• Startseite
  • Panorama
  • Prozess: 26-Jähriger soll Angriffe auf schwangere Freundin inszeniert haben, um Ungeborenes zu töten

Prozess: 26-Jähriger soll Angriffe auf schwangere Freundin inszeniert haben, um Ungeborenes zu töten

  • Eine 17-Jährige wird schwanger, doch ihr acht Jahre älterer Freund will das Kind nicht.
  • Laut Hamburger Staatsanwaltschaft inszeniert er zwei Überfälle auf die Schwangere, um das ungeborene Kind zu töten.
  • Vor Gericht schweigt er zur Anklage - während sie detailliert aussagt.
Anzeige
Anzeige

Hamburg. Um eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden, soll ein 26-Jähriger in Hamburg zwei Prügelattacken auf seine acht Jahre jüngere Freundin organisiert haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und einem gleichaltrigen Mitangeklagten gemeinschaftlichen versuchten Schwangerschaftsabbruch und gefährliche Körperverletzung vor. Zum Auftakt des Prozesses vor einem Schöffengericht am Amtsgericht St. Georg schwiegen die beiden Syrer zunächst. Sie wollten keine Angaben zu den Vorwürfen machen, erklärten die Verteidiger am Montag.

Der ehemalige Freund der Frau habe zwei Überfälle am 27. Oktober 2019 und am 13. April 2020 mit jeweils einem Mittäter inszeniert, damit die damals 17-Jährige das gemeinsame Kind verliere, erklärte die Staatsanwältin. Beim zweiten Angriff, an dem der Mitangeklagte beteiligt gewesen sein soll, bekam die im achten Monat Schwangere nach einer Vielzahl von Tritten und Schlägen in den Bauch vorzeitige Wehen. Es habe ein Notkaiserschnitt gemacht werden müssen, sagte die Staatsanwältin. Die vorzeitige Geburt sei für Mutter und Baby lebensbedrohlich gewesen. Das Kind erlitt nach Angaben eines Gerichtssprechers jedoch keine bleibenden Schäden.

Vor der Schwangerschaft seien sie bereits seit zwei Jahren ein Paar gewesen, sagte die Mutter des Kindes als Zeugin vor Gericht. Als sie dem Angeklagten im Oktober 2019 gesagt habe, dass sie schwanger sei, habe er komisch reagiert. „Er war ganz anders, ein komplett anderer Mensch“, sagte die inzwischen 18 Jahre alte Frau. Ihr Freund habe gewollt, dass sie das Baby abtreibe. Sonst bekomme er Ärger mit seinem Vater, habe er ihr erklärt. Bei einem zweiten Gespräch habe sie ihm aber gesagt, dass sie das Baby behalten wolle.

Anzeige

Der Angeklagte in hellgrauem Pullover und olivgrünem Anorak, die längeren schwarzen Haare an den Schläfen ausrasiert, starrte die Zeugin immer wieder direkt an, ohne jede Geste des Grußes oder der Verbundenheit. Sein Gesicht blieb hinter der vorgeschriebenen Maske weitgehend verborgen. Er sitzt wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft.

Ungeborenes Kind überlebte den Angriff

Der Mitangeklagte erschien in einem dunkelblauen Anzug mit rotem Einstecktuch und hellblauem Hemd. Als Zuschauerin kam auch seine Partnerin mit einem Baby in den Gerichtssaal. Als das Neugeborene in einer Verhandlungspause zu schreien anfing, kümmerte er sich sehr aufmerksam um das Kind.

Die Zeugin machte ihre Aussage mit fester, wenngleich nicht lauter Stimme. Eine Woche nach ihrem Nein zur Abtreibung habe ihr Freund sie gedrängt, auf dem Heimweg am späten Abend durch einen dunklen Park im Stadtteil Billstedt zu gehen, berichtete die 18-Jährige. Er habe dabei für sie unverständlich auf Arabisch telefoniert, sie dann geküsst. Plötzlich sei ein Unbekannter auf sie zugekommen, habe sie gestoßen, mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihr mehrmals in den Bauch getreten. Ihr Freund habe den Angreifer schließlich weggeschubst und ihn kurz festgehalten, dann aber losgelassen.

„Lass mich nicht alleine!“, habe sie geschrien. Nach dem Überfall habe sie zurück zu ihren Eltern gehen wollen. Doch der Freund sei nicht geblieben. „Er hat nicht einmal gefragt, wie es mir geht“, sagte die 18-Jährige. Ihre Familie habe sie ins Krankenhaus gebracht. Dort hätten die Ärzte festgestellt, dass ihr Kind zum Glück noch lebte.

Fruchtblase platzte durch heftige Schläge und Tritte

Anzeige

Am Abend des zweiten Überfalls habe sie eigentlich ein gebrauchtes Handy kaufen wollen. Nach anfänglichem Widerstand habe sich ihr Freund bereiterklärt, sie zu begleiten. Sie seien mit der U-Bahn zur Horner Rennbahn gefahren. Wieder habe er sie in einen dunklen Park geführt. Als erneut ein Unbekannter kam und sie zu Boden brachte, habe ihr Freund mit der einen Hand seine Jacke über sie gezogen und sie mit der anderen geschlagen.

Durch die heftigen Schläge und Tritte des Unbekannten auf ihren Bauch sei die Fruchtblase geplatzt. Als der Angreifer bemerkte, dass ihre Kleidung ganz nass war, habe er von ihr abgelassen. „Ich habe gedacht, mein Sohn ist tot“, sagte die Zeugin. Sie habe auf eine Straße flüchten können und einen Passanten gebeten, Polizei und Krankenwagen zu rufen. Im Krankenhaus habe ihr der Arzt gesagt, dass ihr Kind sofort mit Kaiserschnitt geholt werden müsse, sagte die 18-Jährige unter Tränen. Über ein Jahr nach der Tat habe sie noch immer Angst, mit ihrem kleinen Sohn nach draußen zu gehen.

Das Gericht hat zwei weitere Verhandlungstermine für den 26. und 29. April angesetzt.

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen