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Immer wieder Polizeigewalt gegen Schwarze: eine Chronologie der Ereignisse

  • Immer wieder sorgen Fälle von Polizeigewalt gegenüber Schwarzen in den USA für Entsetzen.
  • Die Tode von George Floyd, Rayshard Brooks und weiteren Afroamerikanern bewegen die Welt.
  • Ein aktueller Fall ereignete sich am Mittwoch – und die Befürchtung besteht, dass es nicht der letzte bleiben wird.
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Im Jahr 2020 ist das größte weltweite Thema nicht nur die Corona-Pandemie, sondern auch Rassismus und Polizeigewalt gegenüber Schwarzen in den USA. Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat Anhänger auf der ganzen Welt gewonnen. Demonstrationen, abgesagte Sportevents bis hin zu gewalttätigen Protesten und Auseinandersetzungen sind die Folgen von übermäßiger Polizeigewalt gegenüber Schwarzen. Begonnen hat in diesem Jahr alles mit dem Tod von George Floyd.

George Floyd

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Am 25. Mai starb der Afroamerikaner bei seiner Festnahme in Minneapolis. Der Polizist Derek Chauvin kniete minutenlang auf dem Hals des 46-Jährigen. “I can´t breathe (Ich kann nicht atmen)”, sagte er immer wieder am Boden liegend. Passanten nahmen die tödliche Szene mit dem Handy auf und fragten verstört: “Bringen sie ihn um?” Doch der Polizist ließ nicht von Floyd ab. Am selben Abend starb Floyd in einem nahe gelegenen Krankenhaus.

Nach der Veröffentlichung des Handyvideos sowie weiteren Bildmaterials von Überwachungskameras brachen in den USA alle Dämme. Die Menschen gingen auf die Straße, die Einsatzkräfte gingen mit Tränengas und Geschossen vor. Nur wenige Tage später sahen Teile der Stadt aus wie ein Kriegsgebiet. US-Präsident Trump reagierte und schickte das Militär nach Minneapolis, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Doch die Proteste hatten sich längst auf das ganze Land ausgeweitet. Bei den teils gewalttätigen Demonstrationen starben zahlreiche Menschen, etliche wurden verletzt.

Der Polizist, der sein Knie auf George Floyds Hals drückte, wurde mittlerweile, wie seine drei Kollegen, vom Dienst entlassen und muss sich vor Gericht verantworten. Chauvin selbst sieht keinen Grund, sich wegen Mordes verantworten zu müssen. Er bat darum, die Mordanklage fallen zu lassen. Anfang Juni nahmen Tausende bei einer Trauerfeier in Houston, die weltweit im Internet und im Fernsehen übertragen wurde, Abschied von Floyd.

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Breonna Taylor

Schon drei Monate zuvor hatte ein Polizist eine Schwarze bei einem Einsatz erschossen. Am 13. März starb die 26-jährige Krankenschwester in Ausbildung, Breonna Taylor, durch zehn Schüsse, nachdem Polizisten in ihre Wohnung in Louisville eindrangen. Auch US-Sängerin Beyoncé schaltete sich ein und forderte eine Anklage für die für den Tod von Taylor Verantwortlichen. Die Aufmerksamkeit und auch die Proteste in diesem Fall kochten durch den Tod von George Floyd erst richtig hoch. Der Polizist, der Taylor erschossen hatte, wurde erst Mitte Juni entlassen.

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Rayshard Brooks

Am 12. Juni starb Rayshard Brooks in Atlanta, als er nach einer Kontrolle vor den Polizisten flüchtete. Sie erschossen den unbewaffneten Afroamerikaner, während er mit dem Rücken zu ihnen gekehrt wegrannte. “Ich glaube nicht, dass dies eine gerechtfertigte Anwendung tödlicher Gewalt war”, sagte ein Sprecher. Auf den Videos, welche die Polizei später veröffentlichte, ist das deutlich zu sehen. Die am Einsatz beteiligten Beamten wurden suspendiert und später unter anderem wegen Mordes angeklagt.

Der Tod von Brooks hat das Feuer um die Proteste in den USA noch einmal zusätzlich angefacht. Schon zuvor wurde in der Stadt der Ausnahmezustand wegen anhaltender gewalttätiger Demonstrationen aufgrund des Todes von George Floyd ausgerufen.

Jacob Blake

Ein weiterer Fall schockierte im August die USA: Ein Polizist schoss dem Schwarzen Jacob Blake in der Stadt Kenosha (US-Bundesstaat Wisconsin) in den Rücken – in Aufnahmen sind sieben Schüsse zu hören. Der 29-Jährige liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Nach einigen Operationen ist er inzwischen in einem stabilen Zustand, allerdings sei er von der Hüfte abwärts querschnittsgelähmt, sagte Blakes Vater der Chicagoer Zeitung “Sun-Times”.

Nach dem Vorfall wird die Stadt Kenosha nicht nur zum Brennpunkt der Debatte über Rassismus und Polizeigewalt, sondern auch zum Wahlkampfterrain: Sowohl Donald Trump als auch Joe Biden reisen dorthin. Während Trump die Proteste und Ausschreitungen vor Ort als “inländischen Terrorismus” bezeichnet, fordert Biden eine Anklage gegen den Polizisten.

Schwarzer Radfahrer in L.A.

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Nur kurz darauf starb erneut ein Schwarzer in den USA durch Schüsse aus einer Polizeiwaffe. Bei einer Polizeikontrolle in der kalifornischen Metropole Los Angeles hatte ein Beamter einen schwarzen Radfahrer erschossen, der eine Pistole bei sich trug. Nachdem der Mann für eine Kontrolle angehalten worden sei, habe er einem der Beamten ins Gesicht geschlagen, erklärte das Büro des Sheriffs im Bezirk Los Angeles. Dann habe er ein Bündel Kleider fallen gelassen, in dem eine “schwarze halbautomatische Pistole” zu sehen gewesen sei, erklärte Sprecher Brandon Dean am Montag (Ortszeit) vor Journalisten. Ein Beamter habe daraufhin mehrere Schüsse abgefeuert.

Der Fahrradfahrer wurde noch am Ort des Vorfalls für tot erklärt. Zunächst blieb unklar, wieso genau die Polizei den Mann gestoppt hatte. Der Vorfall werde nun untersucht, erklärte die Polizei.

Junger Schwarzer in Washington

Der aktuellste Fall ereignete sich am Mittwochabend. Uniformierte Polizisten in Washington hätten sich einem Auto genähert, in dem sich Waffen befinden sollten, sagte Polizeichef Peter Newsham. Dann seien zwei Menschen aus dem Auto geflohen. Warum die Beamten das Feuer eröffneten, war zunächst unklar. Ein junger Mann, der 17 oder 18 Jahre alt sein sollte, wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht, wo er seinen Verletzungen erlag.

Es sei “unangemessen” zu spekulieren, weshalb die Beamten das Feuer eröffnet hätten, sagte Newsham. Zwei Waffen seien am Tatort gefunden worden. “Wir glauben, der Verdächtige hat zu der Zeit eine Waffe gehabt”, sagte Newsham Reportern bei einer improvisierten Pressekonferenz. Mitglieder der Gemeinde widersprachen dem. Die lokale Black-Lives-Matter-Bewegung rief am Mittwoch zu unmittelbaren Protesten vor der Polizeistation auf.

RND/nis/hsc/mit dpa



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