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„Ihr sollt verbrennen!“: Vater zündet Frau und Sohn an

Der Angeklagte und sein Anwalt Tim Burkert (r) sitzen zu Beginn des Prozesses im Gerichtssaal.

Der Angeklagte und sein Anwalt Tim Burkert (r) sitzen zu Beginn des Prozesses im Gerichtssaal.

Hamburg. „Mein Vater ist gekommen (...), das Haus brennt“, schreit eine Zwölfjährige panisch in ihrem Notruf bei der Polizei. Das Landgericht Hamburg spielt diesen und weitere Aufnahmen von Anrufen bei der Feuerwehr am Freitag in einem Prozess wegen vierfachen Mordversuchs und schwerer Brandstiftung vor. Die Notrufe des Mädchens und von Nachbarn beziehen sich auf ein dramatisches Geschehen, das sich vor gut einem halben Jahr im Hamburger Stadtteil Lurup abspielte.

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In den Tagen vor der Tat habe die Mutter des Mädchens ihrem Ex-Mann gesagt, dass ihre Trennung endgültig sei. Am Nachmittag des 1. Mai sei der in der Türkei geborene, staatenlose Mann zur Wohnung der damals 40-Jährigen gefahren, erklärte die Staatsanwältin. Die Mutter ließ ihn in das Mehrfamilienhaus, weil er angeblich nur den zehnjährigen Sohn abholen wollte. Doch unvermittelt habe er ein Messer gezogen und der Frau an der Wohnungstür drei Stiche in Hals und Nacken versetzt. Der Sohn sei seiner Mutter zu Hilfe gekommen. Er sprang seinem Vater in den Rücken und forderte ihn auf, von ihr abzulassen.

Wohnung stand bei Entreffen der Polizei in Vollbrand

Doch nun sei der Vater ins Wohnzimmer gegangen und habe aus einem Rucksack zwei Flaschen mit jeweils anderthalb Liter Benzin geholt, hieß es in der Anklage weiter. Er habe den Sohn mit der Flüssigkeit übergossen und mit einem Feuerzeug angezündet. Der Zehnjährige habe die Flammen aber löschen können, indem er sich auf dem Teppich wälzte und sich in der Badewanne mit Wasser bespritzte. Unterdessen habe der Angeklagte auch seine Ex-Frau mit Benzin übergossen und angezündet. Die zwölfjährige Tochter habe er ebenfalls mit dem Brandbeschleuniger überschüttet. Doch das Mädchen habe sich auf den Balkon flüchten können, von wo es von der Feuerwehr mit Hilfe einer Drehleiter gerettet wurde.

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Als die Polizei und Feuerwehr eintrafen, habe die Wohnung in Vollbrand gestanden, erklärte ein Polizist am Freitag im Zeugenstand. Die Beamten hätten wegen der Flammen zunächst nicht hineingehen können. Die Hitze habe bereits die Lampen im Treppenhaus zum Schmelzen gebracht. Laut Anklage hatte der 50-Jährige auch im Flur Benzin verschüttet und es angezündet. Nach Angaben des Polizisten hörten Nachbarn den Mann rufen: „Ihr sollt in der Wohnung verbrennen!“

Eine Nachbarin habe ihm gesagt, dass sich der Täter auf einem rückwärtigen Balkon befinde, erklärte der 38 Jahre alte Polizist weiter. Trotz seiner Brandverletzungen am Kopf habe dieser etwas in einer unverständlichen Sprache gemurmelt, sei aufgestanden und habe sich hingesetzt, die Arme gehoben und den Blick in den Himmel gerichtet. Schließlich habe er sich von der Feuerwehr retten lassen.

Frau und Sohn über Monate in Krankenhaus behandelt

Die Frau und der Sohn wurden laut Anklage lebensgefährlich verletzt und über Monate in Kliniken behandelt. Sie werden bleibende schwere Schäden davontragen. Auch der Angeklagte lag drei Monate im Krankenhaus. Er sei nur wenige Stunden pro Tag verhandlungsfähig, sagte ein Gerichtssprecher. Zur Anklage wolle sich sein Mandant nicht sogleich äußern, erklärte der Verteidiger. Der Angeklagte, bekleidet mit Mütze, Mundschutz und einem Parka, saß während der Verhandlung in einem Rollstuhl und schaute starr nach vorne.

Die Kinder und die inzwischen 41 Jahre alte Mutter treten in dem Prozess Nebenkläger auf. Die Frau soll an den beiden nächsten Verhandlungsterminen als Zeugin gehört werden. Die Anklage lautet auf vierfachen versuchten Mord, weil der Messerangriff und der Brandanschlag auf Frau als zwei verschiedene Taten gewertet werden.

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RND/dpa

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