Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Prozess um tödliche Schüsse bei Anti-Rassismus-Protesten: Jury bekommt das Wort

Der Angeklagte Kyle R. zieht nummerierte Zettel aus einer Lostrommel.

Kenosha.Im Prozess um den Tod zweier Demonstranten bei Anti-Rassismus-Protesten in Kenosha hat die Jury mit ihren Beratungen begonnen. Das Wort haben nun die zwölf Geschworenen, nachdem dem angeklagten Kyle R. ein ungewöhnliches Vorrecht bekam: Richter Bruce Schroeder erlaubte ihm, nummerierte Zettel aus einer Lostrommel zu ziehen. Die Lose bestimmten, welche zwölf der im Prozess anwesenden 18 Jury-Mitglieder letztlich über sein Schicksal entschieden werden. Diese Aufgabe fällt in der Regel der Gerichtsassistenz zu, nicht dem Angeklagten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

R. steht vor Gericht, weil er im August 2020 auf drei Männer geschossen und zwei von ihnen tödlich verletzt haben soll. In Kenosha tobten zu diesem Zeitpunkt schwere Unruhen, nachdem dem Afroamerikaner Jacob Blake bei einem Polizeieinsatz mehrmals in den Rücken geschossen worden war. Der damals 17 Jahre alte R. war mit einem Gewehr und Verbandszeug eigens von seinem Heimatstaat Illinois nach Kenosha gereist, um nach eigenem Bekunden Eigentum vor Randalierern zu schützen. Im Falle einer Verurteilung droht dem früheren Polizeianwärter R. lebenslange Haft.

Kyle R. beruft sich auf Notwehr

R. gab an, in jener Krawallnacht um sein Leben gefürchtet und in Notwehr gehandelt zu haben. Seine Anwälte argumentierten, dass der getötete Demonstrant Joseph Rosenbaum, auf den ihr Mandant als erstes schoss, nach dessen Waffe habe greifen wollen. Andere in der Menge seien auf R. losgegangen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Staatsanwaltschaft zeichnete von R. hingegen das Bild eines „Möchtegernsoldaten“, der die Gewalt erst provoziert habe. So bezeichnete Staatsanwalt Thomas Binger die Tötung Rosenbaums als ungerechtfertigten „Mord“. Er erinnerte die Jury auch an die eigene Aussage von R., laut der er gewusst habe, dass Rosenbaum unbewaffnet gewesen sei.

Der Prozess gegen R. spielt sich in einem politisch aufgeladenen Klima vor dem Hintergrund einer hitzigen Debatte über das Recht auf Selbstverteidigung, Bürgerwehren, Waffenbesitz und Proteste gegen Rassismus in den USA ab.

RND/AP

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.