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Schulen, Impfen, Ausgangssperren: So ist die Corona-Lage in den europäischen Ländern

  • Die Corona-Pandemie hat Europa aktuell fest im Griff – vor allem neu auftauchende Mutationen bereiten den Ländern Sorgen.
  • Die Reaktionen der Länder fallen unterschiedlich aus – unter anderem beim Umgang mit Ausgangssperren und der Schließung von Schulen und Kitas.
  • Auch bei den Impfstrategien gehen Großbritannien, Spanien, Frankreich und Co. unterschiedliche Wege.
Helmut Hetzel
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Europa befindet sich in der Corona-Krise derzeit in einer paradoxen Situation zwischen Hoffnung und Besorgnis. Hoffnung einerseits, weil es endlich zugelassene Impfstoffe gibt und seit Dezember in vielen Ländern geimpft wird. Besorgnis andererseits wegen der auftauchenden Corona-Mutationen, die sich wesentlich schneller verbreiten und die Zahlen in einigen Ländern bereits hochschnellen lassen.

Ein Blick auf die verschiedenen Länder Europas und in ihren Umgang mit der Pandemie:

Großbritannien: Hohe Sterberate, erfolgreiche Impfkampagne

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Monatelang kontrollierte Großbritannien aus dem Ausland Einreisende kaum, nun beschloss die Regierung besonders strenge Regeln für das Land. Um sich vor der Einschleppung weiterer Coronavirus-Mutanten zu schützen, müssen sich künftig Menschen, die aus Hochrisikogebieten ins Königreich kommen, für zehn Tage in Quarantäne begeben. Selbst Briten mit Wohnsitz auf der Insel sind verpflichtet, die Zeit in einer von der Regierung bereitgestellten Unterkunft zu verbringen – auf eigene Kosten.

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Die britische Regierung steht unter Druck. Am Dienstag wurde in dem Land die Marke von 100.000 Corona-Toten überschritten. Damit verzeichnet das Königreich weltweit eine der höchsten Sterberaten pro eine Million Einwohner. „Ich spreche allen mein Beileid aus, die einen geliebten Angehörigen verloren haben“, sagte Premierminister Boris Johnson und entschuldigte sich. Seit Wochen ächzen die Krankenhäuser in vielen Teilen des Landes unter der Zahl der Schwererkrankten, derzeit werden mehr Covid-19-Patienten künstlich beatmet als zu jedem anderen Zeitpunkt der Pandemie. Doch die Zahl der Neuinfektionen, die Anfang des Jahres auf bis zu 69.000 pro Tag angestiegen war, sinkt immerhin kontinuierlich. Der strenge landesweite Lockdown wirkt – und soll bis mindestens 22. Februar andauern.

Grundsätzlich gilt eine Ausgangssperre, das Haus darf nur aus einem triftigen Grund verlassen werden. Kontakte zu anderen Haushalten sind – bis auf wenige Ausnahmen – in Innenräumen untersagt, draußen darf nur eine Person aus einem anderen Haushalt getroffen werden. Schulen sind bis auf eine Notbetreuung geschlossen, ebenso alle Geschäfte, die nicht der lebensnotwendigen Versorgung dienen. Im Fokus steht derweil die Schuldiskussion. So unterstützten mehrere konservative Abgeordnete die Elternkampagne, laut der Kinder nach den Halbjahresferien Mitte Februar wieder in die Schulen gehen sollten. Doch Johnson erteilte dem Wunsch eine Absage. Als frühestmöglicher Zeitpunkt für Schulöffnungen stellte er den 8. März in Aussicht.

Als Weg aus der Krise betrachtet London das Impfprogramm. Da auf der Insel seit dem Spätherbst die deutlich ansteckendere Mutante B.1.1.7 grassiert, nutzte die Regierung Ende 2020 das von der EU erlaubte Notverfahren, um Impfstoffe rascher genehmigen zu lassen. Das Astrazeneca-Mittel wurde auf der Insel bereits am 30. Dezember zugelassen, das Biontech/Pfizer-Vakzin schon am 2. Dezember. Bislang läuft die Kampagne mit Erfolg. Bis Donnerstag haben rund 7,5 Millionen Menschen zumindest die erste Dosis des Impfstoffs erhalten. Die Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, bis Mitte Februar 15 Millionen Menschen eine erste Dosis zu verabreichen.

