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  • Seilbahn­unglück in Italien: Verdächtiger gesteht Manipulation von Notbremsen

Verdächtiger gesteht: Notbremsen von italienischer Seilbahn wurden manipuliert

  • Nach dem Seilbahnunglück in Italien sind in der Nacht zu Mittwoch drei Verdächtige festgenommen worden.
  • Sie sollen die Gondel mit einer Klemme an der Bremse manipuliert haben.
  • Mindestens einer der Verdächtigen habe einem Oberstleutnant der italienischen Polizei zufolge bei einem Verhör gestanden.
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Stresa. Nach dem schweren Seilbahn­unglück in Norditalien hat die Polizei drei Verdächtige festgenommen, die eine Bremse manipuliert haben sollen. Oberstleutnant Alberto Cicognani von der italienischen Polizei sagte laut einem Medienbericht, mindestens einer habe in Verhören in der Nacht das Geschehen geschildert. Eine Klemme habe verhindert, dass nach dem Abriss des Führungsseils die Notbremse greifen konnte. Mit der Klemme hätten offenbar Unterbrechungen der Gondelfahrten verhindert werden sollen.

Klemme schon vor Wochen angebracht

Cicognani sagte dem Sender Sky TG24, die gabelförmige Klemme sei bewusst platziert worden, um die Bremse auszuschalten. Diese habe zuvor mehrfach willkürlich gegriffen und so den Betrieb der Bahn behindert. Die Klemme wurde nach Angaben des Oberstleutnants schon vor mehreren Wochen angebracht. Die Gondel nahm nach einem Lockdown wegen des Coronavirus am 26. April den Betrieb wieder auf.

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Staatsanwältin: „Als das Seil riss, versagte also das Notbrems­system“

Am Vormittag erklärte die leitende Staatsanwältin Olimpia Bossi, dass Ermittlerinnen und Ermittler nach der Sichtung eines Überwachungs­videos festgestellt hätten, dass ein Sicherheits­bremssystem „manipuliert“ worden sei, um Verspätungen des Seilbahnbetriebs zu vermeiden. Der Staatsanwältin zufolge habe es zuletzt mehrfach Fehlfunktionen gegeben. „Um diese Probleme auszuschalten, haben die Betreiber in vollem Wissen der Chefs die Metallgabel nicht entfernt. Als das Seil riss, versagte also das Notbrems­system“, sagt Bossi.

Fünfjähriger der einzige Überlebende

Nach dem Abriss des Führungs­seils am Sonntag raste die Gondel am Tragseil talwärts, stürzte zu Boden und überschlug sich mehrfach in dem steilen Gelände, bevor sie gegen mehrere Bäume prallte. Mehrere der insgesamt 15 Passagiere wurden aus der Gondel geschleudert. 14 Menschen wurden getötet. Der einzige Überlebende, ein fünf Jahre alter Junge, wurde noch im Krankenhaus behandelt.

Die Seilbahn verbindet den Ort Stresa mit dem rund 1500 Meter hohen Monte Mottarone. Erst seit Samstag dürfen Seilbahnen in ganz Italien im Zuge von Lockerungen der Corona-Beschränkungen überhaupt wieder Ausflüglerinnen und Ausflügler transportieren.

RND/AP/dpa/nis

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