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Neue Tierschutzverordnung bringt bundesweit die Polizei in Not

Eine neue Tierschutzverordnung wirkt sich derzeit auf die Ausbildung von Polizeihunden aus.

Zu Beginn des Jahres ist die neue Regelung der Tierschutz-Hundeverordnung in Kraft getreten. Diese gilt für alle Tiere – also auch für die Diensthunde der Polizei. Laut der neuen Verordnung sind schmerzhafte Mittel bei der Erziehung von Hunden verboten. Die sogenannten Schutzhunde der Polizei werden allerdings mit Halsbändern ausgebildet und geführt, die ihnen kurzzeitig die Luft abschnüren. Für einige Dienststellen ist dies nun ein Grund, den Einsatz von Schutzhunden einzustellen – andere Länder halten daran fest. Ein Überblick:

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Berliner Polizei nimmt neue Verordnung ernst

In Berlin etwa reagierte man sofort auf die neue Verordnung und nahm alle Schutzhunde aus dem Betrieb. Dort waren 49 von 130 Polizeihunden betroffen. Die Berliner Polizei erklärte: „Wir müssen uns daran halten.“ Mittlerweile sind die 49 Tiere jedoch wieder im Einsatz. Allerdings dürfen sie vorläufig nicht mehr in jeder Hinsicht trainiert werden. Die Verschärfungen der Hundeverordnung beträfen nur Ausbildung, Erziehung und Training, nicht den Einsatz, erklärte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Donnerstag. Es werde nun geprüft, welche Ausbildungsmethoden sich mit der Verordnung verbinden lassen.

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Die Polizei in Brandenburg zeigte sich von der neuen Verordnung hingegen unberührt. „Wir sehen keine Verbindlichkeit der Anwendung dieser Verordnung auf das Diensthundewesen der Polizei“, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums, Torsten Herbst. „Wir machen das weiter unter den Maßgaben des Tierschutzgesetzes.“ Danach sei es nur verboten, Tieren ohne vernünftigen Grund Schmerzen zuzufügen, erläuterte Herbst.

Niedersachsen prüft alternative Erziehungsmethoden

In Niedersachsen wurde im Zuge der bundesweiten Regelung auch die Landesverordnung für das Diensthundewesen der Polizei angepasst. In Niedersachsen sind davon etwa 223 Hunde betroffen, bei der Polizei in Hannover sind derzeit acht von 30 Schutzhunden nicht im Einsatz. Nun fürchte man, dass beim Wegfall aller Schutzhunde der Dienstbetrieb eingeschränkt werden könnte, so Felix Keldenich, Sprecher der niedersächsischen Gewerkschaft der Polizei (GdP), gegenüber der „HAZ“. Die GdP sehe den Einsatz der Halsbänder nicht ganz so kritisch. Die Halsbänder würden bei Schutzhunden nur in speziellen Situationen eingesetzt, betont Keldenich. „Eine Gefährdung des Tierschutzes sieht die GdP in diesen Fällen nicht gegeben.“

In Niedersachsen werde nun geprüft, ob auch andere Erziehungsmethoden für die Schutzhunde infrage kommen. Außerdem wolle das Land eine Ausnahmeregelung für die Polizei erwirken, berichtet die „HAZ“. Sollte die Polizei ihre Erziehungsmaßnahmen abändern, müssten Jahre für die Umerziehung der derzeitigen Diensthunde veranschlagt werden.

Nordrhein-Westfalen verzichtet auf verbotene Halsbänder

Dass alternative Erziehungsmethoden doch möglich sind, zeigt Nordrhein-Westfalen: „Die Polizei NRW verzichtet bei der zentralen Fortbildung bereits seit mehreren Jahren erfolgreich auf den Einsatz von Stachelhalsbändern. Insbesondere bei Hunden aus der landeseigenen Zucht, bei denen von Anfang an die Wege der Konditionierung bestimmt werden können, ist eine Aus- und Fortbildung mit positiver Verstärkung regelmäßig erfolgreich“, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums mit. Das Land ist somit von der Verordnung nicht betroffen.

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Die Polizei in NRW hat derzeit 324 Diensthunde, verteilt auf 47 Kreispolizeibehörden. Hierbei handelt es sich nach Ministeriumsangaben ausschließlich um Schutzhunde. Etwa 200 dieser Vierbeiner sind zusätzlich als Spürhunde, das heißt als Rauschgift-, Sprengstoff-, Banknoten-, Datenspeicher- sowie Personenspürhunde ausgebildet und könnten demnach auch anderweitig eingesetzt werden.

Ausbildung ist das Problem

Von der Verordnung betroffen sind ausschließlich die Schutzhunde der Polizei. Spür- und Suchhunde, die mit ihrem Geruchssinn Drogen, Sprengstoff oder Menschen finden können, werden anders ausgebildet und geführt. Für sie ändert sich nichts. Schutzhunde hingegen werden etwa bei Razzien oder Demonstrationen eingesetzt, wenn die Polizei aggressive oder gefährliche Situationen erwartet. Auch die Spezialeinsatzkommandos (SEK) haben solche Hunde, die Verdächtige verfolgen oder Angreifer stoppen können.

RND/al/dpa

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