Im Netz verbreitet sich der Spruch „Ok, Boomer“ - was steckt dahinter?

  • Die Gräben zwischen jüngeren und älteren Generationen sind tief – das hat zuletzt auch Fridays for Future gezeigt.
  • Jetzt treibt ein Netz-Meme den Konflikt auf die Spitze.
  • Der Spruch „Ok, Boomer” ist die Internetversion von „Schon gut, alter Knacker”.
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Hannover. Wer sich derzeit durch die sozialen Netzwerke klickt, trifft dort mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine ganz bestimmte Formulierung: „Ok, Boomer“. Vor allem junge Menschen nutzen sie – und vor allem dann, wenn sie alte Menschen ansprechen. Was steckt hinter dem Netz-Meme? Und was bedeutet es?

Eine Meme-gewordene Trotzreaktion

Grob gesagt ist „Ok, Boomer“ eine trotzige und abwertende Reaktion der Generationen Y (geboren ab 1980) und Z (geboren ab 1997) auf Netz-Postings der Generation der Babyboomer (geboren ab 1955). Den Spruch schleudern junge Leute ihren deutlich älteren Kontrahenten immer dann entgegen, wenn sie andeuten wollen, dass die Generation Ü55 einfach keine Ahnung von ihrer Lebenswelt hat. „Ok, Boomer“ bedeutet also so etwas wie „Jaja, laber einfach weiter ...“. Oder: „Schon gut, alter Knacker“.

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Millennials und Generation Z gelten als politisch desinteressiert und faul – so das Klischee. Babyboomer als altbacken, in der Zeit stehen geblieben. Konfliktlinien wie diese lassen sich immer wieder in den sozialen Netzwerken beobachten – oder zu Hause am Küchentisch.

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Zuletzt machte sich das auch bei der Jugendbewegung Fridays for Future bemerkbar: Aktivistinnen und Aktivisten, darunter natürlich auch Greta Thunberg, wurden in den sozialen Netzwerken immer wieder von Älteren angegangen und beleidigt. Andersrum wählten auch die Schüler gegenüber älteren Generationen ziemlich harte Worte, stellten sie zum Teil als rückständig dar.

Das „Ok, Boomer“ ist nun also der Gipfel des Konflikts – und zwar kein besonders versöhnlicher. Es ist die Meme-gewordene Trotzreaktion der Jungen.

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Reaktion auf „alte weiße Männer“

Erstmals aufgetaucht ist der Spruch bereits im April 2018 auf Twitter, als ein Nutzer einen vermeintlichen „Rassismus an den Weißen“ beklagte. Ein anderer kommentierte den konfusen Post kurz und knapp mit „yea ok boomer“.

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Später verbreitete sich der Spruch auf Plattformen wie Twitter und Reddit. Wann immer „alte weiße Männer“ ihre Weltsicht zum Besten gaben, kommentierten Millennials platt mit „Ok, Boomer“.

Ein Clip auf der Videoplattform Tiktok machte das Meme dann im September endgültig mainstreamfähig: In dem Video ist eine junge Frau zu sehen, die einen ellenlangen Monolog eines älteren Herren zunächst mit gelangweilten Blicken zur Kenntnis nimmt und zum Ende dann ein Schild in die Kamera hält: „Ok, Boomer“.

„Ok, Boomer“ schafft es in die Politik

Inzwischen hat es das Meme sogar in die Parlamente geschafft: Chlöe Swarbrick, eine 25-jährige Politikerin der Grünen in Neuseeland, wurde während einer Rede zum Klimaschutz von einem Zwischenruf unterbrochen. Diesen quittierte sie mit einem – na klar – „Ok, Boomer“ und erregte damit weltweites Aufsehen.

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Swarbrick erklärte ihre Aussage später der britischen Zeitung „The Guradian“: „Mein ‚Ok Boomer’-Kommentar im Parlament symbolisierte die kollektive Erschöpfung mehrerer Generationen.“ Als Politiker stelle sie sich stets intuitiv einen alten Mann im Anzug vor. An sich wäre das zwar kein Problem, aber: „Es ist ein Stereotyp.“ Politik solle nicht aussehen wie ein Mann im Anzug – sondern wie die Gesamtheit einer Bevölkerung.

Inzwischen ist der Spruch so erfolgreich, dass sogar T-Shirts damit bedruckt und verkauft werden. Sehr zum Unmut übrigens der Betroffenen. Denn die Babyboomer selbst finden das Meme nicht besonders lustig. In den sozialen Netzwerken bezeichnen viele den Spruch als „Altersdiskriminierung“.