Pariser Straßenfeger ist ein Star auf Tiktok

  • Der Straßenfeger Ludovic Franceschet ist auf dem sozialen Netzwerk Tiktok gern gesehen.
  • Er reinigt nicht nur die Straßen von Paris – der 45-Jährige hat dabei auch eine saubere Botschaft.
  • Über 54.000 Abonnenten folgen dem Mann mit dem Besen und der Kehrmaschine.
Lisa Louis
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Menschen wie Ludovic Franceschet sind Teil des Pariser Stadtbilds. Er und seine Kollegen ziehen täglich in grün-gelben Uniformen durch die französische Hauptstadt und befördern auf der Straße liegenden Abfall in den Müllsack, der an ihren kleinen Wägelchen befestigt ist. Aber Franceschet ist kein Straßenfeger wie jeder andere. Er ist auch ein Star auf dem sozialen Netzwerk Tiktok, hat dort unter dem Namen Ludovicf_off/ EarthCleaner über 54.000 Abonnenten und mehr als 562.000 Likes. Seine Bekanntheit nutzt er, um eine für ihn sehr wichtige Botschaft zu verbreiten.

„Drei, zwei, eins. Tiktok, danke, Florent – Tiktok, danke, Florent – Tiktok, danke, Florent!“, begrüßt singend Franceschet einen neuen Abonnenten, während er mit den Händen einen kleinen Tanz aufführt. Er ist gerade bei seinem morgendliches Ritual: Vor Beginn seiner Arbeitszeit geht er rund eine Stunde auf Tiktok live. „Werft den Abfall in die Mülleimer“, sagt er in die Kamera. Dann kommen ihm die Tränen – was ihm öfter passiere, wie der 45-Jährige zugibt. „Das ist eine lebenswichtige Botschaft. Es berührt mich, davon zu sprechen. Ohne unseren Planeten sind wir nichts.“

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Umweltbewusst ist Franceschet schon immer gewesen

Kurze Zeit später zieht Franceschet durch die Straßen des Pariser Zentrums. In Windeseile hebt er Zigarettenstummel auf, kehrt Plastik zusammen und wirft leere Dosen in seinen Müllsack. Diesen Job macht er seit vier Jahren – vorher war er als Krankenpfleger tätig. Aber umweltbewusst sei er schon immer gewesen: „Als ich klein war, haben meine Geschwister immer Zigarettenstummel auf die Erde geworfen. Ich hab sie aufgehoben, ihnen meine Hand vor die Nase gehalten und gesagt: ‚Das hat doch nichts in meiner Hand zu suchen – die gehören in den Müll!‘“ Zudem hätten ihn seine Großeltern schon von klein auf dazu erzogen, Abfall in den Mülleimer zu werfen. „Ich verstehe nicht, dass es noch immer Menschen gibt, die nicht verstehen, wie wichtig das ist.“

Das Müllproblem ist seit der Corona-Krise schlimmer geworden

Während Franceschet seine Runde macht, nimmt er immer wieder „Vorher-nachher“-Videos auf. Er fotografiert einen Ort, an dem viel Müll liegt, filmt sich mit seinem Handy im Zeitraffer, während er ihn säubert, und macht dann von der nun gereinigten Stelle wieder ein Foto. Später schneidet er alles zusammen, legt Musik darunter und veröffentlicht das Video auf seinem Tiktok-Profil. Damit will er zeigen, was für einen Unterschied seine Arbeit macht. Dabei sei das Müllproblem seit der Corona-Epidemie schlimmer geworden: „Die Restaurants sind seit einiger Zeit zu, und die Menschen holen sich dann immer etwas zum Mitnehmen. Aber den Müll lassen sie einfach auf der Straße liegen“, ärgert er sich.

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Seine Botschaft verbreitet er nicht nur online. Immer wieder spricht er Leute auf der Straße an und fragt, ob sie ihn kennen. „Nö, noch nie von Ihnen gehört“, antwortet eine Jugendliche, umringt von drei anderen Teenagern, die nicht so ganz zu wissen scheinen, wie sie reagieren sollen. Doch Franceschet erobert bald ihre Sympathie, indem er ihnen mit einem breiten Lächeln erklärt, dass er nicht etwa berühmt sein, sondern einfach nur erreichen will, dass die Leute besser auf den Planeten achten. „Es ist schade, dass man so etwas Offensichtliches heute noch wiederholen muss“, sagt die junge Frau daraufhin. „Aber zum Glück gibt es Leute wie Ludovic, die alle daran erinnern.“ Dann abonniert auch sie sein Tiktok-Profil.

Alle sollen die Umwelt ein Stückchen sauberer machen

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Franceschet will indes sein Ansinnen auch jenseits der Grenzen verbreiten. „Ich hoffe, mich sehen viele Leute auch in anderen Ländern. Sie sollten mich kontaktieren. Dann können wir uns abstimmen und gemeinsam unsere Umwelt ein Stückchen sauberer machen“, sagt er und lächelt begeistert.

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