Lukratives Geschäft: Reiche Chinesen wetten auf belgische Tauben

  • Belgische Tauben sind die besten – davon sind vor allem reiche Chinesen überzeugt.
  • Die begehrten Vögel sollen ihnen Siege bei Wettflügen bringen.
  • Die Taubenzüchter machen sie dabei zum Teil steinreich.
Helmut Hetzel
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Antwerpen. Belgien, da denkt man an Bier, Fritten, Pralinen, Manneken Pis, die EU, Radrennen. Aber das Königreich der Flamen, Wallonen und der deutschsprachigen Minderheit rund um Eupen hat noch eine weitere Spezialität. Es ist die Taubenzucht, die besonders im niederländischsprachigen Flandern rasend populär ist.

Hier gibt es viele „Duivenmelker“ – Taubenzüchter. Sie lieben ihre Vögel und veranstalten mit ihnen regelmäßig Taubenrennen oder „pigeon races“. Diese Wettbewerbe finden international bei Taubenliebhabern und -züchtern großes Interesse, insbesondere bei reichen Chinesen, die bei den Rennen gern mit eigenen Tauben antreten und hochsummige Wetten darauf abschließen, welches wohl die schnellste Taube ist.

Frederik Leliaert ist einer dieser begeisterten belgischen Taubenzüchter. Als Bub fand er eine junge Taube und zog sie auf, so entstand seine Liebe zu den gurrenden Vögeln. Erst wurde Frederik von seinen Altersgenossen belächelt für seine Taubenzucht, die ihn dermaßen beanspruchte, dass er so manche Party absagte. Als aber eine der von ihm gezüchteten Tauben ihr erstes Rennen gewann, was Frederik einen Wettgewinn von 10.000 Euro einbrachte, da verstummte die Kritik an seinem Hobby schnell.

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Arbeit im Taubenparadies

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Heute ist Frederik ein professioneller Taubenzüchter. Er arbeitet für das belgische Taubenzuchtunternehmen Pipa, eine Abkürzung für „pigeon paradise“ – Taubenparadies. Pipa ist der Rennstall für Tauben und nach eigenen Angaben „das exklusivste Auktionshaus für Reisetauben in der Welt“. Pipa wurde von dem Taubenliebhaber Nikolaas Gyselbrecht (40) gegründet, beschäftigt heute rund 100 Mitarbeiter und bringt es auf einen Jahresumsatz zwischen 35 und 40 Millionen Euro jährlich. Die Taubenversteigerungen von Pipa werden auf der eigenen Website in acht verschiedenen Sprachen angekündigt. Pipa ist damit so etwas wie Christie’s oder Sotheby’s – aber eben nur für Tauben.

Pipa boomt vor allem deshalb, weil reiche Chinesen die Taubenzucht und die Taubenrennen in Belgien entdeckt haben. „Chinesische Millionäre kommen in Scharen nach Belgien, um hier Tauben einzukaufen und bei Taubenrennen mitzuwetten“, sagt Pipa-Mitarbeiter und Taubenzüchter Frederik Leliaert in einem Interview mit der Zeitung „De Volkskrant“. „Chinesen kommen zu uns, um schnelle Reise- und Renntauben zu kaufen, um dann zu Hause mit ihnen eine eigene Zucht zu beginnen. Es gibt in China heute schätzungsweise schon mehr als eine Million Taubenzuchtbetriebe. Der Taubensport ist in China rasend populär, zumal er während der Kulturrevolution von Mao (1966 bis 1976) verboten war. Aber unsere Taubenrennen hier in Belgien, das ist immer noch die Champions League für den Taubensport. Daher kommen die Chinesen noch immer zu uns“, stellt Leliaert fest. „Erst in der vergangenen Woche haben wir an einen chinesischen Millionär eine unserer schnellsten Renntauben zum Preis von 1,6 Millionen Euro verkauft.“

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Viele Taubenzüchter werden durch ihr Hobby steinreich

Viele belgische Taubenzüchter werden durch ihr Hobby steinreich. Taubenzucht ist heute Big Business in Belgien. Joël Verschoot ist so ein belgischer Taubenzuchtmillionär. Der 64-jährige flämische Taubenzüchter hat alle seine 178 Tauben versteigern lassen. Er erlöste damit mehr als 2 Millionen Euro. Allein seine Startaube, Armando genannt, brachte ihm 1,25 Millionen Euro in die Kasse. Sie wurde ebenfalls von einem reichen Chinesen ersteigert, der eine solche besondere Taube für Taubenflugwettstreite im Reich der Mitte unbedingt haben wollte.

Joël Verschoot genießt nun seine vergoldete Rente als pensionierter Taubenzüchter.

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