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„Miss Germany“ Anja Kallenbach: „Ich möchte den Leuten Mut machen“

  • Es soll bei „Miss Germany“ nicht mehr um Schönheit gehen, sondern um Authentizität und Persönlichkeit.
  • Dabei setzt sich die 33 Jahre alte zweifache Mutter Anja Kallenbach gegen ihre Mitstreiterinnen durch.
  • Sie möchte mit ihrer Wahl den Leuten Mut machen, verrät sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
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Sie setzte sich gegen viele Frauen mit besonderen Geschichten durch: Die Thüringerin Anja Kallenbach ist die neue „Miss Germany“. Die 33-Jährige aus Tiefenort in Bad Salzungen im Wartburgkreis wurde am Samstagabend im Europapark im badischen Rust gekürt und bekam von ihrer Vorgängerin Leonie von Hase die Schärpe umgehängt.

„Ich möchte den Leuten Mut machen, dass man in seinem Leben jederzeit etwas ändern und seine Ziele erreichen kann und man damit am besten jetzt beginnt“, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Angst wäre hier der falsche Ratgeber, weil man sich so nur Steine in den Weg legen würde.

Die zweifache Mutter hatte nach eigenen Angaben eine schwierige Schulzeit, absolvierte schließlich aber doch ein Studium. Sie war Geschäftsführerin in einem Einzelhandelsunternehmen und fährt Mountainbike.

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„Miss Germany“ Anja Kallenbach: „Ich möchte den Leuten Mut machen“
1:54 min
Anja Kallenbach aus Thüringen ist die neue „Miss Germany“. Die 33 Jahre alte zweifache Mama setzte sich im Europapark gegen 15 Kontrahentinnen durch.  © MGC

Kallenbach ist eine von 16 Kandidatinnen aus allen Bundesländern, die es ins Finale geschafft haben. Mit dabei waren auch eine Aktivistin, die gegen die Diskriminierung dicker Menschen kämpft, eine Überlebende sexueller Gewalt, eine Zeugen-Jehovas-Aussteigerin und eine Frau mit künstlichem Darmausgang. Die Teilnehmerinnen mussten sich in verschiedenen Runden präsentieren und ihre Botschaft deutlich machen.

„Miss Germany“ kommt seit vergangenem Jahr mit einem überarbeiteten Konzept daher: Nach viel Kritik von Feministinnen soll es nicht mehr vorrangig ums Aussehen gehen, sondern darum, authentische und inspirierende Frauen zu fördern. Knigge-Trainings vor dem Finale, Schaulaufen im Bikini vor einer männlich dominierten Jury und Teilnahme-Verbote für Mütter gehören der Vergangenheit an.

Keine „normale Misswahl“

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Schon kurz vor dem Finale betonten mehrere Teilnehmerinnen, dass sie nur wegen des neuen Konzepts teilgenommen hätten. „Bei einem Schönheitswettbewerb hätte ich nicht mitgemacht“, sagte etwa Cynthia Junghanns, die „Miss Hessen“. „Wer braucht das denn, dass da jemand im Bikini langläuft?“ Vielen jungen Frauen tue das herrschende Schönheitsideal ohnehin nicht gut.

Die „Miss Hamburg“, Julia Kremer, sagte vor der Show, bei einer normalen Misswahl hätte sie als dickere Frau wohl sowieso keine Chance gehabt. Dicke Menschen würden immer noch stark diskriminiert: Als sie sich beispielsweise bei einer Moderatorenschule beworben habe, sei ihr gesagt worden, dass sie nur einen Job finden würde, wenn sie drastisch abnehme. „Jetzt gehe ich meinen eigenen Weg. Nennt mich fett, nennt mich dick - das sind für mich keine Waffen mehr, um mich kleinzumachen.“ Isabelle Stoppel, die „Miss Niedersachsen“, sagte, die Teilnehmerinnen seien zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, um Konkurrenz gehe es für sie gar nicht. „Ich habe hier Freundinnen fürs Leben gefunden.“

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Anja Kallenbach aus Thüringen ist die Miss Germany 2021. © Quelle: imago images/STAR-MEDIA

Auch auf der Bühne herrschte dann auch ein Klima des intensiven Bestärkens. So mussten die Top vier eine Lobeshymne auf die jeweils anderen halten. Der Satz: „Du kannst so stolz auf dich sein“, fiel diverse Male. Die Ausgeschiedenen mussten nicht hinter der Bühne verschwinden, sondern nahmen Platz in einer „Support-her-Lounge“, („Unterstütze-sie-Lounge“). Und „Miss Baden-Württemberg“ Weihua Wang sagte sogar, sie und die anderen Teilnehmerinnen hätten im Vorbereitungs-Camp vorgelebt, dass Einheit in Vielfalt erreichbar sei.

Doch ganz ohne Widersprüche ist das Konzept nicht. Das Aussehen soll keine Rolle mehr spielen, trotzdem treten die Frauen in verschiedenen Outfits auf. Es soll darum gehen, Klischees aufzubrechen. Doch die Kategorien, in denen sich die Frauen präsentieren, klingen zumindest zum Teil doch noch ziemlich nach Klischee-Weiblichkeit: Zum Beispiel „Family & Home“ („Familie & Zuhause“) oder „Beauty & Care“ („Schönheit & Pflege“). Zwar betonen die Veranstalter stets, dass Frauen in der Gesellschaft an einem Strang ziehen sollen und es bei „Miss Germany“ darum gehe, sich gegenseitig zu unterstützen. Trotzdem fliegt eine nach der anderen raus, und nur eine kann am Ende gewinnen. Daran ändert auch nichts, dass das Moderatoren-Team immer wieder betont, dass hier alle Gewinnerinnen seien.

Um ihre zwei Fahrradläden will sich die gewählte Schönheitskönigin übrigens, soweit es ihre Zeit zulässt, weiterhin kümmern.

RND/ak/mit dpa

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