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  • Neujahrsvorsätze einhalten: Warum sie sowieso scheitern werden - der wohl demotivierendste Text des Jahres

Neujahrsvorsätze? Sie werden doch sowieso scheitern

  • Weniger Stress? Mehr Sport? Kein Nikotin mehr?
  • Sparen Sie sich die Neujahrsvorsätze.
  • Unser Autor weiß ganz genau, wie das wieder ablaufen wird, und präsentiert Ihnen an dieser Stelle den demotivierendsten Text des Jahres.
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Hannover. Kurzer Warnhinweis vorweg: Das hier ist der demotivierendste Text des Jahres. Und dabei spielt es gar keine Rolle, ob Sie ihn am Ende oder am Anfang des Jahres lesen. Denn in diesem Artikel widmen wir uns einem äußerst unangenehmen Thema: Ihren Neujahrsvorsätzen.

Immer zum Ende des Jahres kommen Menschen wie Sie auf die Idee, im nächsten Jahr unbedingt etwas besser machen zu wollen als im Jahr davor. Der Trend hat spürbar zugenommen. Alles schreit nach Selbstoptimierung – dafür gibt es inzwischen sogar Kurse mit selbst ernannten Coaches.

Was aber sowieso alle wissen: Neujahrsvorsätze sind für die Katz. Und auch Sie werden wieder scheitern. Wie dramatisch Ihr fehlendes Durchhaltevermögen ist, verdeutlicht unsere nun folgende Liste.

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1. Weniger Stress, mehr Zeit für die Familie

So glücklich wie diese Stockfoto-Familie werden Sie sowieso nicht. © Quelle: picture alliance / imageBROKER

Der Klassiker. Kurz vor Weihnachten hasten Sie noch abgehetzt und außer Atem zwischen drei Businessmeetings in den Shoppingtempel, um auf den letzten Drücker dem kleinen Finn-Jonathan die Playstation zu besorgen, und beschließen dann: Nächstes Jahr soll alles besser werden.

Doch daraus wird nichts. Zum einen kommt Finn-Jonathan nächstes Jahr in die Pubertät und raubt ihnen den letzten Nerv, zum anderen ziehen Sie wieder irgendeinen dicken Deal an Land, für den es sich lohnt, auch nach Feierabend noch mal ein bis drei Stündchen auf der Arbeit zu bleiben.

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Das hätte man ja alles nicht ahnen können, argumentieren Sie dann, während Finn-Jonathan auf der Playsie bei GTA mit einem Hubschrauber eine Oma überfährt und ihre Frau die Scheidung einreicht. Davon werden Sie aber gar nichts merken, denn Sie haben dank der vielen Arbeit längst vergessen, dass Sie eine Frau haben.

Lassen Sie den Quatsch mit dem Neujahrsvorsatz, Sie machen es nur noch schlimmer.

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2. Mehr Sport

Das Joggen halten Sie sowieso nicht durch. © Quelle: Ronald Wittek/dpa

Noch ein wenig verkatert, aber mit übertrieben motivierter Einstellung schnüren Sie am 1. Januar die Laufschuhe zu. Nun soll es endlich so weit sein: Nach Tagen der Völlerei beginnt heute das Sportprogramm.

Ihr Freund: die neu gekaufte Fitnesswatch. Ihr Endgegner: der Weg um den Stadtparksee. Und dann laufen Sie los mit ihrer neuen Joggingbrusttasche, die noch funkelnden Laufschuhe galoppieren über den Schotterweg. Auch die neu angeschaffte Sporthose steht Ihnen einfach ausgezeichnet, das muss man einfach mal so sagen.

Wie ein junges Reh fliegen Sie Ihrem Ziel entgegen, zumindest für etwa fünf Minuten. Dann schmerzt die Lunge, die Beine tun weh, Sie möchten Bäume ausreißen – allerdings vor Wut. Und Ihr Ziel erreichen Sie natürlich auch nicht laufend, sondern gehend.

„Vielleicht wäre Walking für mich besser geeignet“, flüstern Sie sich selbst zu, bevor ihr neues Joggingequipment für immer im Schrank verschwindet. Wer braucht überhaupt Sport? Vielleicht reicht auch erst mal gesunde Ernährung, denken Sie sich und genießen entspannt vor der Glotze Ihre Packung Schoko-Bons.

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3. Mit dem Rauchen aufhören

Mal ehrlich: Rauchen ist viel zu schön, um es aufzugeben. © Quelle: imago images / IPON

Die Lunge ist schwarz, die Zähne sind gelb – und im nächsten Jahr soll es endlich vorbei sein. Im nächsten Jahr werden Sie endlich mit dem Rauchen aufhören. So lautet Ihr Neujahrsvorsatz.

