Polizisten beleidigt? Berliner Clan-Chef freigesprochen

  • Bei einer Verkehrskontrolle im April 2019 soll der Chef eines bekannten arabischstämmigen Berliner Clans einen Polizisten beleidigt haben.
  • Der Fall landet vor Gericht, für eine Verurteilung reicht es allerdings nicht.
  • Es sei nicht auszuschließen, dass der Mann einen seiner anwesenden Söhne und nicht den Beamten beschimpfte.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Wem galten die Beschimpfungen, die der Chef eines bekannten arabischstämmigen Berliner Clans bei einer Verkehrskontrolle in den Mund nahm: Seinem Sohn oder dem Polizisten? Da ersteres nicht auszuschließen ist, ist der 53-Jährige am Dienstag vom Vorwurf der Beleidigung eines Polizisten vom Amtsgericht Tiergarten freigesprochen worden. Damit wehrte sich der Angeklagte erfolgreich gegen einen Strafbefehl über 750 Euro, den das Gericht zunächst erlassen hatte.

Bei einer Verkehrskontrolle im April 2019 in Berlin-Neukölln soll Issa R. gerufen haben: "Halt die Fresse! Halt's Maul!" Der Mann, der nach seinen Angaben zwölffacher Vater und bei einer Firma "im Bereich Autos" angestellt ist, erklärte im Prozess, er habe einen der erwachsenen Söhne zur Räson bringen wollen. "Weil er respektlos gegenüber den Polizisten war", so der 53-Jährige. Alle seien aufgeregt gewesen, weil einer der Beamten seine Waffe gezogen habe.

Der als Clan-Chef geltende Issa R. war Beifahrer, als einer seiner Söhne als Fahrer mit erheblicher Geschwindigkeit an einem Funkwagen der Polizei vorbeigefahren und dann ein anderes Fahrzeug geschnitten haben soll. Sie hätten das Auto mit Blaulicht verfolgt, schilderte ein 31-jähriger Beamter vor Gericht.

Als er und sein Kollege am Auto waren, habe er verlangt, dass die Insassen “ihre Hände sichtbar machen sollten”. Weil der Angeklagte mit einer Hand in Richtung seines Hosenbundes fasste, habe er seine Dienstwaffe gezogen.

Anzeige

Staatsanwaltschaft plädierte auf 5000 Euro Strafe

Das Amtsgericht hatte gegen den vorbestraften 53-Jährigen zunächst im November 2019 einen Strafbefehl über 50 Tagessätze zu 15 Euro erlassen. Der Mann hatte Einspruch eingelegt und so eine Verhandlung erzwungen. Die Staatsanwältin plädierte nun auf eine Strafe von 50 Tagessätzen zu je 100 Euro (5000 Euro). Das Gericht folgte dem Verteidiger. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Anzeige

Einige Mitglieder der Großfamilie waren schon wiederholt im Visier der Ermittler. Im Sommer 2018 wurden 77 Immobilien beschlagnahmt, die dem Clan zugerechnet werden. Zwei Verwandte der Großfamilie erhielten im Februar 2020 wegen Diebstahls einer millionenschweren Goldmünze aus dem Bode-Museum mehrjährige Jugendstrafen.

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen