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Nürnberger Gastronom führt 1G-Regel ein – Bedrohungen am Telefon und im Netz

  • Ein Nürnberger Gastronom fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.
  • Er führt in seinem Lokal die 1G-Regel ein – nur Geimpfte haben Zutritt.
  • Es hagelt Hassbotschaften und kritische Kommentare, weshalb der Gastwirt nun rechtliche Schritte einleitet.
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Nürnberg. Die Corona-Infektionszahlen steigen deutschlandweit. Die Ampelparteien und die geschäftsführende Bundesregierung denken wieder über schärfe Maßnahmen nach. In manchen Bundesländern gelten beispielsweise die 2G-Regelungen für Restaurants und Bars. Nur wer geimpft oder genesen ist, hat Zutritt.

Ein Gastronom aus Nürnberg geht noch einen Schritt weiter. Er hat sich für sein Lokal für die 1G-Regel entschieden. Das heißt, nur noch Geimpfte haben Zutritt zu seinem Steakhouse. Kinder müssen gänzlich draußen bleiben. Deswegen sei Hakan Basaran am Telefon „hart bedroht“ worden und vergebe aus Angst zunächst weniger Reservierungen als normal, erklärt der Besitzer des „Wein und Steak Allegro“ in der Nürnberger Innenstadt gegenüber dem Portal nordbayern.

Zahlreiche schlechte Google-Bewertungen wegen 1G-Regel

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In den sozialen Netzwerken zeigt sich ein ähnliches Bild. „Beitrag zur Spaltung der Gesellschaft gelungen. Gratulation. Ein Gastronom sollte nicht über medizinische Belange bestimmen“, schimpft ein Nutzer. Auf Facebook wünscht ein User dem Gastwirt „eine fröhliche Insolvenz“. Viele vergeben in den Bewertungen bei Google einen Stern an das Lokal mit der Begründung, es sei „kinderfeindlich“ und „diskriminierend“. Viele der Kommentatorinnen und Kommentatoren dürften wohl selbst gar nicht vor Ort gewesen sein.

Wie Hakan Basaran dem Portal inFranken erklärt, würden Kinder bereits seit acht Jahren nicht mehr in seinem Restaurant bewirtet werden. Das habe mit Corona also nichts zu tun. „In einem Lokal, in dem Alkohol getrunken wird, haben Kinder nichts verloren“, erklärt er seine Entscheidung.

Restaurant ergreift umfassende juristische Schritte

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Am Montag veröffentlichte das Restaurant auf seiner Facebook-Seite ein Statement zur aktuellen Situation. Darin heißt es, dass juristische Schritte eingeleitet würden. „Es wird Strafantrag wegen aller in Betracht kommender Strafdelikte gestellt.“ Dies umfasse Delikte wie Volksverhetzung, Nachstellung, Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung. „Sämtliche Direktnachrichten, Kommentare und Teilungshandlungen jeglicher Art inkl. Telegram-Chats wurden als Beweismittel erschöpfend gesichert“, heißt es in der Mitteilung weiter. Unter dem Post wird erneut heiß über den Fall diskutiert.

Basaran appelliert, sich impfen zu lassen

Neben den Hassnachrichten und der Kritik bekommt das „Wein und Steak Allegro“ aber auch Zuspruch. „Ein sehr mutiger Schritt“, kommentiert eine Facebook-Nutzerin die 1G-Regel in dem Steakhaus. „Eine gute Entscheidung“, schreiben weitere Personen zu Basarans Vorgehen.

Doch warum hat sich der Gastronom überhaupt für die 1G-Regel entschieden? In erster Linie wolle er sich, seine Mitarbeiter und seine Gäste schützen, sagt er inFranken. „Wir wären nicht in dieser Pandemie, wenn sich alle einfach impfen lassen würden“, appelliert Basaran. Seine Regelung halte er nicht für die perfekte Lösung, jedoch fühle er sich von der Politik im Stich gelassen und wolle so selbst handeln.

Auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) vom Dienstag möchte der Restaurantbesitzer kein Statement mehr abgeben. Das habe insbesondere höchstpersönliche wie auch privat-betriebliche Gründe.

RND/nis

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