• Startseite
  • Panorama
  • Schließung von Clubs: Betreiber enttäuscht und in Sorge über Zukunft

„Wir hängen wieder in der Luft“: Betreiber über die erneute Schließung von Clubs

  • So schnell wie Clubs und Diskotheken in manchen Bundesländern öffnen durften, müssen sie angesichts steigender Inzidenzen mancherorts auch schon wieder schließen.
  • Nach anderthalb Jahren Zwangsschließung eine ernüchternde Nachricht für Clubbetreiberinnen und -betreiber und Feierfreudige.
  • Doch wie soll es nun weitergehen?
Anzeige
Anzeige

Kurz nach ihrer Öffnung müssen Clubs und Diskotheken angesichts steigender Corona-Zahlen in Nordrhein-Westfalen schon wieder schließen. Auch die niedersächsische Landesregierung sieht diesen Schritt ab einer Inzidenz von zehn vor. Nach anderthalb Jahren Dauerschließung schweben Betreiberinnen und Betreiber von Diskotheken und Clubs erneut in Unsicherheit. Wie blicken sie auf die Situation?

Die Dominanz der Ungewissheit

550 Feierfreudige seien zur Wiedereröffnung des Aachener Clubs Apollo am 09. Juli gekommen. Ebenso viele am Tag darauf, berichtet Betriebsleiter Alexander Konrads. Erst zwei Tage zuvor hatte laut WDR NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die Öffnung von Discotheken und Clubs bei einer Landesinzidenzstufe 0,0 „in jeder Hinsicht für verantwortbar“ erklärt. Doch nicht einmal zwei Wochen später, am 23. Juli, verkündet die nordrhein-westfälische Landesregierung: „(...) der Betrieb von Diskotheken, Clubs etc. in Innenräumen [ist] wieder (bis zum 27. August) untersagt“. Eine enttäuschende Nachricht für Alexander Konrads. „Es ist einfach schwierig für uns alle, weil wir ja jetzt wieder in der Luft hängen“, sagt er gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Sollte die Inzidenz Ende August wieder knapp unter der Landesinzidenzstufe 1,0 liegen, sind wir ja wieder in derselben Situation. Außerdem gehen wir dann auf den Herbst zu“, erzählt Konrads. Hinzu komme, dass der Betriebsleiter knapp 900 Gäste nach Veranstaltungen am 16. und 17. Juli dazu aufrufen musste, sich in Quarantäne zu begeben, da zwei Gäste seiner Veranstaltungen im Nachgang positiv auf das Corona-Virus getestet worden waren.

Anzeige

Im Moment gebe es schlichtweg keine Sicherheit, was das Planen angehe, sagt Konrads. Besonders bereite ihm die Situation der Angestellten Sorgen. „Wir wissen nicht, wie man das Planen mit den Angestellten in irgendeiner Form sicher gestalten kann“. Darüber hinaus sei ihm „die Problematik, dass das Testen nicht ganz sicher ist“ schon im Kopf rumgeschwirrt, erzählt er. „Das Gesamtkonzept der Politik und der Gesundheitsämter ist noch nicht ganz ausgereift. Ich denke, da muss die Politik nachbessern und sich Konzepte einfallen lassen, wie man insgesamt mit Corona auch besser leben kann“, sagt Konrads.

Viele Probleme mit Corona-Schutzverordnungen

Auch Thomas Hellwig, Pressesprecher des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbands von Gastronomie und Hotellerie – der Dehoga Nordrhein-Westfalen – sieht das Problem aufseiten der Politik. „Das Thema Clubs steht Pars pro Toto insgesamt für die Probleme mit den Corona-Schutzverordnungen“, sagt er gegenüber dem RND. Es brauche dringend eine Abkehr vom Fokus einzig und allein auf Inzidenzwerte, plädiert er. Zudem sei die Kurzfristigkeit ein enormes Problem für die Clubbetreiberinnen und -betreiber. „Normalerweise braucht es eine Vorlaufzeit von zwei Wochen, bis ein Club wieder öffnen kann“.

Anzeige

Ein weiteres Problem läge darin, Arbeitskräfte in die Betriebe „zurückzuholen“. Viele Clubs arbeiten mit Aushilfen, die sich während des Lockdowns anderweitig umschauen mussten, weil es für sie kein Kurzarbeitergeld gab.

Auch Niedersachsen schließt Clubs und Diskotheken

Anzeige

Mit diesen Problemen dürften sich auch Clubbetreiberinnen und -betreiber in Niedersachsen ab dem 28. Juli konfrontiert sehen. Wie in Nordrhein-Westfalen müssen auch dort Diskotheken, Clubs und Shishabars in Regionen mit einem Inzidenzwert über zehn schließen. Dies ist der neuen Änderungsverordnung zu entnehmen. Im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen macht die Landesregierung allerdings klar: „Die aktuelle Änderungsverordnung kann nach Ansicht der niedersächsischen Landesregierung nur eine Übergangsregelung sein“. Bei „kommenden Bund-Länder-Gesprächen“ müsse vielmehr „eine Verständigung über neue Maßstäbe getroffen werden, die sowohl die Impfquote als auch die Krankenhausbelegung stärker mit in den Blick nimmt“, heißt es in der Verordnung.

Wie es für Alexander Konrads und seinen Club Apollo weitergehen soll, steht noch nicht fest. „Wir werden jetzt erst mal abwarten, solange es geht und unsere Angestellten in anderen Bereichen ansetzen. Die, für die es finanziell nicht so wichtig ist, werden erst mal nicht arbeiten können“, sagt er. Konrads hoffe einfach, dass „die Phase nicht allzu lang anhält.“

RND/mhs

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen