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Simbabwe: Präsident erlaubt Kohleförderung im Zufluchtsort Zehntausender Elefanten

  • Im Hwange Nationalpark in Simbabwe, Heimat Zehntausender Elefanten, sollen zwei Kohleminen entstehen.
  • Ranger entdeckten Arbeiter bei Probebohrungen und holten die Polizei.
  • Erst dann stellte sich heraus, dass der Präsident das Projekt wohl persönlich genehmigt hat.
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Harare. Tier- und Naturschützer in Simbabwe sind alarmiert: Offenbar hatte die simbabwische Regierung die Kohleförderung im größten Nationalpark des Landes, dem Hwange Nationalpark im Nordwesten an der Grenze zu Sambia und Botswana, genehmigt. Die Empörung unter Tier- und Naturschützern war groß, am Dienstag folgte dann die Kehrtwende.

Ranger hatten zuvor chinesische Arbeiter in dem Gebiet entdeckt, die Löcher zur Kohleförderung bohrten, und ließen sie festnehmen. Kurz nach der Festnahme präsentierten die Firmen allerdings eine Erlaubnis der Regierung aus Harare, Erkundungsbohrungen in dem Naturschutzgebiet durchführen zu dürfen. Demnach wurde bereits Ende 2019 zwei chinesischen Firmen, Zhongxin Zimbabwe Coal Mining Group und Afrochine Smelting, gestattet, an zwei verschiedenen Stellen auf dem Areal Tests durchzuführen, um im Anschluss Kohle abzubauen. Ein Gebiet befindet sich relativ zentral im Park, ein weiteres im Norden des Parks. Der Hwange Nationalpark ist von mehreren Bergbauprojekten umgeben, Experten vermuten schon länger, dass sich der Rohstoff daher auch auf dem geschützten Areal befindet.

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Simbabwes Präsident erteilt Genehmigungen ohne Absprachen mit Rangern

“Die Konzessionen weisen auf Sondererlaubnisse hin, die offenbar nur der Präsident persönlich ausstellen darf”, schreibt die Tierschutzorganisation Bhejane Trust auf Instagram, die den Vorfall öffentlich machte. Demnach fanden die Probebohrungen statt, ehe ein Umweltgutachten erstellt wurde – was eigentlich verboten ist. Mit dem Umweltgutachten wurde die Beratungsfirma SustiGlobal beauftragt, die gegenüber “The Guardian” einräumt, dass seitens der Behörden ein Schritt übersprungen worden sei.

Der Bhejane Trust arbeitet zum Thema Nashornschutz im Hwange Nationalpark und schützt die letzten verbliebenen Spitzmaulnashörner – genau in einem nun ausgewählten Minengebiet. “Die Genehmigungen wurden erteilt, ohne vorher mit den Gebietsmanagern zu sprechen, und die Arbeiter benehmen sich, als hätten sie jedes Recht, sich überall hinzubegeben”, schreibt die Organisation auf Facebook. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte Stephen Long von der Organisation, dass an einer Stelle vier Chinesen und sechs Simbabwer an den Probebohrungen beteiligt gewesen seien.

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“Das wird ein totales Desaster für die Umwelt”

Beide Projekte dürften laut gültigem Gesetz zum jetzigen Zeitpunkt nicht stattfinden, so Long, denn: “Keines der beiden hat eine Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung abgeschlossen.” Die Organisation versucht nun, das Bewusstsein zu schärfen und den Vorfall in die Öffentlichkeit zu bringen. “Wenn das nicht funktioniert, können wir versuchen, direkter mit der Regierung in Kontakt zu treten”, so Long.

Direkt am Rande eines der ausgewiesenen Kohleabbaugebiete liegt das Kapula Private Camp, eine Safari-Lodge, die wie sechs andere geschlossen werden müsste, sollten die Minen gebaut werden. “Das wird ein totales Desaster für die Umwelt”, sagte ein Sprecher dem RND. Es gebe “eine massive Unterstützung” für die Förderung des Bergbaus im Hwange Nationalpark. „Die langfristigen Auswirkungen auf den Tourismus in Simbabwe werden radikal sein.“ Immerhin bestehe der Tourismus in Simbabwe aus zwei Hotspots: den Victoria Falls und den Safaris in den Nationalparks.

Bedrohung für indigene Einwohner: Wasserverschmutzungen, toxische Dämpfe

Doch die Campbetreiber sehen noch ein weiteres Problem: Sie fürchten um die indigene Bevölkerung. “Es gibt in und um den Park herum große Besorgnis, da das Bergbauprojekt zu Arbeitsplatzverlusten, Wasserverschmutzungen und vielen anderen negativen Auswirkungen führen wird.” Auch der Konflikt zwischen Menschen und Tieren werde sich verstärken, denn Wildtiere, die wegen des Bergbaus fliehen müssten, würden in menschliche Siedlungen vordringen.

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Diese Befürchtungen teilt auch Stephen Long vom Bhejane Trust. “Es wird zu einem Verlust an Lebensraum für Wildtiere kommen, immerhin brauchen die Minen Zufahrtsstraßen. Wildtiere werden Verkehrsunfällen ausgesetzt sein”, sagt Long. Da das Gebiet enorm trocken sei, seien Tiere auf unterirdisches Wasser angewiesen, das in der Trockenzeit an die Oberfläche gepumpt wird. “Es ist wahrscheinlich, dass der Bergbau das unterirdische Wasser behindert und die Wasserquellen austrocknen könnten." Zudem sei die Kohle in Hwange anfällig für Selbstentzündung, was zu einer Freisetzung von toxischen Dämpfen führe. Das würde sich auf Pflanzen in der Umgebung auswirken und das wiederum auf Weidetiere.