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Großbritannien will neue Medikamente gegen Covid-19 einsetzen
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Der britische Premier Boris Johnson kündigte am Donnerstag an, man werde ab sofort die „lebensrettenden“ Medikamente Tocilizumbad und Sarilumab einsetzen.  © dpa

Frankreich: Regierung für seine Maßnahmen stark in der Kritik

Viele Franzosen atmeten am Freitagabend auf, als sie die Pressekonferenz von Premierminister Jean Castex verfolgten: Die Regierung verzichtet vorerst weiterhin auf einen Lockdown. Allerdings erscheint fraglich, wie lange, denn die Infektionslage verschlechtert sich langsam, aber kontinuierlich. Im Schnitt mehr als 20.000 Neuinfektionen wurden zuletzt jeden Tag gezählt, Tendenz steigend. Während alle Nachbarländer längst striktere Ausgangsbeschränkungen eingeführt haben, bestehen diese in Frankreich vor allem in einer nächtlichen Sperrstunde ab 18 Uhr.

Läden und Geschäfte sind seit Dezember offen, künftig müssen lediglich große Einkaufszentren mit einer Fläche von mehr als 20.000 Quadratmetern schließen, sofern sie keine Lebensmittel verkaufen. Dass Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten offen bleiben, ist ein besonderes Anliegen der Regierung, wenn auch die zweiwöchigen Frühjahrsferien um eine weitere Woche verlängert werden. Inzwischen müssen alle, die aus dem EU-Ausland einreisen, einen negativen PCR-Test vorweisen können und sich nach einer einwöchigen Selbstisolation erneut testen lassen. Wer aus einem Nicht-EU-Land kommen will, darf dies nur aus einem unverschiebbaren Grund. Dass es vorerst keine schärferen Maßnahmen gibt, ist wohl der Furcht der Regierung vor einer aufkommenden Protestbewegung geschuldet.

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Zwar sind Demonstrationen von Gegnern der Anti-Corona-Maßnahmen in Frankreich bislang ausgeblieben, doch die Verzweiflung vieler Menschen – von den Kulturschaffenden über die Studenten bis hin zu den Gastronomen – wächst. 61 Prozent der Franzosen sind mit dem Krisenmanagement von Präsident Emmanuel Macron unzufrieden. Anfangs mangelte es an einfacher medizinischer Ausrüstung und an Gesichtsmasken. Dass den Menschen zunächst gesagt wurde, diese seien ohnehin nicht sinnvoll, während schlichtweg genügend Exemplare fehlten, kam sehr schlecht an - fortan war das Misstrauen da. Häufig fielen Vergleiche mit dem deutschen Nachbarland, das die Lage lange Zeit besser im Griff hatte – bis sich die Situation im Herbst drehte, seit die Infektionszahlen durch einen zweiten, strikten Lockdown, bei dem die Franzosen nur mit Ausgangsbestätigung das Haus verlassen durften, gedrückt werden konnten.

Auch die Impfstrategie Frankreichs wird stark kritisiert. Neben logistischen Problemen, die Vakzine über das Land zu verteilen kam die bewusste Entscheidung der Regierung, die Kampagne nur zögerlich beginnen zu lassen, um die vielen Impfgegner oder -skeptiker nicht noch mehr zu reizen, die bis zu 60 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Doch deren Zahl sinkt allmählich, immer mehr Menschen verlangen nach dem Piks und nach unerbittlichen Vergleichen mit anderen europäischen Ländern wurde der Impf-Rhythmus beschleunigt: Inzwischen ließen sich in Frankreich rund 1,5 Millionen Menschen impfen.

Italien: Covid-Bekämpfung ohne Regierung stellt kein Problem dar

Italien bleibt ein Sonderfall: Vor einem Jahr war es das erste Land Europas gewesen, das von der Covid-Pandemie heimgesucht wurde. Nun ist es das erste Land, das die Gesundheitskrise ohne Regierung managen muss: Am Dienstag ist Ministerpräsident Giuseppe Conte – eher unfreiwillig – zurückgetreten. Im Moment wird unter der Regie von Staatspräsident Sergio Mattarella ein Nachfolger gesucht – der vielleicht wieder Conte sein wird. Die Regierungskrise stellt bei der Bewältigung der Pandemie im Moment aber kein größeres Problem dar: Die laufenden Geschäfte werden von den Ministern fortgeführt. Den größten Teil bei der Pandemiebekämpfung leisten neben den Fachleuten des Gesundheitsministeriums ohnehin der wissenschaftliche Beirat und das nationale Sanitätsinstitut. Und wie die deutschen Bundesländer verfügen auch die italienischen Regionalregierungen über weitreichende Kompetenzen im Gesundheitswesen. Die Pandemiebekämpfung erfolgt „vor Ort“, nicht in Rom.

