Simbabwe: 17-Jährige mobilisiert mit Taekwondo gegen Kinderehen

  • In Simbawe sind nach Schätzungen 30 Prozent der Mädchen unter 18 Jahren verheiratet.
  • Viele werden in die Ehe gezwungen, manchmal schon im Alter von zehn Jahren.
  • Eine 17-Jährige kämpft gegen Kinderehen in ihrem Land an - auf originelle Art.
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Harare. Die 17-jährige Natsiraishe Maritsa in Simbabwe hat sich schon im Alter von fünf Jahren für den Kampfsport begeistert. Jetzt nutzt sie Taekwondo, um junge Mädchen und Mütter gegen Kinderehen zu mobilisieren, die in ihrem Land häufig vorkommen. Manchmal sind es schon Zehnjährige, die zur Ehe gezwungen werden, sei es wegen Armut oder aufgrund traditioneller oder religiöser Praktiken. Maritsa selbst hat miterlebt, wie Klassenkameradinnen die Schule abbrachen, um verheiratet zu werden. Mit Taekwondo-Unterricht will sie Minderjährigen in verarmten Gebieten mehr Selbstvertrauen geben und dazu ermutigen, gemeinsam Front gegen erzwungene Frühehen zu machen.

Simbabwe ist eine fußballbegeisterte Nation, Taekwondo ist nicht sehr populär. Aber hier und da gibt es professionelle oder auch Hinterhof-Schulen für diese Kampfkunst. „Nicht viele Menschen hier praktizieren Taekwondo, und so ist es für Mädchen, verheiratet oder single, faszinierend“, sagt Maritsa. „Ich benutze es, um ihre Aufmerksamkeit zu finden.“

Natsiraishe Maritsa (vorne) trainiert ihre Taekwondo-Gruppe, die aus jungen Mädchen und Jungen besteht. © Quelle: AP Photo/Tsvangirayi Mukwazhi
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Und so kommen sie in den kleinen staubigen Hof ihres Elternhauses in der ärmlichen Siedlung Epworth ungefähr 15 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Harare, um den Kampfsport zu erlernen - Mädchen, manchmal gerade mal vier Jahre alt, und auch einige von Maritsas früheren Schulfreundinnen, die jetzt verheiratet sind. Begeistert folgen sie ihren Anweisungen: Strecken, kicken, schlagen, mit der Faust stoßen, blockieren.

Gespräche über Erfahrungen nach dem Training

Und nach dem Unterricht sprechen sie über die Gefahren von Kinderehen, erzählen Verheiratete - manche mit einem Baby im Arm - von ihren Erfahrungen, wie ihre Ehe in Sklaverei ausartete, wie sie verbal und körperlich misshandelt, von ihren Ehemännern vergewaltigt wurden. Einige haben wegen einer Schwangerschaft in jungem Alter Gesundheitsprobleme, andere bekommen nicht genug zu essen, gehen hungrig schlafen.

„Wir sind nicht reif für diese Sache, die man Ehe nennt. Wir sind einfach zu jung dafür“, sagte Maritsa unlängst nach einer Unterrichtsstunde der Nachrichtenagentur AP. „Die Rolle von Teenager-Müttern wird in Kampagnen gegen Kinderehen meistens ignoriert. Ich nutze hier ihre Stimmen, ihre Herausforderungen, um jene jungen Mädchen, die noch nicht verheiratet sind, von früher sexueller Aktivität und Ehe abzuhalten.“

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Natsiraishe Maritsa zeigt einige ihrer Medaillen, die sei bei Taekwondo-Wettbewerben gewonnen hat. © Quelle: AP

In Simbabwe gibt es zwar ein Gesetz, dass Kinderehen verbietet, Eheschließungen sowohl für Jungen oder Mädchen erst ab dem Alter von 18 Jahren erlaubt. Dennoch ist diese Praxis weiter verbreitet, den Vereinten Nationen zufolge sind 30 Prozent der Mädchen verheiratet, bevor sie 18 werden. Dabei spielen die wirtschaftlichen Probleme in dem Land eine Rolle. Für manche arme Familien verringert es die Belastungen, wenn sie ihre Töchter frühzeitig verheiraten können, und der Preis, den der Ehemann für die Braut bezahlt, hilft ihnen oft zu überleben, wie die Organisation „Girls not Brides“ sagt.

