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Bus-Initiative bringt Querdenker zu Demos - Unternehmer steigt aus

  • Die Bewegung “Honk for Hope” (Hupen für Hoffnung) demonstrierte ursprünglich gegen Corona-Einschränkungen in der Reisebusbranche.
  • Nun nutzen immer mehr Mitglieder der "Querdenken"-Initiative die Angebote.
  • Der Kopf der Bewegung steigt aus, der neue Sprecher unterstützt die Querdenker.

Berlin. Die Corona-Pandemie hat weitreichende wirtschaftliche Folgen. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist die Bewältigung der Krise kein Kinderspiel. Für einige Unternehmer bedeuten Lockdown und Corona-Beschränkungen das Aus. Davor fürchtete sich auch Busunternehmer Joachim Jumpertz und ging deshalb auf die Straße. Er wurde zum Kopf der Bewegung “Honk for Hope” (Hupen für Hoffnung, HfH), die sich für die Reisebusbranche einsetzt und demonstriert. Doch das ist Ende Juli vorbei. Jumpertz steigt aus. Immer mehr Mitglieder der Querdenker-Initiative nutzen die HfH-Angebote für ihre Zwecke und untergraben den eigentlich Sinn seiner Bewegung. So auch am 1. August in Berlin.

Die Initiative “Querdenken” aus Stuttgart hat die Großdemonstration in Berlin gegen die Corona-Auflagen organisiert. Beim von der Bewegung genannten “Tag der Freiheit” nahmen nach offiziellen Angaben rund 20.000 Menschen teil. Die Initiative möchte allerdings über 1,3 Millionen Demonstranten gezählt haben.

Neuer Kopf unterstützt “Querdenken”

“Honk for Hope” wurde an diesem Tag zu einer Art Logistikdienstleister für Querdenker. “Im Juli wurde die Diskussion immer abstruser. Plötzlich kamen Anfragen aus dem rechten Spektrum, beispielsweise von Reichsbürgern aus Magdeburg. Da war für mich klar: Bis hier hin und keinen Schritt weiter”, sagt Jumpertz gegenüber “Welt”. Viele Fahrten lehnte er ab. Später stellt er seine Unterstützung komplett ein, obwohl er wusste, dass das einen riesigen finanziellen Verlust für ihn darstellen würde.

Neuer Sprecher von “Honk for Hope” ist nun Alexander Ehrlich (41). Er ist Reiseunternehmer aus Wien und setzt sich für die “Querdenken”-Initiative ein. Allein der 41-Jährige möchte am 1. August rund 200.000 Menschen nach Berlin gefördert haben. Beweisen kann er das allerdings nicht. Auf seinem Youtube-Kanal spricht er von “mindestens 50.000 Anfragen” – mit jeweils durchschnittlich vier Personen.

“Diese Zahl ist Blödsinn”

Jumpertz glaubt das nicht, auch weil Anfragen keine konkreten Buchungen sind: “Diese Zahl ist Blödsinn. Bis Ende Juli gab es rund 1200 Anfragen, das habe ich selbst gesehen.” Ehrlich erwidert gegenüber “Welt”: “Wir hatten mit lediglich 5000 Anfragen gerechnet und konnten die Nachfrage bei Weitem nicht bewältigen.” Beweise oder Buchungen legt der Busunternehmer aber nicht vor. Ehrlich glaube außerdem, dass viele Menschen, die nicht mit “Honk for Hope” reisen konnten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Großdemonstration gekommen sind.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Maskenpflicht. Bei den Demonstrationen der Querdenker sind nur selten Mund- und Nasenschutz zu sehen. Locker geht es auch in den Bussen von “Honk for Hope” zu. Sprecher Ehrlich: “Auf die Maskenpflicht im Reisebus weisen wir hin, die Busfahrer kontrollieren aber weder medizinische Atteste, noch die ‚Essens-Aufnahme'. Heißt, vermutlich wird niemand eine Maske tragen.” Jumpertz findet diese Einstellung sehr bedrohlich. Das Ablehnen der Maskenpflicht sei schädigend für die Branche. “Denn ein voller Bus kann auf längeren Fahrten schnell zum Hotspot der Virenverbreitung werden, wenn keine Masken getragen werden. Das müssen wir auf jeden Fall verhindern”, betont er.

Busverband kritisiert “Querdenken”

Unterstützung bekommt Jumpertz vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Geschäftsführerin Christiane Leonard lehnt die Zusammenarbeit mit Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern ab. “Wir halten jede Kooperation mit der sogenannten Querdenker-Bewegung für falsch, da sie die Virusausbreitung schlimmstenfalls weiter befördern könnte. Das muss unbedingt verhindert werden.”

Nur in einem Punkt sind sich Jumpertz und Ehrlich einig. “Jetzt wird mobil gemacht für die nächsten geplanten Demos, dahinter steckt natürlich ein wirtschaftliches Interesse”, erklärt der Aussteiger. Der neue HfH-Sprecher stimmt ihm zu: “Die Querdenker sind ein Segen für die Branche. Sie wollen mit dem Bus fahren, wir brauchen Fahrgäste – das ist eine Win-Win-Situtation.” Der Streit um die Bus-Initiative “Honk for Hope” wird wohl trotzdem weitergehen.

RND/nis

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