Pädagogenpaar wegen sexuellen Missbrauchs in Wohngruppe vor Gericht

  • Ein Ehepaar aus Niedersachsen hat über Jahre hilfebedürftige Kinder betreut.
  • Der Mann soll bereits vor mehr als zehn Jahren gegenüber ihm anvertrauten Mädchen sexuell übergriffig geworden sein.
  • Wird der Prozess die Vorwürfe aufklären?
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Hildesheim. Ein Erzieher aus Gifhorn soll in einer familienähnlichen Wohngruppe mehrere Mädchen teils schwer sexuell missbraucht und gequält haben. Mitangeklagt am Landgericht Hildesheim ist die Ehefrau des 56-Jährigen. Die 60 Jahre alte Sozialpädagogin soll nicht eingeschritten sein, als ihr Mann beispielsweise ein Mädchen zwang, über Tage Windeln zu tragen, und ein Kind in einen Hundekäfig sperrte. Das Paar hatte bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe im Januar Tag und Nacht hilfebedürftige Kinder in der Familiengruppe betreut. Beide sitzen seit März in Untersuchungshaft.

Nach Verlesung der Anklage wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung ausgeschlossen, weil die Angeklagten auch über ihre Intimsphäre berichten wollten. Die Taten sollen sich bereits zwischen 1998 und 2007 ereignet haben: Dem 56-Jährigen werden sexueller Missbrauch von Kindern in elf Fällen sowie Misshandlung in vier Fällen vorgeworfen. Die 60-Jährige ist in fünf Misshandlungsfällen angeklagt.

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Ehemalige Bewohnerin hatte Fall ins Rollen gebracht

Eine der vier Nebenklägerinnen wollte den Prozess im Gerichtssaal verfolgen. Eine andere frühere Bewohnerin hatte sich im Januar an die Polizei gewandt und die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Der damalige Träger hatte sich 2007 von dem Paar getrennt. Grund seien aber nicht Hinweise auf sexuellen Missbrauch gewesen, erklärte die Dachstiftung Diakonie. Das Paar führte seine Betreuungsstelle, in der laut Anklage bis zu sieben hilfebedürftige Kinder, Jugendliche und Erwachsene lebten, mit einem neuen Träger weiter.

RND/dpa/msc