Nach Berliner Konzert des Ex-Pink-Floyd-Musikers

Ermittlungen gegen Roger Waters: Eskalation mit Ansage

Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters tritt im Rahmen seiner Deutschland-Tour „This Is Not a Drill“ in der Olympiahalle auf (Symbolbild).

Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters tritt im Rahmen seiner Deutschland-Tour „This Is Not a Drill“ in der Olympiahalle auf (Symbolbild).

Roger Waters auf deutschen Bühnen, das war ein Auffahrunfall mit Ansage. Jetzt ermittelt die Berliner Polizei gegen den 79 Jahre alten Mitbegründer von Pink Floyd wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Waters, seit Jahren mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert, hatte in der vergangenen Woche mit der „This Is Not a Drill“-Tour in der Hauptstadt gastiert, im Rahmen seiner Inszenierung eine Uniform getragen, die der der SS ähnelt. Die Polizei bestätigte mehreren Medien, in der Sache Ermittlungen aufgenommen zu haben. Zuerst hatte das Portal „Jewish News“ darüber berichtet.

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Waters ist nun also ein Fall für den Berliner Staatsschutz. Man hätte es ahnen können, in Deutschland hatte es schon bei der Ankündigung seiner Shows heftige Proteste aus Politik und Zivilgesellschaft gegeben. Am Ende konnte keines der Konzerte verhindert werden. Und so startete Waters, eine der prägenden Gestalten der Rockgeschichte, am 7. Mai den Deutschland-Teil seiner weltweiten Konzertreise, es folgten Köln (9. Mai), Berlin (17./18. Mai), zuletzt München (21. Mai).

Dass diese Shows herausragende Musik bieten, ist bekannt. Genauso ist aber bekannt, dass sie dem Briten als reichweitenstarke Plattform dienen, als Bühne für seine in den Pink-Floyd-Sound eingebetteten Überzeugungen. Einiges davon ist mehrheitsfähig, Waters steht für die Rechte der Schwachen, der Armen, der Unterdrückten ein. Für trans Rechte, Reproduktionsrechte, für die Rechte Geflüchteter. Aber da ist diese Symbolik des Bösen. Die gab es bei ihm schon immer, mittlerweile aber sind sich viele nicht mehr sicher, ob das nur Kunstpose ist. Oder Roger Waters nichts selbst längst Teil des Bösen.

Der trotzige Furor von Roger Waters

Vor allem ist er in seinem Furor äußerst trotzig. Er hat weder das riesige Schwein verbannt, das während seiner „The Wall Live“-Tour vor einigen Jahren mit dem Davidstern auf der Wange über die Köpfe des Publikums schwebte, mittlerweile fliegt es mit dem Logo eines israelischen Rüstungskonzerns. Noch hat er den Ledermantel aus seinem Programm gestrichen, den er während des Songs „In The Flesh“ trägt. Die NS-Symbolik ist unzweifelhaft, Waters‘ Arm ziert dabei eine rote Binde mit den vom legendären Album „The Wall“ bekannten überkreuzten Hämmern.

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Dieses Bühnenoutfit ist nichts Neues, man muss es zudem im Kontext der Verfilmung von „The Wall“ betrachten. Aber Waters musste wissen, dass es gerade in Deutschland, gerade im Licht der Debatte um und über ihn maximale Irritation und Empörung auslösen würde. Roger Waters ist das offenbar, wie so vieles, egal. Vor seinem Auftritt in München setzte er das Vorgehen des Staates Israel in der Palästina-Frage mit dem Terrorregime der Nationalsozialisten gleich, ließ sich dabei am Grab der Weiße-Rose-Mitglieder Sophie Scholl, Hans Scholl und Christoph Probst filmen.

Waters gilt als Anhänger der BDS-Bewegung

Waters treibt es auf die Spitze, auch das kommt kaum überraschend. Seit Jahren gilt er als Anhänger der BDS-Bewegung, die im Umfeld seiner Konzerte offensiv auftritt. BDS steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel. Der Staat soll isoliert und unter Druck gesetzt werden in der Palästina-Frage. Der Kampagne wird seit jeher Antisemitismus vorgeworfen, der Bundestag kam 2019 zu der Feststellung: „Die Argumentationsmuster und Methoden der BDS-Bewegung sind antisemitisch.“ Eine Klage gegen den Parlamentsbeschluss zur Ächtung der Bewegung, angestrengt von BDS-Anhängern, wurde 2021 vom Berliner Verwaltungsgericht abgewiesen.

Immer offener zu Tage tretender Antisemitismus. Das schamlose Spiel mit der Bildsprache der Nazis. Die Berliner Ermittlungen. Und jetzt gipfelt alles am Sonntag im finalen Deutschland-Konzert in Frankfurt. Die Stadt wollte den Auftritt in der historischen Festhalle, in der 1938 nach den Novemberpogromen Tausende Juden zusammengetrieben und ins KZ deportiert worden waren, unbedingt verhindern, handelte sich vor dem Verwaltungsgericht eine Klatsche ein. Waters kostete seinen Sieg genüsslich aus. Jetzt ist der Ernstfall da. Und nicht nur die Besucher werden aufmerksam hinschauen, wie sich Roger Waters so präsentiert. Und vor allem: was.

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