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Schwarzer in Supermarkt totgeprügelt: Ein Verbrechen wühlt Brasilien auf

  • In Brasilien töten weiße Sicherheitskräfte einen schwarzen Kunden in einem Supermarkt.
  • Jetzt wird in dem südamerikanischen Land heftig wird über Rassismus und Kolonialismus debattiert.
  • Die brasilianische Regierung bestreitet die Existenz von strukturellem Rassismus.
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Rio de Janeiro. Die per Überwachungskamera festgehaltenen Sekunden sind nur schwer zu ertragen: Zwei weiße Sicherheitskräfte schlagen im Kaufhaus Carrefour in Porto Alegre auf den am Boden liegenden Afrobrasilianer Joao Alberto Silveira Freitas ein. Die Schreie des 40-Jährigen aus Schmerz und Angst sind deutlich zu hören.

Um ihn herum stehen Dutzende entsetzte Passanten, während Joao Alberto um Luft und Leben ringt. Die vielen Blutspritzer auf dem Boden zeugen von dem Faustkampf. Der vierfache Vater, der im Dezember erneut heiraten wollte, überlebte den tödlichen Kampf nicht. Seine Lebensgefährtin bekommt von dem Drama nichts mit: Sie bezahlt gerade an der Kasse die Einkäufe.

Eine Wutwelle geht nun durch Brasilien, die an die Black-Lives-Matter-Bewegung in den USA erinnert. Auf der riesigen Avenida Paulista in Sao Paulo malten Aktivisten den Schriftzug „Vidas Pretas Importam“ (Schwarze Leben zählen) auf den Asphalt. Einige der Kaufhäuser der französischen Supermarktkette wurden von wütenden De­mons­tran­ten verwüstet, in anderen zeigen vor allem Afrobrasilianer auf mitgebrachten Plakaten friedlich ihren Unmut über dem Umgang des Sicherheitspersonals mit dem Opfer.

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Erinnerungen an Black-Lives-Matter-Bewegung in den USA

Vizepräsident Hamilton Mourao, ein ehemaliger General, bedauerte den Tod des Mannes, schloss aber die Existenz von strukturellem Rassismus in Brasilien aus: „Das ist eine Sache, die sie importieren wollen, das gibt es hier nicht. Ich sage Ihnen in aller Ruhe, es gibt keinen Rassismus.“ Der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro erklärte, es gäbe Kräfte, die die Diversität des brasilianischen Volkes zerstören und an seine Stelle den Konflikt, den Hass und die Spaltung der Rassen setzen wollten. Menschenrechtsorganisationen und das UN-Büro in Brasilien sehen das allerdings anders.

Der Fall emotionalisiert die Brasilianer gleich auf mehrfacher Ebene: Da ist der französische Konzern Carrefour, der stellvertretend für die mächtigen kolonialen Strukturen steht, die das Land immer noch dominieren. Da ist die afrobrasilianische Bevölkerung, die täglich am eigenen Leib die strukturellen Benachteiligung erlebt – bei Bewerbungen um den Arbeitsplatz, auf schlechteren Schulen oder eben als potenziell Verdächtige für Polizei oder Sicherheitsdienste.

Menschenrechtsorganisation fordert Umsetzung eines Zehn-Punkte-Plans

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Die Menschenrechtsorganisation „Educafro“ fordert als Reaktion auf den Vorfall in Porto Alegre die Umsetzung eines Zehn-Punkte-Plans, darin enthalten eine zwingende Anti-Rassismus-Schulung für Sicherheitspersonal in Kaufhäusern und ein Ultimatum an Carrefour. Das Unternehmen soll bis Ende März 30 Prozent aller Posten auf der mittleren und höheren Führungsebene mit afrobrasilianischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzen und 10 Prozent des Jahresgewinns in den antirassistischen Kampf investieren. Carrefour läuft derweil Gefahr, zum Symbol für den Rassismus im Land zu werden.

Da hilft es wenig, dass der Konzern darauf verweist, dass das Sicherheitspersonal von einer Drittfirma gestellt wurde. Die wiederum präsentierte ein Video, das ihre Mitarbeiter entlasten soll. Es zeigt, wie Joao Alberto unbewaffnet und auch unbeteiligt auf seine Frau im Ausgangsbereich des Supermarktes wartet. Dann kommt eine weiße Mitarbeiterin des Supermarktes und weist die Sicherheitsleute an, Joao Alberto nach draußen zu begleiten. Er folgt der Aufforderung widerstandslos. Unmittelbar vor Verlassen des Supermarktes schlägt er allerdings unvermittelt einen der beiden Sicherheitskräfte. Daraus entwickelt sich der folgenreiche tödliche Kampf auf dem Boden, der nun Brasilien aufwühlt.

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