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Italien: Contes Rücktritt nun offiziell
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Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella hat den Rücktritt von Regierungschef Giuseppe Conte bestätigt.  © Reuters

Vor allem aber besteht derzeit kein akuter politischer Handlungsbedarf. In Italien zeigen die Kurven der Fallzahlen seit über zwei Wochen nach unten. Derzeit sind im italienischen „Ampelsystem“ nur noch zwei Regionen als rote Zonen eingestuft: die autonome Provinz Südtirol und Sizilien. Im ganzen Land gilt aber noch eine Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr.

Bis zur Reduktion der Impfstofflieferungen durch BionTech/Pfizer klappte in Italien auch die Impfkampagne überdurchschnittlich gut: Bis zum vergangenen Montag hatten 1,37 Millionen Italiener ihre erste Spritze erhalten, was 2,17 Prozent der Bevölkerung entspricht. Der Ärger über die Lieferengpässe war groß in Rom: Die Regierung hatte vor ihrem Sturz noch rechtliche Schritte gegen BionTech/Pfizer angedroht.

Inzwischen sind in Italien die meisten Schüler auch wieder in ihre Klassen zurückgekehrt. Die Kitas und Grundschulen haben seit den Festtagen ohnehin in den meisten Regionen wieder Präsenzunterricht. Fernunterricht in den oberen Klassen gibt es derzeit noch in acht der 20 italienischen Regionen.

Portugal und Spanien: Dritte Welle macht Krankenhäusern schwer zu schaffen

So wie der Rest der Europäischen Union kommen auch Spanien und Portugal nur langsam mit den Covid-19-Impfungen voran. In beiden Ländern haben einen Monat nach Beginn der Impfkampagne etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfdosis erhalten. Wenn es bei diesem Rhythmus bliebe, vergingen noch gut drei Jahre, bis alle Menschen geimpft wären.

Auf der Iberischen Halbinsel breitet sich währenddessen das Virus mit besonders hoher Geschwindigkeit aus. Portugal gehört mit einer 14-Tage-Inzidenz von 1215 zu den Corona-Spitzenreitern auf der Welt. Die Gesundheitsministerin Marta Temido brachte am Montag die Möglichkeit ins Gespräch, im Ausland um Hilfe zu bitten. Der Präsident der Portugiesischen Vereinigung der Krankenhausverwalter, Alexandre Lourenço, nannte den Hilferuf „ein bisschen traurig“. Nach einem portugiesischen Fernsehbericht vom Mittwoch sollen bereits Bundeswehrärzte in einem Lissabonner Krankenhaus aushelfen.

Angesichts der dramatischen Lage gilt in Portugal zurzeit eine grundsätzliche Ausgangssperre – ausgenommen sind vor allem Wege zur Arbeit, zum Einkaufen und zum Arzt. Auch die Schulen sind seit Mitte Januar geschlossen.

In Spanien sind die Beschränkungen hingegen etwas weniger streng; eine allgemeine Ausgangssperre gilt lediglich nachts zwischen 22 und 6 Uhr; die Schulen sind geöffnet. Aber auch hier macht die Wucht der dritten Corona-Welle den Krankenhäusern schwer zu schaffen. Die 14-Tage-Inzidenz ist in den vergangenen Tagen auf rund 900 gestiegen.

Griechenland: Lockerungen wieder zurückgenommen

„Operation Freiheit“ – unter diesem Motto steht die Covid-Impfkampagne in Griechenland. Aber vier Wochen nach dem Beginn der Impfungen ist von Freiheit wenig zu spüren. Etwa 200.000 Menschen wurden bisher geimpft. Gegenwärtig ist die Altersgruppe der 80- bis 84-Jährigen an der Reihe. „Wir könnten mehr impfen, wenn wir nur genug Impfdosen bekämen“, sagt Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis. Auch in Griechenland stocken die Lieferungen, wie überall in der EU. Das ursprünglich für die Jahresmitte anvisierte Ziel, mindestens 70 Prozent der Bevölkerung zu impfen, rückt immer weiter in die Ferne.

Und nun nimmt die Regierung sogar einige Lockerungen zurück: Im Großraum Athen mussten die Einzelhandelsgeschäfte, die erst vor zwei Wochen nach zweieinhalb Monaten Zwangspause geöffnet wurden, ab Samstag wieder schließen. Die für Montag geplante Öffnung der Oberschulen wird in Athen und anderen besonders belasteten Regionen verschoben. Damit reagieren die Behörden auf einen neuerlichen Anstieg der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen. Im europäischen Vergleich steht Griechenland allerdings immer noch ganz gut da: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nur bei 41,4. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt sie 98.