Tourismusunternehmen, Safarianbieter, Lodges und Umweltschützer bilden Bündnis

In einem digitalen Krisenmeeting trafen sich kurz nach Bekanntwerden der Genehmigungen Safarianbieter, Lodgebesitzer, Tierschützer und Tourismusexperten und gründeten die “Association of Tourism in Hwange”, die die Interessen bündeln soll. Touristenführer Blessing Munyeyiwa appellierte in einem Video bereits an die Bevölkerung, gegen jeglichen Bergbau im Hwange Nationalpark zu protestieren. “Das ist der größte Nationalpark Simbabwes mit einer der vielfältigsten Flora und Fauna der Welt. Es ist nicht nur ein Naturerbe der Simbabwer, sondern ein Naturerbe der Welt.”

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Bei dem Treffen habe sich herausgestellt, dass kein Beteiligter in dem Gebiet vorab über die Probebohrungen informiert wurde. “Wir möchten gerne wissen, welchen weiteren Firmen noch solche Zugeständnisse gemacht wurden”, heißt es in einem offenen Brief an Präsident Emmerson Mnangagwa. Elisabeth Pasalk, Sprecherin des Bündnisses, sagte dem RND, man habe zudem Kontakt zu verschiedenen Behörden aufgenommen, darunter dem Umweltministerium und den Parkbetreibern Zimparks.

Weniger Tourismus und Zerstörung des kulturellen Erbes befürchtet

Das Bündnis führt verschiedene Aspekte auf, die gegen den Minenbau innerhalb des Parks sprechen – neben einem Rückgang des Tourismus auch Umweltschutzgründe, weil außerhalb des Parks genug Minen existierten. “Es gibt sieben aktive Bergwerke in der direkten Umgebung, es ist außerhalb genug Kohle vorhanden, sodass Bohrungen im Hwange nicht notwendig sind". Auch lägen einige Stätten des lokalen kulturellen Erbes in den Gebieten. Schreine, die von den Dorfbewohnern als heilig angesehen werden, könnten mitunter zerstört werden.

Kohleanbau würde zudem zum Klimawandel beitragen – unter dem Simbabwe ohnehin massiv leidet. Erst 2019 starben während einer schlimmen Dürreperiode 200 Elefanten, in einer historischen Aktion wurden Elefanten aus dem Hwange in weniger trockene Gebiete umgesiedelt. Das Land solle lieber auf Solarenergie setzen, fordert das Bündnis.

Mysteriöses Elefantensterben auch in Simbabwe

Die deutsche Tierschutzorganisation “Future for Elephants”, die Projekte in Simbabwe unterstützt, ist besorgt über die Entwicklungen. “Der Hwange Park ist einer der letzten großen Zufluchtsorte für Elefanten in Afrika. Mit einer Mine in einem designierten Schutzgebiet würde auch dieser Lebensraum zerstört werden”, sagte Heike Henderson dem RND. Rund 10 Prozent aller noch in Afrika lebenden Elefanten haben in der Region ihr Zuhause.

Sie verweist auf das mysteriöse Elefantensterben, bei dem in Simbabwe, unweit des Hwange Nationalparks, bereits mehr als 20 Tiere gestorben sind. “Auch in Simbabwe scheinen die Elefanten wie in Botswana einfach zusammenzubrechen”, sagt Henderson. In Botswana sind seit März mindestens 281 Elefanten an bisher ungeklärten Ursachen gestorben.

Umweltanwälte wollen Klage einreichen

Die Zimbabwe Environmental Law Association (ZELA) hat inzwischen angekündigt, gerichtlich gegen die Konzessionen vorzugehen, und sammelt für eine Klage.

Unterstützung gibt es hierfür von prominenter Stelle: Der ehemalige simbabwische Bildungsminister David Coltart schrieb auf Twitter: “Ich unterstütze das Vorgehen gegen die Regierung und die Bergbaufirmen, die planen, den Hwange Nationalpark zu zerstören. Dieser Bergbau wird nur einer kleinen Elite für eine kurze Zeit dienen, während der Schutz der Nationalparks für all unsere Enkel wichtig ist.”

Am Dienstagabend dann die Kehrtwende: Das Ministerium für Öffentlichkeitsarbeit gab bekannt, dass Bergbau in Nationalparks „mit sofortiger Wirkung verboten“ sei. Es würden Schritte unternommen, um „alle in Nationalparks gehaltenen Bergbautitel sofort zu annullieren“.

Die Tourismusorganisation Explore Hwange zeigte sich “hocherfreut“ über die plötzliche Kehrtwende der Regierung: “Vielen Dank an alle für die Unterstützung“, schrieb die Gruppe bei Facebook.

Immer wieder kommt es in Simbabwe zu umstrittenen Aktionen, die den Umweltschutz in dem Land gefährden. So fängt das Land derzeit alle zwei bis drei Jahre Babyelefanten ein, um sie an Zoos in China zu verkaufen. Damit werden Staatsschulden getilgt.

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