Brutale Morde in Göttingen: Die zwei Gesichter des Frank N.

  • Frank N., der Gewalttäter aus Göttingen, zeigte zwei Gesichter.
  • Unfassbar brutal tötete er eine Bekannte und eine Helferin, dann fragte er besorgt bei der Polizei nach, wie es seinen Opfern geht.
  • Nach der Festnahme herrscht Erleichterung - aber auch Fassungslosigkeit.
Anzeige
Anzeige

Göttingen. Zwei Frauen getötet, der mutmaßliche Täter anderthalb Tage lang auf der Flucht – das unvorstellbar brutale Verbrechen von Göttingen hat Polizei und Bevölkerung in Südniedersachsen in Furcht versetzt. Erst mit der Festnahme des Verdächtigen Frank N. am Freitagabend in Göttingen setzte Erleichterung ein. Der 52-jährige Mann wehrte sich bei der Festnahme vor einem Schnellrestaurant, wie die Polizei mitteilte.

Am Samstag kam eine bittere Gewissheit dazu: Eine 57-jährige schwer verletzte Frau sei im Krankenhaus gestorben, sagte der Göttinger Polizeichef Thomas Rath. Die Frau hatte bei der Tat am Donnerstag versucht, dem Opfer in höchster Not beizustehen.

Lesen Sie auch: Bluttat in Göttingen: Verdächtiger ist mehrfach verurteilter Vergewaltiger

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

„Es ist ein mulmiges Gefühl, wenn ein mutmaßlicher Doppelmörder frei rumläuft“

Dem Polizeichef war die Anspannung anzusehen. „Es ist ein mulmiges Gefühl, wenn ein mutmaßlicher Doppelmörder frei rumläuft“, sagte Rath am Rande einer Pressekonferenz. „Umso größer war die Erleichterung, als wir ihn dann am Freitagabend endlich festgenommen haben.“ Ein Haftrichter in Göttingen erließ am Samstagmorgen Haftbefehl. „Der Beschuldigte hat keine Angaben zur Tat gemacht“, sagte Staatsanwalt Frank-Michael Laue. Er teilte mit, der Verdächtige sei in den 1990er-Jahren wegen mehrerer Vergewaltigungen verurteilt worden.

Video
Zweites Opfer des Göttinger Frauenmörders ist tot
1:22 min
Der Gewalttäter aus Göttingen zeigte zwei Gesichter. Unfassbar brutal tötete er eine Bekannte und eine Helferin.  © dpa

Zum Ablauf der Tat vom Donnerstagmittag sagten die Ermittler, der Verdächtige habe seiner 44 Jahre alten Bekannten am Arbeitsplatz aufgelauert, sie mit Brandbeschleuniger überschüttet und angezündet. Als die Frau wegzulaufen versuchte, habe er mit einem Messer auf sie eingestochen. Dann attackierte er die 57-jährige Frau, die ihrer Kollegin helfen wollte. Ein weiterer Zeuge sei mit einem Feuerlöscher zu Hilfe geeilt – diesen habe der mutmaßliche Täter entrissen und damit auf den Kopf des Opfers eingeschlagen.

Anzeige

Der 52-Jährige habe sich zum Tatmotiv zwar noch nicht geäußert, sagte der Göttinger Kripo-Chef Thomas Breyer. „Wir gehen aber davon aus, dass es damit zu tun hat, dass er von ihr wiederholt abgewiesen wurde.“ Der Gelegenheitsarbeiter habe sich über längere Zeit um die Frau bemüht. „Er konnte bei ihr aber nicht landen“, sagte Breyer.

Täter rief mehrmals bei der Polizei an

Anzeige

Am Ort der Bluttat im Göttinger Stadtteil Grone war die Absperrung der Polizei am Samstag längst wieder entfernt. Dennoch blieben Passanten respektvoll stehen. Sie blickten mit teilnahmsvoller Miene zu der Stelle vor einem asiatischen Imbiss, an der die 44-Jährige am Donnerstag gestorben war. Andere Menschen hatten dort Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt.

Thomas Rath (r), Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, und Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue bei einer Pressekonferenz. © Quelle: Swen Pförtner/dpa

Zur Fahndung nach dem Flüchtigen hatte die Polizei starke Kräfte mobilisiert, auch Hunde, Drohnen und Hubschrauber eingesetzt. Einmal wäre der Mann fast ins Netz gegangen. In einem Nahverkehrszug Richtung Hannover erkannte ihn eine Bahnmitarbeiterin und schloss ihn im Waggon ein. Der Zug wurde in Elze bei Hildesheim gestoppt, doch der Verdächtige zerschlug eine Scheibe mit dem Notfallhammer und setzte sich ab.

Zugleich habe der Mann auf der Flucht mehrmals bei der Polizei angerufen, um sich nach dem Zustand der Opfer zu erkundigen, sagte Rath. „Das ist eine Reaktion, die überhaupt nicht nachvollziehbar ist.“ Die Handys habe er sich bei Passanten geborgt – „völlig locker, völlig nett, völlig empathisch“.

RND/dpa