an deutschen Gerichten kein Unbekannter. In der bayrischen Hauptstadt haben „Süddeutsche Zeitung“ und „tz“ über Jahre einen Streit in der Gemeinde Markt Schwaben begleitet. Dort hatte er das Grundstück der Alten Sägmühle erworben, durfte aber einen Wanderweg, der über das Grundstück läuft, baulich nicht verändern, um ihn für die Öffentlichkeit zugänglich zu belassen. Hat er auch nicht. Aber eine Brücke über die Sempt, einem Fluss, der durch den Ort fließt, ließ er abreißen. Damit ist der Wanderweg unbrauchbar – seit Jahren treffen sich Meyer, Gemeinde, Anwohner und Spaziergänger, die angezeigt wurden, vor Gericht.

RND/OZ

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