Das Land tastet sich langsam voran. Die nächtliche Ausgangssperre von 21 Uhr bis 5 Uhr bleibt vorerst in Kraft. Auch eine Öffnung der Gastronomie ist bisher nicht in Sicht. Premier Mitsotakis hofft, dass Griechenland „zum Ende des Frühlings oder Beginn des Sommers eine Art Normalität erreicht hat“. Wichtig wäre das vor allem für den Tourismus, der eine zentrale Säule der griechischen Wirtschaft ist. Nikos Chardalias, als Chef der Zivilschutzbehörde zuständig für die Umsetzung der Corona-Beschränkungen, vergleicht die Situation mit einer nächtlichen Autofahrt auf einer unbekannten Bergstraße im Nebel: „Mal muss man bremsen, mal kann man vorsichtig etwas Gas geben, aber man weiß nie, was einen hinter der nächsten Kurve erwartet.“

Niederlande: Bußgeld, Krawall und Schlusslicht beim Impfen

Gewalttätige Corona-Krawalle haben die Niederlande in den letzten Tagen und Nächten erschüttert. Tausende von Corona-Vandalen brandschatzten, plünderten, griffen die Polizei in zahlreichen Städten und Gemeinden an. Auch Krankenhäuser wurden von den Corona-Gegnern attackiert und mit Steinen beworfen. In Rotterdam ging ein Theater in Flammen auf. Die Proteste richten sich gegen die Ausgangssperre. Sie gilt seit vergangenem Samstag von 21 Uhr abends bis 4.30 Uhr morgens und soll bis zum 10. Februar andauern.

Mehr als 6000 Bußgeldbescheide wegen des Nichteinhaltens der Ausgangssperre wurden von der Polizei bereits verhängt. Hunderte Randalierer wurden verhaftet. Den ersten wird nun in Schnellgerichtsverfahren der Prozess gemacht. Im Fernsehen wird nach Corona-Vandalen gefahndet. Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte holte währenddessen die große Drohkeule aus dem Schrank: In einer Rede im Haager Parlament sagte er: „Der Einsatz der Armee ist kein Tabu, jetzt aber noch nicht nötig.“ Er verurteilt die Randalierer als „Kriminelle, deren Protest nichts mit dem Kampf für Freiheit zu tun hat“. Der Oppositionsführer im Haager Parlament und Chef der rechtspopulistischen Freiheitspartei PVV, Geert Wilders, plädierte für den Einsatz der Armee gegen Anti-Corona-Demonstranten. „Schlussendlich versteht dieses Gesindel nur die harte Hand.“ Der andere Rechtspopulist im Land der Tulpen, der Chef der rechtsnationalistischen Partei Forum für Demokratie, Thierry Baudet, gießt hingegen Öl ins Feuer. Er heizt die Lage auf Twitter an, wo er unter anderem schreibt: „Das Forum leistet Widerstand. Nur zusammen bekommen wir unsere Freiheit zurück. Es ist Rutte, der die Niederlande einsperrt.“

Die Kontakteinschränkungen scheinen in den Niederlanden währenddessen Wirkung zu zeigen. Die Zahl der Infektionen ging laut der nationalen Gesundheitsbehörde RIVM zum Wochenende um 547 auf jetzt 4924 täglich zurück. Die Lage in den Krankenhäusern ist aber immer noch angespannt. Insgesamt meldet das RIVM 961.593 Infektionen und 13.733 coronabedingte Todesfälle, seit am 27. Februar 2020 erstmals eine Corona-Infektion in den Niederlanden festgestellt wurde.

Die Schulen und Kitas in den Niederlanden sind bis zum 9. Februar geschlossen. In Sachen Impfen sind die Niederlande ein Schlusslicht in der EU: Es wurden erst 160.000 Personen geimpft, das sind nur 0,9 Prozent der Bevölkerung. Die Krise trifft auch die exportorientierte Wirtschaft schwer. Wirtschaftsforschungsinstitute schätzen, dass bis Ende 2021 rund 190.000 Menschen ihren Job aufgrund der Corona-Krise verloren haben werden.

