Pfandsystem für Kaffeebecher: Eine Idee mit Hindernissen

  • Stuttgart beteiligt sich ab sofort am Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher.
  • Eine gute Idee, um der Becherflut entgegenzuwirken.
  • Doch am Ende gibt bringt das System noch einige Hindernisse mit sich. Ein Kommentar.
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Schnell noch einen Kaffee für unterwegs und auf geht es zum nächsten Termin – für viele im hektischen Alltag das tägliche Geschäft. Dass die Umwelt darunter leidet, ist jedoch kaum jemandem bewusst. Schließlich kann der Becher recycelt werden – so zumindest denken fälschlicherweise die meisten Verbraucher. Aufgrund der Kunststoffbeschichtung müssen die Becher aber verbrannt werden. Ein enormer Schaden für die Umwelt. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe werden allein in der Bundesrepublik pro Stunde 320.000 Coffee- to-go-Becher verbraucht – das ergibt drei Milliarden Stück pro Jahr. Dafür werden jährlich rund 83.000 Tonnen CO₂ verbraucht – für die Deckel kommen 28.000 Tonnen hinzu. Eindeutig zu viel.

Viele Städte, wie München, Berlin und Köln, sagen den Einwegbechern inzwischen den Kampf an und beteiligen sich am Pfandsystem Recup. Das Konzept: Den Mehrwegbecher gibt es für einen Euro, später kann er bei allen teilnehmenden Cafés und Bäckereien wieder abgegeben werden. Ab sofort macht auch Stuttgart mit.

Mehrwegbecher muss mehr als einmal genutzt werden

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Eine gute Idee, um der Becherflut entgegenzuwirken. Doch damit sich die Produktion des Mehrwegbechers auch wirklich lohnt, muss er häufig genutzt werden – ein Problem, wenn er zu Hause steht und der Kunde vor Ort doch wieder zum Einwegbecher greift. Viel eher würde das Konzept funktionieren, wenn es einen zusätzlichen Rabatt auf den mitgebrachten Becher gibt. Bei weniger Kosten schmeckt der Kaffee nämlich gleich viel besser. Eine Einwegsteuer, wie sie 2016 von den Grünen und der SPD in Berlin ins Gespräch gebracht worden war, hätte dagegen einen bitteren Beigeschmack, denn am Ende wird sie einfach auf den Endverbraucher umgelegt.

Traurig ist, dass sich vor allem die kleinen Cafés an dem Konzept beteiligen, wogegen große Ketten wie Starbucks, die nach Schätzungen des Bundesverbandes Systemgastronomie im Jahr 2018 rund 123 Millionen Euro Umsatz machten, und McDonalds noch immer keine Mehrwegbecher anbieten. Allein hier würde eine Verpflichtung schon einiges ändern.

Es muss noch viel passieren

Alternativ könnten die Einwegbecher auch einfach komplett verbannt werden. So entschied es die EU auch für das Plastikgeschirr – nur das die To-go-Becher unverständlicherweise nicht darunter fallen. Der Nutzer würde sich schon daran gewöhnen, künftig immer den eigenen Becher dabei haben zu müssen. Und vielleicht entscheidet sich der ein oder andere dann auch mal wieder gegen den Kaffee für unterwegs und genießt das heiße Getränk lieber vor Ort. Am Ende können wir mit dem Kaffeebecher gewiss nicht die Welt retten und auch, wenn noch viel mehr passieren muss, ist das Mehrwegsystem doch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.