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„Schwarzer November“: Corona-Pandemie trifft Griechenland mit brutaler Härte

  • Die zweite Welle der Corona-Pandemie trifft Griechenland mit brutaler Härte.
  • Besonders im Norden des Landes wütet das Virus und bringt Kliniken ans Limit.
  • Dafür gibt es Gründe.
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Athen. Am Donnerstagabend landete eine Hercules-Transportmaschine der griechischen Streitkräfte auf dem Militärflugplatz Eleusis bei Athen. Das Flugzeug kam aus dem nordgriechischen Kavala. An Bord waren drei Covid-19-Patienten in speziellen Isolationsbehältern. Sie wurden von Eleusis in drei Athener Krankenhäuser gebracht. Der Lufttransport wurde notwendig, weil es in den Kliniken von Kavala keine freien Intensivbetten mehr gibt.

Es wird nicht der letzte Einsatz der speziell für den Krankentransport umgerüsteten Militärmaschine sein. Nachdem Griechenland die erste Welle der Corona-Pandemie im Frühjahr dank frühzeitiger und strikter Kontaktbeschränkungen besser meisterte als die meisten anderen europäischen Staaten, bricht jetzt die zweite Welle mit umso größerer Wucht über das Land herein. Seit Beginn der Pandemie Ende Februar sind in Griechenland 2102 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Davon verstarben 1479 im November, also mehr als doppelt so viele wie in den ganzen acht Monaten zuvor. Die Zeitung „Kathimerini“ schreibt von einem „schwarzen November“.

Die Kliniken sind am Limit, die Intensivstationen zu 90 Prozent belegt. Vor allem in Nordgriechenland ist die Lage kritisch. Von den 2013 Neuinfektionen, die am Freitag gemeldet wurden, entfielen 1134 auf die Städte Thessaloniki, Kavala, Drama, Kozani, Serres, Alexandroupoli und andere Regionen Nordgriechenlands.

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Die Gründe für die massive zweite Welle

Dass die zweite Welle Griechenland so massiv trifft, hat mehrere Gründe. Nach der erfolgreichen Eindämmung im Frühjahr hob die Regierung die meisten Kontaktbeschränkungen im Juni auf. Unbeschwert genossen vor allem viele junge Menschen die Sommermonate an den Stränden und in den Beachbars. Schon ab Anfang August stiegen deshalb die Neuinfektionen wieder deutlich an. Die Regierung scheute aber neue Beschränkungen. Sie hätten den ohnehin schwachen Tourismus völlig abgewürgt. Vor allem in der Universitätsstadt Thessaloniki mit seiner vergleichsweise jungen Bevölkerung und der lebendigen Gastronomie- und Kulturszene machte sich in den vergangenen Monaten Sorglosigkeit breit.

Als Anfang November die Zahlen förmlich explodierten, führte die Regierung einen landesweiten Lockdown ein. Schulen, Restaurants, Bars und Einzelhandelsgeschäfte sind nun geschlossen. Es gilt eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. Auch tagsüber darf man die Wohnung nur noch mit triftigem Grund und einer vorherigen Anmeldung per Smartphone verlassen. Private Partys sind verboten.

Diese Woche verlängerte die Regierung den Lockdown, der eigentlich ab Montag schrittweise aufgehoben werden sollte, bis zum 7. Dezember. Aber vor allem auf dem Land halten sich viele nicht an die Ausgehverbote. Und auch in den Städten sind immer noch viele Spaziergänger ohne Maske unterwegs.

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