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Opfer reagieren auf Weinsteins Berufungsantrag: „Du kannst uns nicht löschen“

  • Harvey Weinsteins Anwälte argumentieren, dass dem ehemaligen Hollywoodproduzenten kein faires Verfahren ermöglicht wurde, und gehen in Berufung.
  • Die Opfer des 69-Jährigen widersprechen vehement.
  • Einige reagieren kämpferisch – und hoffen auf den kommenden Prozess in Los Angeles.
1:24 min
Die New Yorker Geschworenen-Jury hatte den „Pulp Fiction“-Produzenten im Februar 2020 der Vergewaltigung in einem minder schweren Fall und der schweren sexuellen Nötigung schuldig gesprochen.  © Reuters
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New York. Der ehemalige Hollywoodproduzent Harvey Weinstein geht nun gegen seine Verurteilung wegen Vergewaltigung im Februar 2020 vor. Er verbüßt derweil seine Freiheitsstrafe von 23 Jahren in einem New Yorker Gefängnis. Seine Anwälte werfen dem Gericht in der 166-seitigen Eingabe vor, ihm kein faires Verfahren ermöglicht zu haben. Die Opferanwälte verurteilen diesen Schritt scharf.

„Harvey Weinsteins Strafanzeige ist ein verzweifelter Versuch, ein von Richter Burke überwachtes faires Verfahren und die Ergebnisse einer vernünftigen und durchdachten Jury rückgängig zu machen. Wir sind zuversichtlich, dass die Berufung seine Überzeugung und sein Urteil nicht ändern wird“, zitiert das Magazin „Variety“ Douglas H. Wigdor, den Opferanwalt des Verfahrens.

„Jury stimmt Weinsteins Argument nicht zu“

Auch Gloria Allred, die die ehemalige Produktionsassistentin und zentrale Zeugin Mimi Haley vertritt, nimmt die Argumentation von Weinsteins Anwälten in einem Statement gegenüber dem Magazin auseinander: „Offensichtlich stimmte die Jury dem Argument von Herrn Weinstein nicht zu, dass seine sexuelle Interaktion mit Frau Haley einvernehmlich war. Hätte die Jury zugestimmt, hätten die Jurymitglieder Herrn Weinstein nicht wegen dieses schweren Verbrechens verurteilt.“

Unter anderem argumentieren Weinsteins Anwälte, dass Zeuginnen im Prozess ausgesagt hätten, deren Vorwürfe der sexuellen Gewalt gar nicht zu einem Prozess geführt hätten oder juristisch aufgearbeitet worden seien. „Die Staatsanwaltschaft hat diese Zeugen aufgerufen [...], um ein grundsätzliches Vorgehen, eine Strategie oder Plan des Angeklagten zu beweisen“, heißt es in Allreds Erklärung. „Ich glaube, dass die Jury sehr vorsichtig war und die Beweise für Herrn Weinsteins grundsätzliches Vorgehen und Plan geprüft hat und nicht etwa seinen Hang, sich so zu verhalten. Deshalb haben sie beschlossen, ihn zu verurteilen.“

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„Harvey, du kannst uns nicht löschen!“

Doch kamen nicht nur von Anwälten Reaktionen auf die Nachricht des Berufungsantrags: Einige mutmaßliche Opfer meldeten sich selbst zu Wort. Lou Goldbold, die Weinstein ebenfalls sexuellen Missbrauch vorwirft, aber nicht im Prozess aussagen konnte, twitterte: „Als Opfer einer dieser ‚früheren schlechten Taten‘ [...] war die Festlegung des Musters unlauteren Verhaltens der Einfluss, den wir außerhalb der Verjährungsfrist ausüben konnten, also nein, Harvey, du kannst uns nicht löschen.“

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Rosanna Arquette, die eine der ersten Frauen war, die Weinstein öffentlich sexuellen Missbrauch vorwarfen, schrieb zu Weinsteins Berufungsantrag bei Twitter: „Es gibt viel mehr Frauen, die im Laufe der Jahre von Weinstein vergewaltigt wurden. Viele Frauen, deren Karriere zerstört wurde. Und viele Menschen in Hollywood, die ihn weiterhin beschützen und die Überlebenden verleumden. Der Prozess in Los Angeles wird sechs weitere Frauen behandeln, eine war damals 16 Jahre alt.“ In Los Angeles ist Harvey Weinstein wegen sexueller Nötigung in einem weiteren Verfahren angeklagt, das derzeit wegen der Covid-19-Pandemie pausiert.

„Eine LA-Verurteilung kommt als Nächstes“

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Auch Sarah Ann Masse, die Weinstein sexuelle Nötigung bei einem Vorstellungsgespräch für eine Stelle als Nanny vorwirft, glaubt daran, dass die Jury bei ihrer Verurteilung bleiben wird. Und sie verweist ebenfalls auf das Verfahren in LA. „Dies sind die verzweifelten Taten eines verzweifelten Mannes. Die Überlebenden, die bei diesem Prozess Zeugnis ablegten, waren unglaublich mutig, die Jury hörte ihren Aussagen zu und glaubte ihnen. Weinstein ist ein Täter, und daran wird sich nichts ändern. Ich glaube, diese Entscheidung wird bestehen bleiben. Eine LA-Verurteilung kommt als Nächstes.“

Mit dem Prozess gegen den ehemaligen Hollywoodmogul Harvey Weinstein kam die #MeToo-Bewegung ins Rollen.

RND/goe

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