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Der Gruppe zufolge ermuntern einige religiöse Sekten Mädchen auch dazu, viel ältere Männer zu heiraten - wegen „spiritueller Führung“. Andere Familien zwängen Mädchen dazu, ihren Freund zu heiraten, wenn sie mit ihm Sex gehabt hätten.

Unterricht setzt wegen Lockdown aus

Simbabwe hat wegen der Corona-Pandemie in der vergangenen Woche strikte Kontaktbeschränkungen verfügt, so ein Verbot öffentlicher Versammlungen, und daher muss Maritsa derzeit ihren Unterricht aussetzen. Aber sie will ihn wieder aufnehmen, sobald der Lockdown aufgehoben wird. „Statt sich weiter hoffnungslos zu fühlen, fühlen sich junge Mütter ermächtigt, sie sind in der Lage, ihre Erfahrungen zu nutzen, um andere Mädchen davon abzuhalten, in die gleiche Falle zu gehen“, sagt Maritsa über die Gespräche, die stets nach dem Unterricht stattfinden.

Sie startete ihr Projekt im Rahmen einer Vereinigung mit dem Namen Vulnerable Underaged People’s Auditorium (übersetzt Auditorium für verletzliche minderjährige Leute) 2018, als sie als 15-Jährige zusehen musste, wie manche ihrer Freundinnen ihre Schulausbildung aufgaben oder aufgeben mussten, um zu heiraten. Einige von ihnen haben jetzt vor, zur Schule zurückzukehren, so die heute 21-jährige Pruzmy Mandaza - obwohl ihr Mann sie gezwungen hat, als Vizevorsitzende der Vereinigung zurückzutreten und nicht am Taekwondo-Unterricht teilzunehmen.

„Sichtweisen, gegen die wir kämpfen müssen“

Maritsas Eltern stehen voll hinter ihrer Tochter, helfen ihr, etwa mit Fruchtsäften und gebackenen Plätzchen für die Mädchen, die sich im Hof des kleinen Hauses versammeln. „Ich kann per Sitzung nur 15 Leute nehmen, denn die einzige Unterstützung, die ich habe, kommt von meinen Eltern“, schildert Maritsa. „Mein Vater ist ein Kleinbauer, meine Mutter eine Vollzeit-Hausfrau, aber sie opfern das bisschen, das sie haben, für das Ziel, das ich anstrebe.“

Ans Aufgeben denkt Maritsa nicht, trotz ihrer begrenzten Ressourcen, zumal Frauengruppen warnen, dass die Zahl der Kinderehen im Zuge der Corona-Krise zunehmen könnten: Das Virus halte Kinder von den Schulen fern und verstärke die Armut, und das fördere solche frühzeitigen Eheschließungen.

Leicht ist Maritsas Aufgabe nicht, selbst bei den jungen Mädchen, die zu ihrem Unterricht kommen, muss sie Überzeugungsarbeit leisten. „Wir müssen wissen, wie wir unsere Ehemänner glücklich halten, das ist es, was wichtig ist“, sagte etwa die 17-jährige Privilege Chimombe nach einer Taekwondo-Lektion. Sie ist Mutter von zwei Kindern, das erste hatte sie im Alter von 13, und ihr Mann hat sie inzwischen verlassen. „Dies sind die Sichtweisen, gegen die wir kämpfen müssen“, antwortete Maritsa. „Es ist schwierig, aber es muss getan werden.“

RND/AP

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