Pfleger über Berliner Rave vor Krankenhaus: “Kann man unsere Arbeit noch mehr verhöhnen?”

Unter dem Motto “Für die Kultur - Alle in einem Boot” waren in Berlin auf dem Landwehrkanal und dem Urbanhafen hunderte von Schlauchbooten zum Feiern und Demonstrieren zusammengekommen.

Unter dem Motto “Für die Kultur - Alle in einem Boot” waren in Berlin auf dem Landwehrkanal und dem Urbanhafen hunderte von Schlauchbooten zum Feiern und Demonstrieren zusammengekommen.

Berlin. Die Demonstration “Für die Kultur – Alle in einem Boot” auf dem Berliner Landwehrkanal hat am Pfingstsonntag für Empörung gesorgt. Von Schutzmasken fehlte jede Spur, auch Abstandsregeln wurden unter anderem in den Schlauchbooten kaum eingehalten. Zudem fand die Demo in der Nähe einer Klinik statt, in der auch Corona-Patienten behandelt werden. Viele fanden das mehr als rücksichtslos. Auch Intensivpfleger Ricardo Lange (38) hat das gar nicht gefallen.

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Pfleger Lange versteht die Menschen, die für die Clubszene demonstrieren. Die Veranstaltung ähnelte aber eher einer großen Party, meint er. “Muss eine solche Party ausgerechnet vor einem Krankenhaus stattfinden? Die Leute brauchen Ruhe. Schon ganz ohne Corona und die möglichen Folgen dieses Raves frage ich mich: Kann man unsere Arbeit noch deutlicher verhöhnen?”, erzählt er dem “Tagesspiegel”.

Keine Überraschung für Pfleger Lange

Der Intensivpfleger ist enttäuscht, aber eine Überraschung ist das für ihn nicht. Ricardo Lange hatte schon vor Wochen geahnt, dass die Situation irgendwann aus dem Ruder laufen werde und die Menschen sich vermehrt nicht mehr an die Corona-Regeln halten werden. “Schade, dass ich recht hatte”, sagt der 38-Jährige der Zeitung.

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Lange und seine Kollegen leisten seit Wochen schwerste Arbeit. “Unsere Arbeitsbedingungen haben sich durch das Tragen der Schutzkleidung massiv erschwert.” Er mahnt gegenüber dem “Tagesspiegel” weiter zur Vorsicht, die Corona-Regeln bestmöglich einzuhalten. Die insgesamt sinkende Anzahl der Corona-Patienten sei kein Signal dafür, sich den Regelungen widersetzen zu müssen. Denn: “Obwohl ich lese, dass in einigen Kliniken die Zahlen der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen sinken – bei uns sind sie seit letzter Woche deutlich gestiegen.”

Entschuldigung von Veranstaltern

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Die Veranstalter der Demonstration haben sich am Dienstag zu Wort gemeldet: “Wofür wir uns ganz deutlich entschuldigen möchten, ist der mehr als schlecht gewählte und symbolisch völlig unangemessene Demoendpunkt vor einem Krankenhaus. Das hätten wir und die anderen beteiligten Akteure besser machen müssen. Dies tut uns leid und dafür möchten wir uns aufrichtig entschuldigen”, heißt es auf der Facebook-Seite der Initiatoren, der Rebellion der Träumer.

RND/nis

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