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Schwere Schäden nach Tornado in Ostfriesland – „es ist katastrophal“

Zahlreiche Häuser sind nach dem Tornado beschädigt.

Zahlreiche Häuser sind nach dem Tornado beschädigt.

Aurich. Weggerissene Hausgiebel, umgestürzte Fahrzeuge und zahllose Trümmerteile von Dächern und Zäunen zeugen davon, mit welcher Gewalt ein Tornado über die Gemeinde Großheide in Ostfriesland gezogen ist. Wie durch ein Wunder sei niemand verletzt worden, sagte der Feuerwehrsprecher des Kreises Aurich, Manuel Goldenstein, am Dienstag. Mehr als 50 Häuser wurden demnach durch den Wirbelsturm am Montagabend beschädigt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigte, dass es sich um einem mittelschweren Tornado handelte.

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„Aufgrund von Augenzeugen und Videomaterial kann man eindeutig sagen, es war ein Tornado gestern Abend“, sagte der DWD-Tornadoexperte Andreas Friedrich am Dienstag.

Tornados der Klasse F2 selten in Deutschland

Demnach hatte der Wirbelsturm schätzungsweise Drehgeschwindigkeiten zwischen 180 und 250 Stundenkilometern und einen Durchmesser von mehreren Dutzend bis zu 100 Meter. Er wurde als mittelschwer in der Klasse F2 eingestuft – solche Tornados seien in Deutschland vergleichsweise selten, erklärte Friedrich. Jährlich würden im Schnitt insgesamt in Deutschland zwischen 20 bis 60 Tornados nachgewiesen. Zuvor hatten bereits auch andere Wetterseiten im Netz, wie etwa Tornadoliste.de, den Sturm als Tornado eingestuft.

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Das Ausmaß der Schäden in der rund 8500 Einwohner zählenden Gemeinde Großheide ließ sich am Dienstag noch nicht voll absehen. Bürgermeister Fredy Fischer berichtete, das Unwetter-Ereignis habe eine Verwüstung hinterlassen, die sich durch den Ortsteil Berumerfehn bis in den angrenzenden Ortsteil Ostermoordorf ziehe. Klar sei bereits, einige Häuser seien nicht mehr reparabel. „Es ist katastrophal“, sagte Fischer.

Fünf Häuser sind laut Feuerwehr nicht mehr bewohnbar, da Gebäudeteile durch den Sturm herausgerissen wurden. Die Gemeinde startete noch in der Nacht über Soziale Netzwerke eine Suche nach Ersatzunterkünften für die Menschen ohne Obdach. Zahlreiche Hilfsangebote liefen ein, berichtete Fischer. Die Bewohnerinnen und Bewohner seien dann schließlich aber alle bei Nachbarn untergekommen.

Auch Johann Graver und seine Familie aus Berumerfehn traf der Tornado. Da, wo der Vordergiebel seines Einfamilienhauses mal war, hängen nur noch Reste von Isoliermatten und Holzbalken. Vor Gravers Einfahrt stürzte der Wirbelsturm ein Wohnmobil um. „In dem Moment krachte auch bei uns im Haus alles“, sagte Graver. Die Fenster seien aufgeflogen.

21-Jährige: „Ging alles so schnell“

Seine 21 Jahre alte Tochter, die sich zum Zeitpunkt des Unwetters im ersten Stock aufhielt, habe geistesgegenwärtig reagiert und Deckung gesucht. „Das ging alles so schnell.“

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Neben verwüsteten Vorgärten und abgedeckten Häusern mussten die über 100 Einsatzkräfte umliegender Feuerwehren auch zahlreiche umgeknickte Bäume von Straßen räumen. Dazu rückten auch Firmen aus der Gemeinde mit Treckern und Radladern an.

Nur mit Mühe hätten sich seine Kameradinnen und Kameraden einen Weg zum eigenen Feuerwehrhaus bahnen können, berichtete Feuerwehrsprecher Goldenstein. „Es war ein blankes Chaos, das beseitigt werden musste.“ Ein ähnliches Unwetter habe es im Kreis Aurich bislang nicht gegeben. Auch einzelne Gas-, Wasser-, und Stromleitungen wurden durch umgestürzte Bäume beschädigt. Techniker waren im Einsatz, um die Versorgungsleitungen zu sichern.

Nachdem bereits in der Nacht Einsatzkräfte damit begonnen hatten, erste Sturmschäden zu beseitigen und Gebäude provisorisch zu sichern, liefen am Dienstag die Aufräumarbeiten in vollem Maß an. Bürgermeister Fischer sagte, die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sei sehr groß. Es gebe viele Menschen, „die einfach mitanpacken“. Dachdecker und Baufirmen waren zur Stelle, um Schäden zu reparieren. Hausbesitzer kehrten Trümmer zusammen.

Schaulustige behindern die Helfer

Allerdings hatten Rettungskräfte und Helfer am Dienstag auch mit Schaulustigen zu tun, die in die betroffenen Ortsteile kamen. Die Gemeinde und Feuerwehrkräfte mussten deswegen Straßen absperren. Bürgermeister Fischer appellierte an die Schaulustigen, nicht an die Einsatzorte zu kommen, damit die Aufräumarbeiten nicht behindert würden.

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RND/dpa

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