Nach Polizeischüssen auf sein Auto kommt der Fahrer nicht zur Ruhe

  • Nur ein paar Zentimeter, dann hätte das Projektil aus einer Polizeiwaffe einen Autofahrer getroffen.
  • Auch ein Jahr nach dem Vorfall kann der 28-jährige Fahrer aus Leipzig damit noch nicht abschließen
  • Er kann nicht nachvollziehen, warum ein Verfahren eingestellt wurde.
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Es war haarscharf. Wenn das Projektil aus der Polizeiwaffe nur etwas höher eingeschlagen hätte, wäre die Kugel nicht im Fahrersitz stecken geblieben, sondern hätte den Oberschenkel eines 28-Jährigen getroffen. Ob die Verletzung dann lebensbedrohlich hätte werden können – das ist reine Spekulation.

Doch auch nach einem Jahr lässt der Zwischenfall an einer Polizeisperre den Mann aus Leipzig nicht los. In der Leipziger Volkszeitung (LVZ) berichtet er über das Geschehen und bekommt eine Frage nicht aus dem Kopf: „Und wenn ich dabei zu Tode gekommen wäre?“ Dass die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen die Beamten eingestellt hat, kann er nicht nachvollziehen. „Es ist krass, dass das einfach so im Sande verläuft“, sagte er jetzt gegenüber der LVZ.

Unterschiedliche Blickwinkel

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Und so kam es zu dem Zwischenfall: Im April 2020 sperrte die Polizei mehrere Straßen wegen des Löscheinsatzes der Feuerwehr bei einem Großbrand ab. Wie die Polizei nach Angaben der LVZ schilderte, habe der 28-Jährige die Absperrung ignoriert und den querstehenden Streifenwagen umfahren. Dann habe der Mann umgedreht. Die Polizei habe auf das Auto – angeblich auf dessen Reifen – geschossen, weil es zu einer Gefährdung der Beamten gekommen sei.

Bei dem Autofahrer hört sich die Schilderung der Situation dagegen ganz anders an. Er gibt in der LVZ an, aus Versehen in die Sperrung hineingefahren zu sein. Als er seinen Fehler erkannt habe, sei er gewendet und langsam wieder zurückgefahren. Sein Anwalt hielt nach Vorlage eines Handyvideos den Schusswaffeneinsatz nicht für gerechtfertigt und erstattete Strafanzeigen gegen die Polizisten wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Zuvor war gegen den Fahrer bereits ein Verfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eingeleitet worden.

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„Eklatante Verfahrensfehler“

Weil gegen keinen der Beschuldigten ein für die Anklageerhebung erforderlicher hinreichender Tatverdacht nach Ansicht der Staatsanwaltschaft bestand, wurden beide Verfahren eingestellt. Damit ist der Leipziger allerdings nicht zufrieden. In der LVZ spricht er von „eklatanten Verfahrensfehlern“, zwei Beamten wirft er widersprüchliche Aussagen vor. Hinzu kommt: Sowohl er als auch sein Beifahrer wollen einen Mann als Schützen gesehen haben. Die Staatsanwaltschaft erklärte nach Abschluss der Ermittlungen hingegen, es seien beide Schüsse an diesem Abend aus der Waffe einer Polizeibeamtin abgegeben worden.

RND/hma

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