Schulleiter zeigt Abiturienten nach kritischer Rede an - Klima der Angst?

Fiete Korn wurde von seinem Schulleiter angezeigt.

Fiete Korn wurde von seinem Schulleiter angezeigt.

Prerow. Nach seiner kritischen Rede auf dem Abiball der Freien Schule Prerow (Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Vorpommern) ist ein Schüler von seinem Direktor wegen übler Nachrede angezeigt worden. Der 18 Jahre alte Fiete Korn hatte in seiner teils ironischen Ansprache die Art und Weise kritisiert, wie die Schulleitung mit den Schülern umgehe und ein Klima von Angst und Einschüchterung erzeuge. Schüler sollen motiviert worden sein, ihre Mitschüler zu überwachen. Zunächst hatte die „Ostsee-Zeitung“ (OZ) über den Vorfall im Landkreis Vorpommern-Rügen berichtet.

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Obwohl über den Schulleiter bereits zuvor viel geredet worden sei, habe aus Angst kein Schüler den Mund aufgemacht, sagte der 18 Jahre alte Fiete Korn am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Ausschnitte aus der Rede sind bei der „Ostsee-Zeitung“ zu sehen. Schüler sollen motiviert worden sein, ihre Mitschüler zu überwachen, sagte Korn darin. Er sprach von einer „Überwachungsmentalität der Schulleitung“ und einem „schlechtem Verhältnis zwischen Schulleitung und Schülern“. Auch kritisierte er weitere Verhaltensweisen des Direktors den Schülern gegenüber. Gäste des Balls applaudierten dem Abiturienten.

Schulleiter will sicht nicht zur Anzeige äußern

Zu der Anzeige gegen Korn wollte sich der Schulleiter gegenüber der OZ mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Zu den Vorwürfen des Schülern sagte er, dass es an seiner Schule keine Einschüchterung und auch keine darauf gerichteten Versuche gebe. Die Zusammenarbeit sei „nicht von Erniedrigung geprägt“.

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Dass das „Verhältnis zwischen der Gemeinde und der Schule zerrüttet“ ist, betont Prerows Bürgermeister René Roloff (Wählergemeinschaft). Einer der Gründe sei der Sanierungsbedarf am Schulgebäude. Roloff zufolge hatte der Träger des Darßer Bildungszentrums das Objekt bereits sanierungsbedürftig gemietet. Die Gemeinde als Eigentümer sei dafür zuständig und wolle auch sanieren. Es habe bei diesem Millionenprojekt jedoch ein ständiges Hin und Her gegeben. Im Land habe sich die Fördergesetzgebung geändert, und auch die Trägerschaft habe gewechselt. Schließlich habe die Semper-Holding mit Hauptsitz in Dresden als Schulträger die Miete zu 100 Prozent einbehalten. Zudem wollte die auch im Immobiliengeschäft tätige Holding die 2,5 Hektar Schulgelände in bester Lage im Ostseebad Prerow gerne kaufen. Die Gemeinde lehnte einen Verkauf ab.

Bürgermeister will anderen Schulbetreiber

Nach einem Gerichtstermin sei die ausstehende Miete von 180.000 Euro gezahlt worden. Der Rechtsstreit ist Roloff zufolge aber noch nicht beendet. Ein Teil des Geldes werde zurückgefordert.

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Mit Blick auf die Probleme sagte Bürgermeister Roloff der „Ostsee-Zeitung“ dann auch klipp und klar, dass er sich für die Schule einen anderen Betreiber wünsche, „um die Verhältnisse nachhaltig zu verbessern“. Allerdings könne die Gemeinde nicht darüber entscheiden. „Wir sind in dieser Frage vom Bildungsministerium abhängig“, so Roloff.

RND/dpa/seb

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