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Niederlande: Randale bei Corona-Protesten – rund 250 Festnahmen
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Die Proteste richteten sich gegen die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, darunter eine nächtliche Ausgangssperre.  © Reuters

Belgien: Harte Beschränkungen zeigen Erfolg

Die Infektionszahlen in Belgien waren seit Mitte Oktober enorm rückläufig, doch steigen nun wieder leicht an. Mussten die nationalen Gesundheitsbehörden im Herbst noch 16.000 Infektionen täglich melden, so liegt die Zahl der Neuinfektionen Ende dieser Woche bei 3020 Personen täglich. Aber: Sie ist im Vergleich zur Vorwoche wieder um 459 Neuinfektionen angestiegen. Daher zieht Belgien die Bremse wieder an.

Nicht notwendige Reisen aus und nach Belgien sind ab sofort verboten. Die entsprechende Entscheidung der nationalen und der drei Regionalregierungen im Land trat am vergangenen Mittwoch in Kraft. Das Königreich mit seinen 11,5 Millionen Einwohnern will so seine im internationalen Vergleich relativ gute Corona-Lage bewahren. Weiterhin erlaubt bleiben notwendige Grenzüberquerungen, die beispielsweise für den Warenverkehr weiter fließen.

König Philippe stellte in einer Rede an die Nation stolz fest, dass er und Belgien für die relativ erfolgreiche Eindämmung des Coronavirus „viele Komplimente“ erhalten hätten. Der flämische Ministerpräsident Jan Jambon sagte im Fernsehen: „Weitere drastische Maßnahmen sind nicht geplant. Dafür gibt es kaum noch Raum.“ Er rief dazu auf, nicht in Panik zu geraten. „Wir werden die Schulen und die Unternehmen weiterhin offen halten, aber gleichzeitig auch dafür sorgen, dass das Gesundheitssystem nicht kollabiert.“

Dass es in Belgien im Gegensatz zum Nachbarland Niederlande bisher keine Corona-Krawalle gab, liegt wohl auch daran, dass die Ausgangssperren im Vergleich zu den Niederlanden relativ liberal sind. In Flandern beginnt die Ausgangssperre erst um Mitternacht, in Brüssel, Wallonien und den deutschsprachigen Ostkantonen gilt eine Ausgangssperre von 22 bis 6 Uhr. Wie auch die Niederlande gehört Belgien in Sachen Impfen aber bisher zu den Schlusslichtern in der EU. Insgesamt wurden in Belgien bisher 243.412 Menschen geimpft. Das sind 2,12 % der Bevölkerung. Obwohl der Impfstoff von Pfizer/Biontech in Belgien produziert wird, gibt es auch dort Lieferengpässe. Trotzdem ist es das erklärte Ziel der belgischen Regierung, dass bis Ende September alle Belgier geimpft sein sollen. Ein Ziel, das eher unrealistisch ist: Belgien hat rund 11,5 Millionen Einwohner.

Schweden: Das Land hält an seinem Sonderweg fest

Schweden hält trotz zweiter Welle an seinem Sonderweg ohne Lockdown und Maskenpflicht fest – allerdings mit Einschränkungen wie der Schließung der Gastronomie um 20 Uhr. Geschäfte, Kindergärten und Schulen bis einschließlich der neunten Klassen bleiben geöffnet. Inzwischen wurden Masken zumindest für den Nahverkehr empfohlen. Die Stimmung ist von relativ unbeschwert in eine winterliche Düsternis umgekippt. Im Supermarkt machen die Kunden seit der Weihnachtszeit größere Bögen umeinander, mehr freiwillige Maskenträger prägen das Straßenbild. Die Regierung hat kürzlich ein Gesetz ratifizieren lassen, das ihr im Notfall einen harten Lockdown erlaubt. Der Wille dafür fehlt bislang.

Geimpft wird in dem Land seit dem 27. Dezember. Bis zum 25. Januar gab es aber lediglich 192.700 Impfungen in dem 10,2 Millionen Einwohner zählenden Land. Bis Ende Juni sollen alle Volljährigen, die möchten, geimpft sein. Das Ziel sind mindestens 70 Prozent aller Erwachsenen. Doch im Volk herrscht Misstrauen gegen den Impfstoff.

Alte, pflegebedürftige Menschen und danach wichtiges Krankenhauspersonal werden zuerst geimpft. Über diese Reihenfolge streiten sich die Regionen und machen es teils andersherum. Insgesamt ist die Anzahl der Neuinfektionen, der neuen Intensivstationspatienten und Toten seit Ende Dezember rückläufig. Im Sieben-Tage-Durchschnitt hatte Schweden Ende Januar (26. Januar) 318 neue Fälle und 1,8 Tote pro Millionen Einwohner.

