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Schleimplage erreicht die Ägäis: „Man kann das Meer gar nicht mehr sehen“

  • Zunächst wurde das Marmarameer bei Istanbul von einer grauen Schleimschicht verdreckt, inzwischen hat der „Seerotz“ auch die nördliche Ägäis erreicht.
  • Die dicke Substanz besteht aus Verbindungen, die von Meeresorganismen freigesetzt werden, und blüht derzeit so stark wie noch nie.
  • Experten des griechischen Instituts für Meeresforschung machen aber Hoffnung auf Besserung.
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Athen. Die unappetitliche graue Schleimschicht, die seit Wochen viele Küstengewässer am Marmarameer in der Türkei bedeckt, breitet sich immer weiter aus. Durch die Dardanellen hat der „Seerotz“ jetzt auch die beiden südlich der Meerenge gelegenen, zur Türkei gehörenden Inseln Gökceada und Bozcaada erreicht. Große Teile der Küsten beider Inseln sind bereits verseucht.

„Mancherorts kann man das Meer gar nicht mehr sehen“, berichtete Argyris Bachtsevanis der Zeitung „Ethnos“. Bachtsevanis gehört zur griechischstämmigen Minderheit auf Imvros, wie die ethnischen Griechen Gökceada nennen. „Der Schleim klebt an der Haut, wenn man ins Wasser geht“, berichtet Bachtsevanis, der Dorfvorsteher der Ortschaft Glyky ist.

Ein Blick auf das Meer und einen Strand, am Ufer von Kocaeli, östlich von Istanbul. © Quelle: Kemal Aslan/AP/dpa
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Auch an den Ufern der griechischen Insel Limnos macht sich der Schleimteppich bereits bemerkbar. „Zwischen den Inseln Limnos und Agios Efstratios sowie an den Küsten von Limnos haben wir den Schleim festgestellt“, berichten Wissenschaftler des griechischen Instituts für Fischereiforschung. Sie beobachten im Auftrag des Umweltministeriums in Athen das Phänomen. Unklar ist, ob der Schleim mit Meeresströmungen und vom Wind aus dem Marmarameer durch die Dardanellen in die nördliche Ägäis getrieben wurde oder sich dort lokal gebildet hat.

Schleim verklebt auch die Netze der Fischer

Die eklige graue Grütze ist das Ausscheidungsprodukt von Algen und anderen Meeresorganismen. Begünstigt wird die Schleimbildung durch steigende Wassertemperaturen infolge des Klimawandels und durch zunehmende Verschmutzung des Meeres, vor allem durch Düngemittelrückstände. Der Schleim macht nicht nur das Schwimmen unmöglich, er verklebt auch die Netze der Fischer. „Wir haben die Schleimbildung auch in früheren Jahren gesehen, aber noch nie war sie so stark wie jetzt“, berichtete Stavros Stathakis vom Fischerband der Insel Limnos der Zeitung „Kathimerini“. Nicht nur zahlreiche Strände von Limnos sind inzwischen verseucht. Auf dem offenen Meer reicht der Schleim von der Oberfläche tief ins Wasser und lagert sich vielerorts auf dem Meeresboden ab, wo er jedes Leben erstickt.

Auf den weiter südlich gelegenen Ferieninseln der Ägäis beobachten die Menschen die Entwicklung mit wachsender Sorge. Man hofft, dass sich der „Seerotz“ nicht weiter ausbreitet. Experten des griechischen Instituts für Meeresforschung erwarten, dass sich der Schleim wegen der starken Winde und hohen Wellen in der Ägäis nicht halten kann, sondern sich nach wenigen Tagen auflösen wird.

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