Doch dann kommt der Biergartenbesuch mit Freunden, die Getränke fließen, die Stimmung ist heiter. Einer bietet Ihnen eine Kippe an, und Sie denken sich: Ach, eine kann ja nicht schaden.

Erst machen Sie noch Witze, während Sie verschämt mit der Hand abwinken: „Die schmeckt mir schon gar nicht mehr, ich glaub, ich schaff die gar nicht ganz.“ Doch dann kommt der Qualm der Glückseligkeit in Ihre Blutumlaufbahn – und aus der nicht ganz geschafften Zigarette werden bis zum Ende der Nacht 15.

Und natürlich bleiben Sie wieder darauf hängen, und natürlich machen das ganze Warten auf den Bus, die Pausen auf der Arbeit und die Biergartenabende viel mehr Spaß mit Kippe. Es ist auch gerade einfach nicht der passende Zeitpunkt, um aufzuhören, denken Sie sich. Das kann man schließlich auch noch im nächsten Jahr, oder in dem danach.

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4. Weniger am Smartphone hängen

Ring, Ring! Die Smartphonevorsätze halten nur bis zur nächsten Whatsapp-Gruppeneinladung.

Die Weihnachtsgeschenke werden ausgepackt, die ganze Familie sitzt unter dem Baum – und schon wieder bimmelt Ihr Smartphone. In diesem Moment beschließen Sie: Das muss aufhören. Im kommenden Jahr werden Sie weniger Zeit mit diesem Gerät des Teufels verbringen und endlich wieder leben, so viel ist klar.

Und dann kommt der 2. Januar. Sie sitzen mit einer Freundin im Restaurant, der Kellner bringt die leckeren Speisen, Sie stoßen an. Und dann brummt das Handy auf dem Tisch. Im Display erscheint der Hinweis „Sie wurden zu einer Whatsapp-Gruppe hinzugefügt: Tobis Geburtstagsgeschenk“.

Rita weist die 72 Mitglieder der Whatsapp-Gruppe darauf hin, dass ja schon sehr zeitnah der Geburtstag des gemeinsamen Freundes sei und dass man sich doch bitte umgehend melden solle, sofern man sich an einem Geschenk beteiligen wolle. Das Wort „umgehend“ macht Sie zwar nervös, doch Sie bleiben standhaft. Sie nehmen das Handy nicht zur Hand. Das ist schließlich Ihr Neujahrsvorsatz.

Die Teilnehmer der Whatsapp-Gruppe scheinen das nicht zu wissen. Rita und Bärbel beginnen einen Streit über Geburtstagsgeschenk XY, während Stefan erklärt, dass er „an diesem WE sowieso nicht“ könne. Ralf und Bärbel schreiben sich derweil in Rage und diskutieren, ob man die Kritik an Geburtstagsgeschenk XY nicht hätte freundlicher formulieren können. Daniela weist in Großbuchstaben darauf hin, dass sie in den vergangenen Jahren ja „IMMER das Geburtstagsgeschenk besorgt“ habe und das dieses Jahr „auf jeden Fall jemand anderes machen“ müsse.

Der Abend ist weit fortgeschritten, die inzwischen 128 Teilnehmer tippen, die Handys brummen und rödeln. Dann weist Rita noch mal darauf hin, dass sich „die Leute, die noch nicht geantwortet haben, doch bitte auch noch melden“ mögen. Und das ist der Punkt, an dem Ihnen die Hutschnur reißt.

„Entschuldigung, ich muss da jetzt mal kurz drauf antworten“, sagen Sie zu Ihrer Freundin, die allerdings längst genervt über alle Berge ist. Schließlich haben Sie seit zwei Stunden auf Ihr Smartphone gestarrt.

5. Endlich mal was zu Ende bringen

Neujahr wird endlich in die Tasten gehauen!. © Quelle: Daniel Naupold/dpa

Schon wieder sitzen Sie über diesem einen Text, schon wieder diese Schreibblockade. Doch heute werden Sie es schaffen, heute werden Sie diesen Text zu Ende schreiben, das haben Sie sich vorgenommen.

Dieser Text wird nicht wieder im Nirvana der Festplatte verschwinden. Ganz fest nehmen Sie sich vor, nach 6034 mäßig lustigen Zeichen eine gute Pointe zu finden, schließlich hat der Leser das nach 6034 mäßig lustigen Zeichen verdient. Sie werden das Schreiben nicht abbrechen, Sie werden endlich mal was zu Ende bringen. Ein würdiges Ende.

Doch dann

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