Rügener Urlaubsorte: Menschen mit Handicap müssen Kurtaxe zahlen

  • Die Insel Rügen spürt die Folgen der Corona Pandemie und zieht Konsequenzen.
  • So müssen Begleitungen von Schwerbehinderten seit diesem Jahr im Ferienort Binz Kurtaxe zahlen – das sorgt für Unverständnis bei Betroffenen.
  • Dagegen zahlen im Ostseebad Sellin Menschen mit Handicap schon länger Kurtaxe.
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Binz. Es sei eine schwere Entscheidung gewesen, sagt der Tourismusdirektor Kai Gardeja. Aber man könne Begleitungen von Schwerbehinderten nicht weiter von der Kurtaxe befreien. Das sei einfach zu teuer. Ab diesem Jahr müssen diese deshalb im Ferienort Binz die reguläre Kurtaxe von täglich 2,80 Euro zahlen, berichtet die „Ostsee Zeitung“ (OZ). Grund für die Veränderung der Kurabgabesatzung war die Corona-Pandemie: „In der aktuellen Situation durch die Corona-Pandemie ist die Frage irgendwann, was sich eine Gemeinde leisten kann und was nicht“, sagt er der Zeitung. Denn die Kosten für die Befreiung der Begleitpersonen muss die Gemeinde aus ihrem Haushalt begleichen.

Betroffene: „Es geht ums Prinzip“

Bei Betroffenen, wie Sonja Egger, Mutter einer Frau mit Downsyndrom, führt diese Entscheidung zu Unverständnis. Die 73-Jährige aus Gronau bei Hannover macht seit 29 Jahren mit ihrer Tochter Sonja (44) Urlaub auf Binz. Bis jetzt war sie bei ihren Aufenthalten, als Begleitung ihrer Tochter mit Handicap, von der Kurtaxe befreit. „Dieses Jahr ist das erste Jahr, in dem ich Kurtaxe bezahlen muss. Das finde ich nicht in Ordnung“, sagt sie der OZ. Dabei geht es ihr nicht um die 2,80 Euro pro Tag: „Es geht ums Prinzip“, sagt sie.

Hier zahlen Menschen mit Handicap auf Rügen Kurtaxe

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Dennoch ist Binz mit 2,80 Euro am Tag nicht die teuerste Kurtaxe-Destination der Insel. Hier belegt das Ostseebad Sellin den ersten Platz. Hier zahlen Gäste in der Hauptsaison 3,50 Euro. Und sogar Menschen mit Handicap (Behinderungsgrad 80 und mehr) sind davon nicht befreit: Sie zahlen einen ermäßigten Beitrag von 2,60 Euro am Tag.

Auf der Insel findet man unterschiedliche Modelle: In Baabe zum Beispiel beträgt die Kurabgabe zur Hauptsaison 2 Euro, Behinderte und ihre Begleitpersonen sind befreit. In Sassnitz hingegen muss der Mensch mit Handicap eine ermäßigte Abgabe zahlen, die Begleitperson nicht. Dranske schließlich hat für Begleitpersonen und Behinderte gleichermaßen ermäßigte Preise. Sie zahlen einen Euro im Gegensatz zum Vollbetrag von 1,50 Euro.

RND/lka

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