Schwedens Sonderweg wurde vor allem wegen der hohen Todesrate aus dem Ausland kritisiert. Mehr als 1100 Menschen starben pro Millionen Einwohnern. Zum Vergleich: In Deutschland sind es mehr als 650. Das für Schwedens Sonderweg verantwortliche Gesundheitsamt sieht keinen Zusammenhang zur Strategie und verweist darauf, dass EU-Länder mit harten Lockdowns teilweise höhere Todeszahlen hätten als Schweden. In Schweden hätte man die durch Vernachlässigung maroden Altenheime nicht ausreichend geschützt.

Österreich: Ausgangssperren rund um die Uhr, aber offene Skigebiete

Österreich befindet sich aktuell in einem strengen Lockdown. Ausgangssperren gelten hier praktisch rund um die Uhr. Einzige Ausnahmen: der Weg zur Arbeit, Sport sowie Hilfe für andere Menschen. Auch die „Befriedigung von Grundbedürfnissen“ ist als Ausnahme aufgeführt.

Gastronomiebetriebe sind genauso geschlossen wie Freizeit- und Kulturbetriebe oder Friseure, nicht jedoch die Skigebiete. Skifahren ist somit möglich, aber aufgrund der Maßnahmen nur für Ortsansässige oder im Rahmen von Tagesausflügen im Inland. Die allermeisten Schulen bieten derzeit Fernunterricht an, Ausnahmen sind beispielsweise Förderschulen. Um eine mögliche Homeofficepflicht streitet Österreich derweil noch.

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Österreich verlängert Lockdown bis zum 8. Februar
1:43 min
Die Rate der Neuinfektionen in Österreich liegt derzeit bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 130 pro 100.000 Einwohnern.  © Reuters

Ab dem 8. Februar plant Österreich Lockerungen. Dann sollen Handel und körpernahe Dienstleistungen wieder öffnen, ebenso wie Museen. Dort ist dann allerdings eine FFP2-Maske verpflichtend. Auch der Schulunterricht könnte dann wieder vor Ort stattfinden – sofern die Infektionszahlen das zulassen. Geplant ist dann ein Schichtbetrieb.

Geimpft werden in Österreich derzeit vor allem Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Personen im Gesundheitsbereich sowie Menschen, die durch Vorerkrankungen der Hochrisikogruppe zugerechnet werden. Zudem gibt es Wartelisten, auf denen sich Impfwillige um aufgetaute, also unter Zeitdruck zu verimpfende Dosen bewerben können. Das sorgte kürzlich für mächtig Ärger, weil sich zahlreiche Bürgermeister auf diese Weise beim Impfen „vorgedrängelt“ hatten.

Schweiz: Offene Schulen, Homeofficepflicht für Betriebe

Anders als im Nachbarland Österreich gilt in der Schweiz derzeit eine Homeofficepflicht – und zwar in allen Betrieben, in denen es ohne „unverhältnismäßigen Aufwand möglich ist“. Sämtliche Geschäfte, die nicht den alltäglichen Bedarf abdecken sind geschlossen – bestellte Waren dürfen aber vor Ort abgeholt werden. Auch Restaurants und Kulturbetriebe sind zu. Dienstleistungsbetriebe – dazu zählen neben Poststellen, Banken und Kosmetikstudios auch Erotikbetriebe – bleiben hingegen offen, müssen jedoch ihre Öffnungszeiten einschränken. Auch Skigebiete können unter bestimmten Voraussetzungen öffnen.

Ausgangssperren gibt es in der Schweiz nicht. Auch der Präsenzunterricht ist an allen obligatorischen Schulen und in der Sekundarstufe II weiter erlaubt. An Universitäten und Fachhochschulen wird jedoch auf Fernunterricht gesetzt. Ausnahmen gibt es dann, wenn eine Präsenz vor Ort notwendig ist.

Vorrang zu Impfungen erhalten in der Schweiz derzeit Personen ab 75 Jahren, Risikopatienten sowie Personal von Krankenhäusern und Pflegeheimen. Aktuell hat die Schweiz aber noch mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen: Erst rund 200.000 Impfdosen wurden bislang verabreicht, einige Kantone mussten wegen Engpässen beim Impfstoff bereits wieder auf die Bremse treten. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit versicherte jedoch, dass bis Juni alle Impfwilligen in der Schweiz zwei Dosen erhalten sollen.

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