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Paramilitärischer Aufmarsch in Döbeln: Polizei prüft Ermittlungen

  • Zwölf Männer mit Bundeswehrbarett oder NVA-Schiffchen treten auf dem Marktplatz im sächsischen Döbeln zum Appell an, mittendrin der örtliche AfD-Fraktionschef Dirk Munzig.
  • Ein Video der Aktion verbreitet sich bei Twitter, die Reaktionen reichen von Spott bis Entsetzen.
  • Auch die Polizei interessiert sich inzwischen für die Geschehnisse.
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Döbeln. Nach einem bizarr wirkenden Aufmarsch im sächsischen Döbeln prüft die Polizei Ermittlungen. In einem Video, das in sozialen Medien am Dienstag vielfach geteilt wurde, sind rund ein Dutzend Männer, darunter der Döbelner AfD-Stadtrat Dirk Munzig, zu sehen, die mit Bundeswehrbarett oder NVA-Schiffchen bekleidet auf dem Marktplatz zum Appell antreten und zu Kommandos salutieren. Dabei handelt es sich laut einem Bericht der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) um Bundeswehr- und NVA-Reservisten.

Der sächsische SPD-Generalsekretär und Döbelner Landtagsabgeordnete Henning Homann sagte der Zeitung: „Die Symbolik halte ich für schwierig. Die letzte selbst ernannte Bürgerwehr in der Region war von strammen Nazikadern organisiert. Es entsteht der Eindruck, dass Dirk Munzig sich als Nachfolger geriert.“ Der Politiker sprach weiter von „Pappkameraden“, die „die Stadt Döbeln bundesweit der Lächerlichkeit“ preisgeben würden. Es handele sich um einen „Trauermarsch“, so Homann.

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„Unwidersprochene Zurschaustellung einer rechten Bürgerwehr“

Bei Twitter, wo ein Video des Aufmarsches im Rahmen der montäglich in Döbeln stattfindenden Corona-Proteste hundertfach geteilt und kommentiert wurde, sorgte die Aktion für viel Spott. Pro-Sieben-Entertainer Klaas Heufer-Umlauf schrieb etwa: „Wer rechnete bei dem Video auch sekündlich mit den ersten Takten von YMCA?“

Andere Nutzer sehen den Aufmarsch dagegen deutlich kritischer: Es handele sich um „eine unwidersprochene Zurschaustellung einer rechten Bürgerwehr“, schrieb etwa jemand. Das sollte nicht unterschätzt werden.

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Die Polizeidirektion Chemnitz lässt den Aufmarsch inzwischen rechtlich durch die Staatsanwaltschaft bewerten, berichtet die „LVZ“. Hintergrund sei Paragraf 3 des Versammlungsgesetzes, nach dem es verboten sei, „öffentlich oder in einer Versammlung Uniformen, Uniformteile oder gleichartige Kleidungsstücke als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Gesinnung zu tragen“.

RND/seb

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