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Oktoberfest­pläne für 2022: „Wiesn soll kein Masseninfektionsherd werden“

  • Dieses Jahr fällt das größte Volksfest der Welt wegen der Pandemie zum zweiten Mal aus.
  • Stattdessen eröffnet am Samstag (18. September) die Wirtshauswiesn in München.
  • Wieso das für ihn kein „Ersatz“ ist und wie die Pläne für das Oktoberfest 2022 aussehen, erzählt Wiesnchef Clemens Baumgärtner im Gespräch mit dem RND.
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Zwei Jahre in Folge musste das größte Volksfest der Welt ausfallen. Das gab’s seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr – seit 1949 wurde jedes Jahr das Oktoberfest gefeiert. Nun ist die Wiesn in der Corona-Zwangspause, das zweite Jahr in Folge, wegen der Pandemie.

Auch wenn die Entscheidung noch heute, mehrere Monate, nachdem sie gefällt wurde, viele Fans schmerzt – Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU) hinterfragt sie nicht. „Die Absage war die einzig richtige Entscheidung“, sagt er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Alles andere wäre unverantwortlich gewesen. Die Durchimpfungsquote ist noch nicht hoch genug, das würde die Marke Wiesn nur beschädigen“, ist er sich sicher.

Der Wiesnchef Clemens Baumgärtner beim letzten Oktoberfest im Jahr 2019. © Quelle: picture alliance/dpa
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Absage an eine „Wiesn light“

Allen Plänen einer „Wiesn light“ habe er ebenfalls eine Absage erteilt – „ganz oder gar nicht“, so seine Einstellung. Deshalb will er die Wirtshauswiesn, die an diesem Samstag (18. September) in München beginnt, auch nicht als „Ersatz“ bezeichnen. Er sieht es eher als kleines Trostpflaster: „Die Wirtshauswiesn soll etwas Wiesn-Feeling in den Gasthäusern erzeugen“, sagt er. Etwa 50 Innenstadt- und Wiesnwirte und -wirtinnen laden für die ursprünglich geplante Oktoberfestzeit bis zum 3. Oktober in ihre Lokale ein.

Das Anzapfzeremoniell, mit dem normalerweise der amtierende Oberbürgermeister im Schottenhamel-Zelt das Fest mit dem Ruf „Ozapft is“ eröffnet, wird nun in verschiedenen Gaststätten unterschiedlich zelebriert. Im Schiller-Brau wird etwa der Münchner Alt-Oberbürgermeister und Ex-Anzapfkönig Christian Ude (SPD) ein Fass anstechen – der hatte als erster OB auf der Wiesn 2005 das 200‑Liter-Fass mit nur zwei Schlägen angezapft. Die Wirtshauswiesn sei mehr angelehnt an die gemütliche „Oide Wiesn“ als an die „klassische Wiesn“, so Baumgärtner.

Baumgärtner blickt optimistisch auf Wiesn 2022

Dass es letztere nächstes Jahr wieder geben wird, da ist der Wiesnchef optimistisch. Die Konzeptentwicklungen laufen schon: „Wir planen aktuell mit 2G für die Wiesn 2022″, sagt er dem RND, „gegebenenfalls sogar mit zusätzlicher Testung.“ Das würde bedeuten, dass nur geimpfte und genesene Besucherinnen und Besucher Einlass bekommen würden und sich eventuell sogar zusätzlich noch testen lassen müssten.

Die Wiesn soll kein Masseninfektionsherd werden.

Clemens Baumgärtner (CSU), Wiesnchef und Wirtschaftsreferent

Welche Regeln wirklich konkret gelten werden, könne aber erst kurz vor der Wiesn 2022 – je nach Pandemielage – bekannt gegeben werden. „Aber wir bereiten uns auf den schlimmsten Fall vor.“ Das sei dann die 2G-Regelung plus Testung. „Auf die doch recht unsicheren Schnelltests wollen wir uns nicht verlassen“, sagt er nach aktuellem Stand. Er glaubt aber auch, dass sich in Sachen Tests und auch Impfungen bis zum nächsten Jahr noch einiges tun könne. So viel steht für ihn fest: „Die Wiesn soll kein Masseninfektionsherd werden.“

Einlasskontrollen für Geimpfte und Genesene geplant

Er geht daher aktuell von Einlasskontrollen aus, bei denen die Geimpften und Genesenen ihren Nachweis zeigen müssten. Das Gelände sei seit Jahren schon eingezäunt – bisher wurde vor allem kontrolliert, dass die Besucherinnen und Besucher keine Waffen und scharfen Gegenstände dabei haben. „Da brauchen wir natürlich mehr Ordner und auch elektronische Hilfen“, so Baumgärtner über die neuen Herausforderungen. Er könne sich auch vorstellen, dass bei den Regelungen zwischen Innen- und Außenbereichen differenziert werde.

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Bei der Umsetzbarkeit beruft sich Baumgärtner auch auf die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA), die zuletzt in München durchgeführt wurde. „Das funktionierte wunderbar“, findet er – trotz mehr Aufwand an Personal. Die Menschen hätten die Maßnahmen akzeptiert und etwa Tests oder Impfnachweise hochgeladen. „Es wurden deutlich mehr praktische Erfahrungen gesammelt, was man den Menschen zumuten kann und wie eine Großveranstaltung wirtschaftlich, technisch und logistisch durchführbar ist.“ Allerdings wurde auf der IAA nicht im großen Stil Alkohol konsumiert, es galten Abstandsregeln, was im Bierzelt mit feiernden Massen kaum möglich ist.

Baumgärtner erwartet noch internationalere Wiesn als sonst

Während Baumgärtner für die jetzige Wirtshauswiesn erwartet, dass vor allem Menschen aus München und dem Umland kommen, glaubt er nicht, dass die Wiesn im kommenden Jahr wegen der Pandemie weniger international als sonst wird – im Gegenteil: „Es gibt jetzt schon Versuche für Reservierungen. Es war gerade erst für die IAA ein Filmteam aus Singapur hier, das sich über die Freiheiten hier gewundert hat. Es wird noch internationaler als sonst“, ist er sich sicher, „die Lust zu verreisen und zu feiern ist bei den Menschen riesig.“

Bei aller Vorfreude auf eine große Wiesnparty darf aber nicht vergessen werden, dass es auf dem Volksfest in der Vergangenheit auch immer wieder mal zu Gewalttaten gekommen ist. Dem will Baumgärtner einen Riegel vorschieben: „Die Wiesn hat keinen Platz für Gewalt“, sagt er. Doch was wird dafür gemacht? Da verweist der Wiesnchef auf die Einlasskontrollen, die Polizeipräsenz auf dem Wiesngelände und die generell seit dem Anschlag am Münchner Olympia-Einkaufszentrum 2016 noch mal verschärften Sicherheitsvorkehrungen.

mit dpa

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