Skandal-Tierversuchslabor in Hamburg wird offenbar geschlossen

  • Tierschützer hatten erschütternde Bilder aus einem Tierversuchslabor in Mienenbüttel bei Hamburg veröffentlicht.
  • Jetzt wird das umstrittene Labor offenbar geschlossen – erste Tiere wurden bereits abtransportiert.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
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Festgeschnallte Affen, Hunde, die in ihrem eigenen Blut sitzen – die grausamen Bilder aus dem Tierversuchslabor Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) in Mienenbüttel bei Hamburg sollen bald Geschichte sein. Nach Informationen der Soko Tierschutz soll das umstrittene Labor dichtmachen.

Von Dezember 2018 bis März 2019 hatten Tierschützer des Vereins Soko Tierschutz undercover die Zustände in dem Tierversuchslabor dokumentiert und erschreckenden Bilder an die Öffentlichkeit gebracht. Das Labor soll massiv gegen EU-Recht verstoßen haben, der Landkreis Harburg hat Strafanzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt wegen Manipulation von Testergebnissen und Tierquälerei. Tausende Menschen gingen am 19. Oktober in Hamburg auf die Straße und forderten die Schließung des LPT in Harburg.

Jetzt steht das Labor in Mienenbüttel, das Versuche mit Affen, Hunden und Katzen vornahm, angeblich vor der Schließung. Bereits am Donnerstag wurden laut einem Sprecher des Landkreises Harburgs 76 Affen aus dem Labor zurück zum Lieferanten in die Niederlande gebracht – unter Aufsicht des Veterinäramts. Eine offizielle Schließung konnte die Behörde am Montag gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) nicht bestätigen. Doch die Soko Tierschutz will erfahren haben: Nach dem Abschluss einer Studie der Firma Merck soll das Labor endgültig schließen. „Damit würden fast 60 Jahre Grausamkeiten an diesem Ort enden“, heißt es in einer Mitteilung des Tierschutzvereins.

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Tierschützer wollen Versuchstiere retten

Das Schicksal der verbliebenen Tiere ist noch ungewiss. Die Tierschützer fordern die Übergabe an den Tierschutz. „Es gibt für jedes Tier einen Platz. Die Zivilbevölkerung wird nicht zulassen, dass diese Tiere, die im LPT teilweise seit vielen Jahren leiden, verschachert oder getötet werden“, so Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz.

Für die Tierschützer ist die mögliche Schließung des Labors in Mienenbüttel erst der Anfang. Sie fordern die Schließung aller drei Tierlabore des LPT und „ein Ende der sinnlosen, grausamen und veralteten Tierversuche“. „Ich frage mich, wann die Staatsanwaltschaft endlich Konsequenzen zieht. Seit Wochen können Beweismittel verschwinden und die Staatsanwaltschaft wartet ab. Das ist ein Skandal, der nicht nur Tiere, sondern auch Menschen in Gefahr bringt“, sagt Mülln. Am Samstag wollen die Tierschützer wieder demonstrieren.

RND/mat