Schönheitschirurgie in Corona-Zeiten: Lidstraffung boomt

  • Viele Menschen haben in der Krise Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen – nicht allen gefällt, was sie sehen.
  • Die Nachfrage nach ästhetischen Behandlungen ist im Corona-Jahr gestiegen.
  • Insbesondere die Lidstraffung erlebt derzeit einen echten Boom.
|
Anzeige
Anzeige

Hannover. In der Krisenzeit haben viele Menschen offenbar Zeit, sich eingehend mit ihrem Äußeren zu beschäftigen. Und einigen gefällt wohl nicht, was sie sehen. Die Nachfrage nach ästhetischen Behandlungen steigt, genaue Zahlen gibt es von der Vereinigung der Deutschen ästhetisch-plastischen Chirurgen (VDÄPC) erst im März. Doch schon jetzt ließe sich ein eindeutiger Trend feststellen, heißt es. So habe sich die Art der Nachfrage gewandelt.

„Die Maskenpflicht verändert den Blick in den Spiegel“, sagt Karl Schuhmann, ästhetisch-plastischer Chirurg und Chefarzt in Hattingen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). In seiner Privatpraxis in Düsseldorf boomt wie nie zuvor die Nachfrage nach Lidstraffungen. Richtete sich der Blick vieler Menschen nach Meinung Schuhmanns auf das ganze Gesicht, so konzentriert sich die Aufmerksamkeit durch die Maske nun auf die Augenpartie. Doch auch Facelifting, Fettabsaugen oder Unterspritzen würden häufiger als vor Corona verlangt, darunter Lippenkorrekturen. „Sie können kurzfristig zu blauen Flecken, Rötungen oder Schwellungen führen. Eine Maske versteckt dies“, so der Mediziner. Studien zufolge verschweigen die meisten Patienten einen Schönheitseingriff.

Corona-Krise wird zur Selbstoptimierung genutzt

Anzeige

Hängende Lider, ein angefuttertes Doppelkinn oder Falten auf der Stirn können bei Videokonferenzen besonders ins Auge fallen. Weil Menschen dabei ihr eigenes Spiegelbild über einen längeren Zeitraum sehen, scheinen viele einen nicht notwendigen Eingriff zu riskieren. Die Corona-Krise wird zur Selbstoptimierung genutzt.

Im Homeoffice sei Zeit zum Abheilen da, wissen auch die plastischen Chirurgen. Der Wunsch, nach Ende des Lockdowns wieder frisch und schlank zu sein, ist offenbar groß und so erwartet die VDÄPC im Zuge künftiger Lockerungen einen Boom der minimalinvasiven Operationen. Ein zentrales Register für Schönheitsoperationen gibt es nicht. Hochgerechnet sind es aber Hunderttausende jährlich in Deutschland. Laut der OP-Statistik der Fachgesellschaft sind auf Platz eins der Spitzenreiter 2019 bei Männern und Frauen die Behandlungen mit Botulinumtoxin, kurz Botox, mit einem Anstieg von 14,3 Prozent zum Vorjahr. Auf dem zweiten Platz liegen die Hyaluronanwendungen (Hautaufpolsterung). Dicht gefolgt von den Fettabsaugungen, die bereits vor COVID-19 einen Anstieg um rund 60 Prozent bei beiden Geschlechtern im Vergleich zum Vorjahr aufzeigten.

Lehrkräfte machen mehr Termine

Aufspritzen, straffen, absaugen – diese Eingriffe sind derzeit fast überall in Praxen und Privatkliniken möglich. Bei Eingriffen, die mit einem Klinikaufenthalt verbunden sind, müssen sich Betroffene teilweise auf lange Wartezeiten einstellen. „Alles, was medizinisch nicht notwendig ist, wird verschoben“, erklärt Schuhmann. Insbesondere Eingriffe, nach denen der Patient intensivmedizinisch versorgt werden muss, nimmt der Arzt nicht vor. Dazu gehört etwa der Brustaufbau mit Eigengewebe. Bei manchen Patienten tue es ihm besonders leid, wenn er sie nicht behandelt kann: „Wenn jemand mit viel Mühe 80 Kilogramm abgenommen hat und nun sehnsüchtig auf die OP zur Beseitigung der überflüssigen Haut wartet, ist das schon schade.“

Laut der Deutschen Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie hat sich die Nachfrage bestimmter Berufsgruppen in der Pandemie verstärkt. Andrea Fornoff, Leiterin der Klinik für plastische Chirurgie in Degerloch, sagt, dass etwa mehr Lehrkräfte und Menschen, die in der Verwaltung tätig seien, Termine machten. „Also Leute, die ein gesichertes Einkommen haben. Es gibt aber daneben auch die breite Schicht derer, die es sich jetzt nicht mehr mal eben so leisten können.“

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen