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Norwegen unter Schock

Zwei Tote nach Schüssen in Oslo: Was wir über die Tat wissen

Kurz vor der Pride Parade in Oslo sind durch Schüsse in einem bei Schwulen beliebten Nachtclub zwei Menschen getötet und 14 weitere verletzt worden.

Am Abend vor der 40. Pride-Parade in Oslo fallen Schüsse in der norwegischen Hauptstadt. Zwei Menschen werden getötet, zahlreiche Menschen werden verletzt. Der Angriff ereignet sich nahe eines bekannten Queer-Clubs. Die Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts. Wir blicken auf die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Tat, die das ganze Land schockiert.

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Was passierte in der Nacht zu Samstag in Oslo?

Gegen 1 Uhr Ortszeit (MESZ) fielen die Schüsse in Oslo nahe des Queer-Clubs „London Pub“. Zwei Menschen kamen ums Leben, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Zunächst war von mehr als 20 Verletzten die Rede, diese Zahl wurde am Samstagmorgen auf 14 korrigiert. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Die Polizei ermittelte wegen eines möglichen terroristischen Hintergrunds der Tat.

Wo spielte sich die Tat ab?

Das „London Pub“ war nicht der einzige Tatort – auch an anderen Orten der Partymeile fielen Schüsse. Noch in der Nacht nahm die Polizei einen Verdächtigen in der Nähe des Tatorts fest. Dabei hätten anwesende Zivilisten geholfen. Ermittler Christian Hatlo sagte der norwegischen Zeitung „VG“, der 42-Jährige sei zuvor schon straffällig geworden. Wegen Drogendelikten sei er zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. In der Nacht durchsuchte die Polizei seine Wohnung. Zu Einzelheiten wollten sich die Ermittler am Samstagnachmittag äußern.

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Was ist über den mutmaßlichen Täter bekannt?

Wie die norwegische Polizei nach der Tat bestätigt, handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen 42-jährigen iranischstämmigen Norweger, der auch dem für Terrorabwehr zuständigen Inlandsgeheimdienst bekannt sei. Das bestätigte Polizeichef Christian Hatlo am Samstag auf einer Pressekonferenz. Im Zusammenhang mit der Tat seien zwei Schusswaffen sichergestellt worden. Neben einer Pistole sei auch eine automatische Waffe gefunden worden.

Auch bei der Polizei war der Tatverdächtige wegen kleinerer Vergehen wie dem Tragen eines Messers und Drogenbesitzes bekannt. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, habe Einsatzleiter Tore Barstad bereits in der Nacht gesagt, dass alles darauf hindeute, dass es sich um einen Einzeltäter handele.

„Unsere Gesamteinschätzung ist, dass es Grund zu der Annahme gibt, dass er die Bevölkerung in große Angst versetzen wollte“, sagte Ermittler Christian Hatlo. Auch die geistige Verfassung des Verdächtigen werde untersucht. Er äußerte sich seinen Angaben zufolge nicht zu seiner Tat. Hatlo erklärte, noch könne man nicht sagen, ob der Verdächtige gezielt auf Homosexuelle geschossen habe.

Schüsse vor Nachtclub in Oslo: „Dann hörte ich, dass es eine Schießerei gab“

Nach tödlichen Schüssen in Oslo ermitteln die Behörden wegen Terrorverdachts. Dies sagte ein Polizeisprecher am Samstag.

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Wie verlief die Festnahme des mutmaßlichen Täters?

Einsatzkräften der Polizei gelang es Medienberichten zufolge bereits nach kurzer Zeit, den mutmaßlichen Schützen zu überwältigen. Die Zeitung „Aftenposten“ berichtete, Zivilisten hätten bei der Festnahme des Verdächtigen geholfen.

Wie schildern Augenzeugen die Tat?

Der Journalist Olav Rønneberg vom Rundfunksender NRK sagte, sei Zeuge der Tat gewesen. „Ich sah, wie ein Mann mit einer Tasche auf das Gelände kam“, sagte er NRK. „Er nahm eine Waffe in die Hand und begann zu schießen. Zuerst habe er gedacht, der Mann habe ein Luftgewehr bei sich. „Dann zersprang das Glas der Bar nebenan und ich wusste, dass ich in Deckung gehen musste.“ Fernsehbilder zeigten, wie Menschen in Panik vor den Schüssen flüchteten.

Einer der Gäste, Christian Bredeli, sagte der norwegischen Zeitung „VG“, er habe sich mit einer Gruppe von etwa zehn Menschen im vierten Stock versteckt. „Viele fürchteten um ihr Leben“, sagte er. „Auf unserem Weg nach draußen sahen wir mehrere Verletzte, da haben wir begriffen, dass etwas Ernstes passiert war.“

Wie reagiert die Politik auf den Angriff?

Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre betitelte die Attacke in einem Facebook-Post als einen „grausamen und zutiefst schockierenden Angriff auf unschuldige Menschen“. Seine Gedanken seien bei den Betroffenen und ihren Angehörigen. Auch wenn die Ursachen für die Tat derzeit noch unklar seien, wolle er den „queeren Menschen, die sich fürchten und trauern“ sagen, „dass wir alle bei Ihnen sind“, so der Sozialdemokrat.

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König Harald V. (85) rief seine Landsleute auf, zusammenzustehen. Es gelte, gemeinsame Werte wie Freiheit, Diversität und Respekt füreinander hochzuhalten, damit alle sich sicher fühlen könnten. Die frühere konservative Regierungschefin Erna Solberg sagte, die Freiheit, zu lieben, wen immer man möge, sei attackiert worden.

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz drückte am Samstag sein Mitgefühl aus. Seine Gedanken seien bei den Familien der Opfer, schrieb er bei Twitter.

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Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) in Deutschland hat die tödlichen Schüsse eines mutmaßlichen Islamisten in einer beliebten Schwulen-Bar in Oslo als ein Attentat auf die queere Community und einen Anschlag auf die freiheitliche Gesellschaft verurteilt. „Diese Tat ist ein Hassverbrechen, mitten in einem safe space für queere Menschen“, erklärte Vorstandsmitglied Henny Engels am Samstag in einer Pressemitteilung. „Unsere Gedanken sind bei den Verwundeten und Angehörigen.“

Kurz vor der Pride Parade in Oslo sind durch Schüsse in einem bei Schwulen beliebten Nachtclub zwei Menschen getötet und 14 weitere verletzt worden.

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Was ist der „London Pub“?

Der Nachtclub „London Pub“ – das Hauptziel der Angriffe – gilt in Oslo als beliebter Treffpunkt für Schwule, Lesben und andere Angehörige der queeren Szene. Auf der eigenen Internetseite beschreibt sich der Club als beste „Gay Bar“ der Stadt und „Schwules Hauptquartier seit 1979″. Eigentlich wollten dort viele ins Wochenende hineinfeiern: Am Samstag hätte in Oslo nach Absagen wegen der Corona-Pandemie erstmals wieder eine „Pride-Parade“ stattfinden sollen – am Morgen sagten die Verantwortlichen alle Veranstaltungen ab, nach „klaren Hinweisen und Empfehlungen“ der Polizei.

mit dpa und AP

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