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Nazi-Symbolik oder historische Schrift? Schilder in Supermarkt sorgen für Diskussionen

  • Für die einen sind es normale Hinweisschilder in einem Supermarkt, für andere handelt es sich um Nazi-Symbolik.
  • Die Schrift der Hinweisschilder in einer Edeka-Filiale in Greifswald sorgt für Diskussionen in sozialen Medien.
  • Der Supermarkt meldete sich inzwischen zu Wort, und auch Experten der Universität Greifswald haben sich mit der umstrittenen Schriftart befasst.
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Greifswald. Für Diskussionen in sozialen Medien sorgen derzeit die Hinweisschilder einer Greifswalder Supermarktfiliale. Der Vorwurf: Bei der verwendeten Schriftart würde es sich um Nazi-Symbolik handeln. Wie die “Ostsee-Zeitung” am Mittwoch berichtet, hat sich inzwischen auch die Edeka-Firmenzentrale zu Wort gemeldet.

Zuvor wurden Experten der Universität Greifswald in die Angelegenheit eingeschaltet und haben die Schriftart analysiert. Das Ergebnis: Es handelt sich um die Schriftart “Tannenberg”, die zwischen 1933 und 1935 vom deutschen Typografen Erich Meyer entwickelt und nach der Schlacht bei Tannenberg im Ersten Weltkrieg im heutigen Polen mit mehr als 30.000 Toten benannt wurde.

Von etwa 1935 bis 1941 verwendete die Deutsche Reichsbahn die Tannenberg-Schrift auf Bahnhofsschildern. Noch heute hängen die historischen Bahnhofsschilder aus der Zeit in einigen S-Bahn-Stationen in Berlin. Wie die “Ostsee-Zeitung” berichtet, könnte das der Grund sein, warum sich die Supermarktfiliale für ebendiese Schriftart entschieden hat.

In einer schriftlichen Stellungnahme hob Edeka den Toleranzaspekt des Unternehmens hervor: “Mit der ausgewählten Schriftart wollte der Kaufmann niemanden verletzen.” Vielmehr sei es ein Versuch, den Ladenbau den regionalen Besonderheiten des Gebäudes anzupassen. Weiter heißt es: “Bei der Marktplanung in dem denkmalgeschützten Gebäude wurde besonderer Wert auf die Erhaltung der Halle als Denkmal sowie auf die Bahnhofsatmosphäre gelegt.” Tatsächlich handelt es sich bei dem heutigen Einkaufszentrum um Hallen des ehemaligen Kraftwagenausbesserungswerks. In diesen wurden Waggons repariert.

Aber hätte der Supermarkt ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl zeigen müssen? Kernpunkt der Kritik ist, warum ein Supermarkt im Jahr 2020 eine Schriftart verwenden muss, die 1933 gezielt eingeführt wurde, die den Namen einer mörderische Schlacht trägt. Auch wenn diese die regionalen Besonderheiten aufgreift.

Seit drei Jahren gibt es die Beschilderung in der Filiale. Warum ausgerechnet jetzt Fotos der Schilder im Internet aufgetaucht sind und wer sie gepostet hat, ist unklar. Die Firmenzentrale nehme die Vorwürfe jedoch ernst und werde “in engem Austausch mit dem Kaufmann das Ladendesign einer ausführlichen Prüfung unterziehen”, wie es in der Stellungnahme weiter heißt.

RND/liz

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