Reformen des Synodalen Wegs

Initiative #OutInChurch: Katholische Kirche „spricht über queere Menschen, aber nicht mit ihnen“

Der homosexuelle Katholik Rainer Teuber ist Teil der Initiative #OutInChurch.

Der homosexuelle Katholik Rainer Teuber ist Teil der Initiative #OutInChurch.

„Ich sehe viele Chancen, aber auch großes Frustpotenzial“: Wenn Rainer Teuber auf die vierte Synodalversammlung der deutschen katholischen Kirche blickt, hat er gemischte Gefühle. Er ist gläubiger Katholik, Leiter der Museumspädagogik und des Besucherservices der Schatzkammer im Essener Dom – und seit Jahren mit einem Mann verheiratet. Etwas, das die katholische Kirche bisher nicht akzeptiert.

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Homosexualität oder Queersein ist bei den Katholiken auch heute noch, im Jahr 2022, nicht vorgesehen. Damit sich das ändert, hat sich Anfang des Jahres die Initiative #OutInChurch gegründet. 125 Mitarbeitende der katholischen Kirche – mittlerweile sind es noch mehr – hatten damals öffentlich ihr Outing als LGBTIQ+ und stellten Forderungen an die Kirche.

Mit Hoffnung blickt die Initiative nun auf die Fortsetzung des Reformprozesses Synodaler Weg. In Frankfurt kommen von diesem Donnerstag bis Samstag Bischöfe, Priester, kirchliche Mitarbeitende und zahlreiche Laienvertreter und -vertreterinnen zusammen, um über mögliche Änderungen in der kirchlichen Sexualmoral, bei der Rolle von Frauen in der Kirche, beim Umgang mit Macht und beim Zölibat und der verpflichtenden Ehelosigkeit katholischer Priester zu sprechen.

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Harsche Ablehnung aus dem Vatikan

In Rom ist das alles andere als gern gesehen: Im Juli hatte der Vatikan den deutschen Glaubensbrüdern und -schwestern in einer harschen Stellungnahme mitgeteilt, dass der Synodale Weg „nicht befugt“ sei, neue Formen der Leitung und eine neue Ausrichtung der katholischen Lehre und Moral zu entwickeln. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und die Präsidentin des Zentralrats der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, stellten aber klar, dass sie den Reformprozess gleichwohl fortsetzen wollen. Sie wiesen darauf hin, dass der Vatikan falsche Vorstellungen von dem Prozess in Deutschland habe.

Dennoch ruft die Ablehnung des Vatikans bei der Initiative #OutInChurch erneute Unsicherheiten hervor: „Das ist eine klare Ansage an die Reformer und eine Rückendeckung für die konservativen Kräfte in der deutschen Kirche“, sagt Teuber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er persönlich sei „entsetzt“ gewesen von dem Statement. „Ich bin gespannt, wie weit sich die deutsche Kirche gegen Rom stellt.“ Möglich ist das aber: „Es gibt nur wenige Fragen auf dem Synodalen Weg, die durch eine gesamtkirchliche Regelung beantwortet werden müssen“, sagte die ZdK-Präsidentin Stetter-Karp. Vieles könnten die deutschen Katholikinnen und Katholiken auch eigenständig entscheiden.

Fallhöhe dieses Reformprozesses

Ob sie es dann auch machen, ist die andere Sache. Für die Initiative #OutInChurch ist vor allem die Arbeitsgruppe „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ interessant – von vielen nur „das Sexforum“ genannt, wie Teuber berichtet. In diesen Tagen werden dort Texte durchgegangen, die dann Anfang kommenden Jahres vom Synodalen Weg beschlossen werden könnten. Es geht etwa um die Neubewertung von Homosexualität, Segensfeiern für solche Paare und den Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt. „Wir fordern die generelle Akzeptanz queerer Menschen als gottgewollt, als Teil der Schöpfung“, sagt Teuber.

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Er ist sich sicher: „In diesen Tagen wird jetzt die Laufrichtung vorgegeben.“ Doch der 53-Jährige weiß auch um die Fallhöhe dieses ganzen Reformprozesses, sogar wenn die Texte am Ende der Versammlung zugunsten der Forderungen der Initiative ausfallen: „Die Unsicherheit bleibt“, sagt er. Denn dann stelle sich die Frage, wie die einzelnen Bischöfe vor Ort sich dazu positionierten. „Die Entscheidung hängt an den Bischöfen, welche Reformen am Ende umgesetzt werden.“ Es bestehe dann immer noch die Gefahr eines Flickenteppichs bei insgesamt 27 Bistümern in Deutschland.

Anerkennung auch von nonbinären und trans Menschen

Was Teuber und der Initiative wichtig ist: Es sollen nicht nur Homosexuelle akzeptiert werden, sondern auch etwa nonbinäre und trans Menschen. „Wenn nächstes Jahr nichts dabei herauskommt, sehe ich schwarz“, sagt er mit Blick auf die Abstimmungen des Synodalen Weges Anfang 2023. Blieben Reformen weiterhin aus, könne er sich vorstellen, dass einige sich auch gegen die Kirche entscheiden und austreten. Auch er hadert immer mehr mit der Institution Kirche: „Aus dem dicken Tau, das mich immer mit meiner Kirche verbunden hat, ist ein dünnes Seil geworden“, sagt er. Etwas, das er sich vor einigen Jahren nie habe vorstellen können.

So ist das Fazit, das er mit Blick auf die Forderungen von #OutInChurch zieht, auch ein eher bitteres: „Eigentlich hat sich noch nichts getan“, sagt der Essener Katholik. „Man spricht zwar mittlerweile über queere Menschen, aber immer noch nicht mit ihnen.“

mit dpa

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