Richterin gestattet Bergung des “Titanic”-Funkgeräts

  • Für Hunderte Verzweifelte an Bord war das Funkgerät der “Titanic” die letzte Hoffnung.
  • Seine Notrufe wurden zwar gehört, doch es versank mit mehr als 1000 Menschen im Meer.
  • Jetzt darf eine Firma erstmals Gegenstände aus dem Wrack hieven.
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Norfolk. Ein Bergungsunternehmen ist auf dem Rechtsweg näher an das berühmte Funkgerät des 1912 gesunkenen Luxusdampfers “Titanic” herangekommen. Eine US-Bezirksrichterin in Norfolk stimmte in einem Entscheid zu, dass die Firma R.M.S. Titanic den historisch und kulturell bedeutenden Marconi-Telegrafen bergen dürfe, der zu einem Teil des Vermächtnisses der “Titanic”, der Überlebenden und der Ertrunkenen gehöre. Das Gerät werde sonst womöglich bald von den Trümmern des immer schneller verfallenden Wracks begraben.

Die “Titanic” hatte auf der Fahrt von England nach New York einen Eisberg gerammt. Während das Luxusschiff voll Wasser lief, setzte es über seinen leistungsstarken Telegrafen Notrufe ab und meldete verzweifelte Versuche, Passagiere zu retten. Die Funker hätten noch gesendet, als ihnen das eingedrungene Wasser schon bis zu den Füßen gestanden habe, schrieb R.M.S. Titanic in seinem dramatisch formulierten Antrag. Das Schiff sank in weniger als drei Stunden. Von dem 2208 Menschen an Bord überlebten nur etwas mehr als 700.

Bisher nur Gegenstände in der Umgebung geborgen - jetzt auch im Wrack

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Das Wrack wurde 1985 auf dem Grund des Nordatlantiks 645 Kilometer vor Neufundland in etwa 4000 Metern Tiefe lokalisiert, und ein Gericht bestellte R.M.S. Titanic zur Bergungsfirma für Fundstücke. Bislang hat das Unternehmen Tausende Gegenstände geborgen, die um das Wrack verstreut lagen, darunter Silberbesteck, Porzellan und Goldmünzen. Jetzt will es jedoch in das Schiffsinnere vordringen, wo es den Telegraf in der Nähe des großen Treppenhauses vermutet.

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Dagegen sperrt sich die US-Ozeanographiebehörde NOAA. Sie argumentiert, die geplante Expedition verstoße gegen US-Bundesrecht und einen Vertrag mit Großbritannien. Das Funkgerät liege inmitten der sterblichen Überreste von mehr als 1500 Menschen und solle da auch bleiben.

Bergung mit U-Booten und Robotern

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Richterin Rebecca Beach Smith erklärte dagegen, der von R.M.S. Titanic vorgelegte Bergungsplan berücksichtige weitestgehend die Vertragsbestimmungen und andere Auflagen. Diese erlaubten eine Expedition aus wissenschaftlichen und kulturellen Gründen, bei der auch eine mögliche Beschädigung des Wracks in Betracht gezogen werden könne.

R.M.S. Titanic hat seinen Bergungsplan auf 60 Seiten dargelegt. Danach soll ein unbemanntes U-Boot durch ein Oberlicht in das Wrack vordringen. Gelingt dies nicht, soll das stark angerostete Dach aufgetrennt werden, um an das Funkgerät heranzukommen. Ein kleiner Saugbagger soll Schlamm entfernen, Roboterarme können Elektroleitungen durchtrennen.

RND/AP

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