Negernbötel: Hinweisschild soll Diskussion über Namen beenden

  • Die Grüne Jugend des Kreises Segeberg hatte für eine Änderung des Ortsnamens Negernbötel plädiert und damit bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.
  • Der Bürgermeister will die Diskussion jetzt beenden – mit einem Hinweisschild.
  • Darauf soll der Ursprung des Namens erklärt werden – doch der scheint gar nicht mehr so eindeutig.
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Negernbötel, eine kleine Gemeinde in Schleswig-Holstein mit knapp 1000 Einwohnern, war nie so in aller Munde wie in diesen Tagen. Im frühen 14. Jahrhundert erhielt der Ort seinen Namen. Weil der den Verdacht erwecken könnte, rassistischen Ursprungs zu sein, fordert die Grüne Jugend des Kreises Segeberg, das Dorf solle einen neuen Namen bekommen – der Vorstoß hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Mit einem Vorschlag will Bürgermeister Marco Timme die Diskussionen jetzt beenden, berichten die „Lübecker Nachrichten“: Ein Hinweisschild im Herzen des Dorfes soll erklären, dass in diesem Fall das verletzende N-Wort gar keines sei.

Doch der tatsächliche Ursprung des Namens scheint gar nicht mehr so eindeutig zu sein: Seit die aktuelle Diskussion um den Ortsnamen bundesweit auf Resonanz stieß, hätten sich bei Timme Wissenschaftler mit Beiträgen gemeldet – einige bestärkten den plattdeutschen Erklärungsversuch, andere übersetzten „neger“ mit „neu“, wodurch sich die Übersetzung „neues Dorf“ ergäbe. Wieder andere leiteten den Namen vom lateinischen Adjektiv „niger“ (dunkel, schwarz) her, weil das Moor das Wasser der dort fließenden Faulen Trave schwarz gefärbt hat.

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Beratungen über Schild noch im Juni?

Timme hat die Deutungen ans Landesarchiv geschickt. Das von ihm anvisierte Erklärschild im Dorfmittelpunkt soll neben einer geplanten Gedenktafel stehen, mit der zweier Kinder gedacht werden soll, die nach dem Krieg durch einen Munitionsfund ums Leben kamen. Am 16. Juni soll bei einer Sitzung der Gemeindevertretung darüber beraten werden.

Die örtliche Jugendorganisation der Grünen hatte die plattdeutsche Herkunft des Ortsnamens gar nicht in Abrede gestellt und unterstellt auch keinem der Einwohnerinnen und Einwohner des Orts rassistische Gesinnung, ist aber der Meinung, „dass wir ein Wort, welches für Rassismus, Unterdrückung und Mord an Black, Indigenous, People of Color steht, ehren und uns keine Gedanken darüber machen“.

RND/big

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